Ärzte Zeitung online, 07.07.2017
 

Telematikinfrastruktur

Sorge um die Kosten

Von den zwischen Kassen und KBV vereinbarten Pauschalen für den Rollout der Telematikinfrastruktur (TI) ist die Mehrzahl der Ärzte nicht überzeugt. Dennoch bevorzugt ein Drittel die frühe Installation noch in diesem Jahr.

Sorge um die Kosten

NEU-ISENBURG.Auch nach der Finanzierungsvereinbarung zwischen GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) treibt die Praxen die Sorge um, dass sie zumindest auf einem Teil der Kosten für den bundesweiten Rollout der Telematikinfrastruktur sitzen bleiben. Für angemessen halten nämlich gerade einmal 5,5 Prozent der Ärzte die per Schiedsverfahren ausgehandelten Pauschalen für Technik, Installation und laufenden Betrieb. Knapp über 70 Prozent glauben hingegen nicht, dass damit alle Kosten auch tatsächlich gedeckt sind. So das Ergebnis einer gemeinsamen Leserumfrage der Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die "Ärzte Zeitung" gehört, und der CompuGroup Medical (CGM), an der 513 Ärzte teilgenommen haben.

Zur Erinnerung: Für den Konnektor erhalten die Praxen, sofern er im dritten Quartal 2017 installiert wird, 2620 Euro, in den drei Folgequartalen jeweils zehn Prozent weniger. Ab April 2018 bleibt der Betrag konstant. Außerdem wird den Praxen je ein stationäres und mobiles E-Health-Kartenterminal mit 435 bzw. 350 Euro finanziert. Je nach Praxisgröße werden noch weitere E-Health-Kartenterminals finanziert.

Auch die Betriebspauschalen stehen

Zusätzlich erhalten die Praxen eine Startpauschale von 900 Euro, mit der u.a. weitere Anschaffungskosten gedeckt werden. Für die laufenden Betriebskosten werden bis zum 2. Quartal nächsten Jahres 298 Euro gezahlt – und zwar quartalsweise –, ab dem 3. Quartal 2018 sind es 248 Euro. Hinzu kommen noch Betriebspauschalen für die Instituts-/SMB-C-Karte (23,25 Euro) und den elektronischen Heilberufeausweis (11,63 Euro). Zusammengefasst: Die Höhe der Förderung ist von der Praxisgröße und dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme (Einlesen einer elektronischen Gesundheitskarte / Versichertenstammdaten-Abgleich) nach dem Anschluss der Praxis an die TI abhängig.

Der Vorteil der frühen Installation

Die degressive Finanzierungspauschale ist für nahezu ein Drittel (32,4 Prozent) der Ärzte, die sich an der Umfrage beteiligt haben, durchaus ein Grund, bereits im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres die Technik zu installieren. Rund 55 Prozent würden hingegen als Termin das erste oder zweite Quartal 2018 vorziehen.

Eine frühe Installation könnte für die Praxen aber – neben den sinkenden Förderungsbeträgen für die Technik – auch noch aus einem anderen Grund wichtig sein, wie Andreas Koll, Leiter des Geschäftsbereichs Telematikinfrastruktur der CompuGroup Medical erklärt: "Eine frühe Bestellung gibt Praxen die Sicherheit vor der Gefahr von Terminengpässen und ermöglicht die sorgfältige Vorbereitung des Praxisnetzwerks für die Installation und fristgerechte Inbetriebnahme der TI-Komponenten. Und natürlich vermeidet frühzeitiges Handeln finanzielle Risiken, die sich aus der degressiven Förderung ergeben können."

Immerhin sieht der Zeitplan des E-Health-Gesetzes vor, dass die Praxen ab Juli 2018 am Online-Abgleich der Versichertenstammdaten teilnehmen müssen – und spätestens bis 30. Juni an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden sein müssen.

Ganz konkret nach der Installation gefragt, ist der Mehrzahl der Ärzte wichtig, dass diese an nur einem Termin erledigt wird (67,1 Prozent). Dem folgt der Wunsch nach einer umfassenden Einweisung in die neuen Komponenten (63,4 Prozent) sowie der Einsatz zertifizierter, erfahrener Techniker (59,6 Prozent). Auf eine Installation während des laufenden Praxisbetriebs legt hingegen nur ein Drittel der Ärzte Wert.

Die Umfrageteilnehmer hatten hier auch die Möglichkeit, ihre Wünsche in einer offenen Antwort zu äußern. Auch hier zeigt sich, dass die Praxen vor allem eine gute Betreuung bei Problemen im laufenden Betrieb, eine Not-Hotline sowie eine gute Einweisung in die Technik erwarten. Wichtig ist ihnen aber ebenso, dass sich die bisherigen Praxisabläufe durch die Anbindung an die Telematikinfrastruktur nicht wesentlich ändern und dass eben möglichst keine "ungeförderten extra Kosten" entstehen. (eb)

Die Auswertung unserer Umfrage geht weiter. Lesen Sie am 14. Juli: Schneller und sicherer Datenaustausch? Über welche Wege Praxen und Kliniken wirklich kommunizieren.

[25.07.2017, 17:23:27]
Rainer Fischer 
Zumutung für alle Vertrgsärzte
Ich halte den Druck, der hier aufgebaut wird, sich schnellstmöglich an die Telematikinfrastruktur anzubinden für unsäglich. Auf den Zug springt übrigens auch die CompuGroup auf mit ihrem Angebot für ihre Mitglieder, so schnell wie möglich einen Deal abzuschließen. Die ganze Sache ist deartig unausgegoren: Die maximale Pauschale, die nur im Quartal 3 - 17 möglich ist kann aufgrund fehelnder Hardware nicht abgerufen werden. Das Bundesgesundheitsministerium, die KBV und die Kassen sollten sich nochmal an einen Tisch setzen und das Projekt in seiner jetztigen Form nochmal einstampfen. Es muss ein neuer Zeitplan ausgearbeitet werden der allen Vertragsärzten Zeit lässt zu reagieren. Sichergestellt werden muss, dass kein Vertragsarzt auf den Kosten sitzen bleibt (das steht auch so im Gesetz - die Kassen alleine sind für die Finazierung zuständig). In der jetzigen Form ist dies aber so. Ich hoffe es kehrt hier bald Vernunft ein zum Beitrag »

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