Ärzte Zeitung online, 30.06.2017
 

Telematik

Mangelware Information?

Nahezu vier Fünftel der niedergelassenen Ärzte fühlen sich von Kammer und KV nicht ausreichend über die Telematikinfrastruktur informiert. Dennoch zeigen sich die Ärzte E-Health-Anwendungen gegenüber aufgeschlossen, so das Ergebnis unserer Leserumfrage.

NEU-ISENBURG.Eine ablehnende Haltung gegenüber E-Health und der Datenautobahn im Gesundheitswesen, der Telematikinfrastruktur (TI), kann man niedergelassenen Ärzten nicht mehr vorwerfen. Ganz im Gegenteil: Die Mehrzahl der Ärzte würde gerne auf E-Health-Anwendungen zurückgreifen. Dabei stehen vor allem jene Anwendungen bei den Niedergelassenen hoch im Kurs, die den Praxisalltag erleichtern. So würden über 56 Prozent gerne den elektronischen Medikationsplan nutzen – und zwar die tatsächliche elektronische Variante und nicht die zunächst eingeführte Papierversion mit Barcode. Über 53 Prozent meinen zudem, dass der elektronische Notfalldatensatz sie bei der Patientenversorgung unterstützen könnte.

Die Daten stammen aus einer gemeinsamen Umfrage der Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die "Ärzte Zeitung" gehört, und der CompuGroup Medical unter 513 Ärzten. Spannend ist, dass sich offenbar gerade die kleineren Praxiseinheiten für die neue Technik interessieren: Denn rund 69 Prozent der antwortenden Ärzte arbeiten in einer Einzelpraxis, lediglich 26,5 Prozent sind in einer Gemeinschaftspraxis und ein Prozent in einem MVZ tätig (3,5 Prozent haben keine Angabe gemacht). Nahezu die Hälfte arbeitet inklusive der Ärzte mit weniger als fünf Mitarbeitern.

Relativ hoch im Kurs steht bei den Ärzten auch die sektorübergreifende elektronische Patientenakte: Fast 40 Prozent würden sie gerne aktiv nutzen. Die elektronische Verordnung rangiert bei den Wunschanwendungen mit rund 35 Prozent auf Platz vier.

Noch zurückhaltend sind die niedergelassenen Ärzte in Sachen telemedizinische Anwendungen. Rund 16 Prozent würden das Telekonsil nutzen, nahezu 15 Prozent die Videosprechstunde, die seit April über den EBM abrechenbar ist (Technikzuschlag: GOP 01450; 4,21 Euro; Videokontakt: GOP 01439; 9,27 Euro). Telemonitoring könnten sich acht Prozent als regelmäßige Anwendung vorstellen.

Wie aufgeschlossen die Ärzte gegenüber E-Health-Anwendungen sind, zeigt sich aber auch an einem anderen Ergebnis. Die Ärzte scheinen sich mittlerweile aktiv über solche Anwendungen zu informieren, denn mit der Informationspolitik ihrer Standesvertretungen in Sachen TI sind sie eher nicht zufrieden. In Schulnoten ausgedrückt bewerten 78,5 Prozent der Ärzte, die sich an der Umfrage beteiligt haben, die Information von Kammern und KVen als ausreichend bis mangelhaft. Davon geben 31,2 Prozent den Standesvertretern die Note fünf, 29,8 Prozent sogar eine glatte sechs. Als gut (4,5 Prozent) oder gar sehr gut (1,2 Prozent) werten nur insgesamt 5,7 Prozent der Ärzte die Informationen durch Kammern und KVen; 13,7 Prozent empfinden sie als befriedigend. Hier gibt es also Nachholbedarf vor dem offiziellen bundesweiten Rollout der TI im Herbst.

"Dass sich die Ärzte über die Telematikinfrastruktur nicht gut informiert fühlen, bestätigt unsere Erfahrungen aus vielen Gesprächen mit Ärzten, die der Digitalisierung positiv gegenüber stehen und hier auch unternehmerisches Potenzial erkennen", sagt Andreas Koll, Leiter des Bereichs Telematikinfrastruktur bei der CompuGroup Medical Deutschland AG. "Gerade wichtige ‚hands-on‘-Informationen fehlen: Wie lange dauert die Installation? Kann diese von jedem beliebigen Techniker durchgeführt werden? Welche organisatorischen und technischen Grundvoraussetzungen müssen in der Praxis sichergestellt sein, damit die Installation ‚in der Mittagspause‘ über die Bühne gehen kann, wie das ein Erprobungsteilnehmer sehr bildlich beschrieben hat. Deswegen haben wir uns entschlossen, alle Erfahrungen und unser Wissen aus der Erprobung zu bündeln und auf unserer Website an die Ärzte weiterzugeben." Bis dato werde das Angebot sehr gut angenommen, so Koll.

Einen guten Aufschlag hat auch der Deutsche Ärztetag im Mai gemacht: Dort wurde ein ganzer Tag der Diskussion rund um die Digitalisierung und Telemedizin gewidmet –  flankiert von entsprechenden Beschlüssen, wie der Verankerung von Digitalisierung und E-Health in Aus- und Weiterbildung.(reh)

Hilfestellung im Web: Was erwartet Ärzte bei der Installation der Telematikinfrastruktur? Die CompuGroup hat die Erfahrungen der Ärzte und Techniker in der Testregion Nordwest auf einer Website gebündelt: www.cgm.com/wissensvorsprung

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