Ärzte Zeitung online, 10.01.2018

"Ups-Schäden"

Teure Kunst benötigt Schutz durch spezielle Policen

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen wird Kunst gern zur Geldanlage genutzt. Um wertvolle Stücke abzusichern, genügt eine Hausrat-Police oft nicht. Dann ist spezieller Schutz nötig.

Von Anne-Christin Gröger

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Teure Kunst? Übersteigt der Wert der Stücke in Summe etwa 100.000 Euro, raten Experten zu speziellen Policen.

© shotsstudio/Fotolia

KÖLN. Für die Hausangestellte eines wohlhabenden New Yorker Ehepaars war es ein schwarzer Tag: Ihre Arbeitgeber hatten ein paar impressionistische Gemälde von ihrem Familienwohnsitz in ihr New Yorker Apartment liefern lassen. Mit der Anweisung an die Angestellte, die Bilder auszupacken und die Transportkisten zu entsorgen, verabschiedeten sich die Eheleute und gingen aus.

Am nächsten Morgen, als sie die Stücke in der Wohnung aufhängen wollten, fehlten vier Bilder. Das Ehepaar durchsuchte das ganze Haus, erst nach einer Weile kam es ans Licht: Die Hausangestellte hatte sie aus Versehen mit den Kisten weggeworfen. Die Eheleute hatten glücklicherweise eine Kunstversicherung abgeschlossen. Die Axa Art sprach damals von einem "Ups-Schaden" und zahlte.

Eine spezielle Police für Kunst ist empfehlenswert, wenn der Wert der gesammelten Stücke die Summe von 100.000 Euro übersteigt, sagt Eric Wolzenburg, Leiter Kunstversicherung bei der Allianz Deutschland. Denn die gängige Hausratversicherung deckt Schäden an Bildern, Skulpturen oder Installationen nur bis zu einem Prozentsatz der Versicherungssumme, meist sind es 20 Prozent.

Dazu kommt: Eine Hausratversicherung zahlt nur bei den festgelegten Gefahren Feuer, Leitungswasser, Hagel, Sturm und Einbruch. Fälle wie der des New Yorker Ehepaars sind nicht gedeckt.

Skurrile Ereignisse inbegriffen

Eine Kunstversicherung ist dagegen eine Allgefahrenversicherung. Der Sammler hat das Werk gegen alle Gefahren versichert, die der Anbieter nicht explizit ausschließt. "Von der Deckung ausgeschlossen sind in der Regel Krieg, Vorsatz und Allmählichkeitsschäden, etwa das Ausbleichen eines Aquarells", sagt Wolzenburg.

Alles andere ist versichert, egal, wie skurril die Ereignisse auch sein mögen. Die Kinder verzieren mit bunten Filzstiften eine Fotoübermalung von Rainer Arnulf? Versichert. Ein Besucher, der über die offenen Schnürsenkel stolpert und dabei die chinesische Vase aus der Qing-Dynastie vom Sockel reißt? Versichert.

Die häufigsten versicherten Schäden entstehen allerdings beim Transport, beim Auf- und Abhängen, beim Installieren oder auf dem Weg vom Sammler zur Ausstellung. Auch Vandalismus bei Einbrüchen spielt eine große Rolle.

"Die Einbrecher sind frustriert, weil sie vermeintlich nichts Wertvolles finden, und es ist durchaus schon vorgekommen, dass mit einem Kuhfuß auch Kunst beschädigt wurde." Ein Kuhfuß, auch Nageleisen genannt, ist ein Spezialwerkzeug zum Herausziehen von eingeschlagenen Metallnägeln.

Versicherungssumme prüfen

Mit welcher Summe eine Sammlung abgesichert werden sollte, hängt vom Preis und dem aktuellen Marktwert der Stücke ab. Der kann sich schnell verändern, je nachdem, was gerade besonders gefragt ist. "Zeitgenössische Kunst ist derzeit bei Sammlern und Investoren sehr beliebt, aber auch die alten Meister sind wieder im Kommen", sagt der Wiener Versicherungsmakler Nikolaus Barta. Er ist ein sogenannter Assekuradeur, das heißt, er tritt auch selbst als Versicherer im Auftrag anderer Gesellschaften auf.

Hintergrund für den Boom alter Meister ist die Ersteigerung des Gemäldes "Salvator Mundi" für 450 Millionen US-Dollar durch einen saudischen Prinzen. Der enorm hohe Preis wird die Nachfrage nach anderen Künstlern der Epoche steigern, erwartet der Experte.

Kunst unterliegt Moden, deswegen sollte die Versicherungssumme einer Sammlung regelmäßig überprüft werden, rät Barta. "Weil sich der Marktwert so schnell verändert, schauen wir uns die Sammlung mit unseren Kunden regelmäßig an und passen gegebenenfalls die Versicherungssumme an." Beispielsweise war ein Werk des postmodernistischen US-Malers George Condo vor ein paar Jahren rund 400.000 Euro wert, jetzt liegen die Stücke schon an der Millionengrenze.

Weil Kunst ein gefragtes Anlageobjekt ist, häufen sich Kunstdiebstähle, berichtet Wolzenburg von der Allianz. "Auftragsdiebstähle sind keine Erfindung Hollywoods." Manchmal stecken finanzielle Motive und Lösegeldforderungen hinter solchen Taten, manchmal auch politische Forderungen.

Meistens finden die wertvollen Stücke auf den Schwarzmärkten Osteuropas, Asiens und Südamerikas zahlungskräftige Abnehmer, so Barta. "In China werden bis 2025 bis zu 600 Privatmuseen eröffnen, da wird schon das eine oder andere Werk landen."

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