Ärzte Zeitung online, 18.08.2017

Rollout-Start der TI

Ohne neue Kartenleser geht es nicht

Für den flächendeckenden Betrieb der Telematikinfrastruktur benötigen die Praxen E-Health-fähige und zugelassene Kartenleser. Für die Praxen bedeutet dies einen Tausch der Geräte. Was ist dabei zu beachten?

Ohne neue Kartenleser geht es nicht

Für den Tausch der alten Kartenleser erhalten Praxen eine Förderpauschale. Die neuen Geräte müssen unter anderem LAN-fähig sein.

© Peter Atkins / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) können die Vertragsarztpraxen zwar bereits heute einlesen, die Kartenlesegeräte, mit denen die Praxen seit 2011 flächendeckend ausgestattet wurden, erlauben aber tatsächlich nur ein reines Einlesen der Karte. Für die interessanteren Online-Anwendungen der eGK, wie E-Notfalldatensatz, E-Medikationsplan oder gar elektronische Patientenakte, sind sie nicht von der gematik zugelassen.

Und dass diese Anwendungen trotz Spekulationen von hochrangigen Mitarbeitern aus Ärzteverbänden und gesetzlichen Kassen (wir berichteten), die ein Aus der eGK nach der Bundestagswahl vorhersagten, kommen werden, hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erst kürzlich in einem MDR-Interview klargestellt. Er sehe auch nach der Wahl "kein Ausstiegsszenario", so Gröhe.

Selbst für die erste Online-Anwendung, den Abgleich der Versichertenstammdaten, eignen sich die alten Kartenleser nicht. Ein Grund, warum sich Kassen und KBV bei der Finanzierungsvereinbarung für den Produktivbetrieb der Telematikinfrastruktur (TI) auch auf zusätzliche Erstattungspauschalen für neue Kartenleser geeinigt haben.

Denn sowohl die gematik als auch die Industrie haben bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass sich kaum eines der Alt-Geräte durch ein Software-Update für den Rollout der TI fit machen lässt (wir berichteten). "Verwendbare Kartenleser müssen für den Einsatz in der Telematikinfrastruktur durch die gematik zugelassen sein. Die Weiterverwendung der alten Geräte scheitert zusätzlich ganz banal schon daran, dass die gematik und das BSI einen sicheren und zertifizierten Lieferweg der Kartenleser in die Praxis vorschreiben. Das heißt: Kartenlesegeräte, die künftig Daten via TI weitergeben, müssen bei ihrem Transport in die Praxis höchste Sicherheitsstandards erfüllt haben", so Andreas Koll, Leiter des Geschäftsbereichs Telematikinfrastruktur bei der CompuGroup Medical (CGM). Und: In der Zwischenzeit hat sich einiges in der Sicherheitstechnik getan, hier liegen nahezu zwei Generationen zwischen den Alt- und Neu-Geräten.

Ein weiteres Problem: Die bislang in den Praxen genutzten Kartenleser wurden nur offline betrieben und dafür per USB-Schnittstelle an den Praxis-Computer angeschlossen. Für die künftige Online-Nutzung müssen sie laut gematik aber direkt per LAN-Schnittstelle mit dem Konnektor bzw. dem Praxisnetzwerk verbunden werden. Dafür müssen also die entsprechenden LAN-Anschlüsse vorhanden sein. Dabei lesen die neuen Geräte nicht nur die eGK ein, sie besitzen insgesamt vier Kartenschächte: außer für die Gesundheitskarte einen für den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA), einen für die Praxis- bzw. Institutionskarte ("SMC-B") sowie einen für die Gerätekarte. Letztere sorgt für die eindeutige Identifizierung der (Zahn-) Praxis

435 Euro sollen die Praxen für ein stationäres Kartenterminal erhalten. Die ersten Anbieter von zugelassenen Kartenlesern werden preislich über diesem Betrag liegen. Wie viele E-Health-Terminals eine Praxis benötigt, hängt von der Praxisgröße und den künftigen E-Health-Anwendungen ab.

"Gerade im Zusammenhang mit der Anwendung QES – Qualifizierte Elektronische Signatur – wird es den Arbeitsfluss in der Praxis sicher deutlich unterstützen und den Komfort steigern, wenn die Ärzte auch entsprechende Kartenleser in den jeweiligen Behandlungsräumen vorhalten, um so beispielsweise E-Arztbriefe direkt nach Erstellung zu signieren", erläutert Andreas Koll

Das haben Kassen und KBV in ihrer Finanzierungsvereinbarung im Ansatz berücksichtigt:

» Praxen mit bis zu drei Ärzten wird ein stationäres Kartenlesegerät erstattet,

» Praxen mit mehr als drei und maximal sechs Ärzten werden zum Rollout-Start mit zwei stationären Terminals gefördert,

» bei Praxen mit mehr als sechs Ärzten sind es drei Kartenleser.

Etwas anders sieht es bei den mobilen Kartenlesern aus: Hier werden frühestens 2018 von der gematik zugelassene Geräte im Markt sein. Und es wird pro Praxis auch nur die Anschaffung eines einzigen mobilen Kartenlesers gefördert, die Pauschale von 350 Euro ist also unabhängig von der Anzahl der Ärzte in der Praxis.

Außerdem wird sie nur Ärzten gewährt, die folgende Voraussetzung erfüllen:

» es werden mindestens drei Hausbesuche pro Quartal erbracht oder

» es besteht ein Kooperationsvertrag zur Pflegeheimbetreuung oder

» es werden ausgelagerte Praxisräume betrieben oder

» die Patientenversorgung findet in anderen Praxen statt (z.B. bei Anästhesisten). (eb)

Bestellmöglichkeit im Web

Ärzte, die frühzeitig den Anschluss an die TI wollen, finden auf der Website www.cgm.com/ wissensvorsprung

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