Ärzte Zeitung online, 21.07.2017
 

Telematik

Ärzten geht es um Sicherheit

Von der Gesundheitskarte und ihrer Datenautobahn erwarten Ärzte vor allem mehr Sicherheit in der Versorgung. Ein Viertel der Ärzte ist heute schon überzeugt, dass damit der Grundstein für die E-Patientenakte gelegt ist.

NEU-ISENBURG.Ärzte erkennen durchaus einen Nutzen in der Telematikinfrastruktur (TI) – und der liegt für sie vorwiegend in der Patientenversorgung: Fast 44 Prozent sind der Meinung, dass durch die Datenautobahn tatsächlich eine sichere und papierlose Kommunikation mit identifizierten Fachkollegen und Kliniken möglich ist. Also Daten schneller und strukturierter unter den Leistungserbringern ausgetauscht werden können. Über 41 Prozent geben zudem an, dass die Vernetzung über die TI künftig zu weniger Doppeluntersuchungen führt.

So das Ergebnis einer gemeinsamen Leserumfrage der Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die "Ärzte Zeitung" gehört, und der CompuGroup Medical (CGM), an der sich 513 Ärzte beteiligt haben. Rund 38 Prozent der teilnehmenden Ärzte schreiben der Gesundheitskarte und ihrer Datenautobahn aber auch die Fähigkeit zu, für mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie zu sorgen. Nicht ganz so optimistisch sehen die Ärzte die Entwicklung hin zur elektronischen Patientenakte: Rund 23 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Gesundheitskarte den Grundstein für die E-Akte legt. Dabei zeigen die offenen Antworten der Ärzte, die hier möglich waren, dass sich die Mehrzahl gerade die schnelle Kommunikation innerhalb der Patientenversorgung wünscht und als Vorteil der TI sieht. Dass die Telematikinfrastruktur ihnen perspektivisch Erleichterungen in Sachen Bürokratie und damit mehr Zeit für direkte Patientenkontakte bringt, glaubt knapp ein Fünftel der Ärzte.

Die immer wieder auftretenden Verzögerungen beim Projekt elektronische Gesundheitskarte (eGK) sehen Ärzte übrigens eindeutig als Hürde für die schnelle Anbindung der Praxen an die Datenautobahn. "Wir können die Ungeduld der Leistungserbringer gut nachvollziehen", so Andreas Koll, Leiter der Abteilung Telematikinfrastruktur bei der CGM. "Auch wir als CGM wollen endlich starten. Nachdem noch Anfang Juni von der gematik die Spezifikationen für den Konnektor ein weiteres Mal angepasst wurden, rechnen wir jetzt ab Herbst 2017 mit der Verfügbarkeit des von der gematik zugelassenen Konnektors. Und dann geht alles sehr schnell."

Dass mit der Vernetzung und einheitlichen Datenautobahn das Anspruchsdenken der Patienten steigt, befürchten nur 30 Prozent der Umfrageteilnehmer. Bei über drei Viertel besteht darüber hinaus noch Unsicherheit bezüglich der Installation der neuen Technik – also von Konnektor, E-Health-Kartenterminal und Co. Das beinhaltet die Sorge, dass die neue Technik nicht kompatibel mit der bestehenden Praxis-IT sein könnte. Hier kann Koll beruhigen: "Wir haben fundierte Erfahrungen aus der Erprobungsphase. Die Anbindung der Praxis funktioniert problemlos, wenn definierte Vorarbeiten seitens der Hersteller gemacht wurden: So muss die Praxissoftware eine TI-Schnittstelle bereitstellen. Daneben muss die Praxis online sein und eine SMC-B, also Institutionskarte, beantragt und aktiviert haben. Bei allen Prozess-Schritten helfen unsere CGM-Informationsangebote im Web sowie unsere CGM-zertifizierten Techniker." Koll rät weiter: "Ich würde mir vom Lieferanten des Primärsystems zur Sicherheit die Verfügbarkeit einer TI-Schnittstelle schriftlich bestätigen bzw. einen möglichen frühesten Liefertermin nennen lassen."

Nach den jüngsten Cyber-Angriffen mit WannaCry und anderen Erpressungstrojanern, denen auch Kliniken und Praxen zum Opfer fielen, wundert es zudem nicht, dass sich über 61 Prozent der Ärzte um die Sicherheit der Patientendaten innerhalb der TI sorgen. Auch dies kann Koll nachvollziehen: "Die Sicherheitsfrage muss gestellt werden – es gibt kaum einen sensibleren Bereich als die Gesundheit des Menschen. Die Verzögerungen im Einführungsprozess der eGK haben diesbezüglich vielleicht ein Gutes: sie machen glaubhaft, wie ernst allen Beteiligten der Schutz der Daten ist." Alle sicherheitsrelevanten technischen Komponenten, die für die Anbindung der Praxen und Kliniken an die TI erforderlich sind, würden vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bis ins Detail geprüft und erst dann zertifiziert, so Koll weiter. "Ein aufwändiger, aber wichtiger Prozess, den wir unterstützen." (eb)

Bestellmöglichkeit im Web

Ärzte, die frühzeitig den Anschluss an die TI wollen, finden auf der Website www.cgm.com/ wissensvorsprung

neben umfangreichen Informationen um die TI jetzt auch eine konkrete Bestellmöglichkeit.

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