Ärzte Zeitung online, 01.09.2017
 

Telematikinfrastruktur

Warum der Konnektor so wichtig ist

Ein gematik-zugelassener Konnektor ist mehr als ein gewöhnlicher Datenrouter. Er spielt in einer deutlich höheren technischen Liga – und öffnet Medizinern den Zugang zu vielen Fach- und Mehrwertdiensten. Aber: Ärzte erhalten nur noch kurz die maximale Förderung.

Warum der Konnektor so wichtig ist

NEU-ISENBURG. Auf den ersten Blick ist ein Konnektor für den Betrachter ein relativ unscheinbares Gerät. Seine zertifizierten ‚inneren Werte‘ garantieren aber, dass die zukünftigen Datenströme in der Telematikinfrastruktur (TI) korrekt und spezifikationskonform gesteuert werden.

Vom Grundprinzip her ist er vergleichbar mit einem Router. Er bindet ausschließlich Praxissysteme hochsicher in die Telematikinfrastruktur ein. Dazu vernetzt er das Kartenlesegerät der Praxis, über das sich Arzt und Patient mit dem elektronischen Heilberufsausweis bzw. der elektronischen Gesundheitskarte eindeutig identifizieren, sowie die Praxis-EDV mit der TI.

Nicht "einfach so" ins Internet

Bestellmöglichkeit im Web

Ärzte, die frühzeitig den Anschluss an die TI wollen, finden auf der Website www.cgm.com/ wissensvorsprung neben umfangreichen Informationen um die TI jetzt auch eine konkrete Bestellmöglichkeit.

Dabei führt der Weg aber eben nicht ‚einfach so‘ ins Internet. Vielmehr wird ein vom WorldWideWeb streng abgeschirmter, besonders geschützter Datentunnel – ein sogenanntes Virtual Private Network (VPN) – innerhalb des Internets aufgebaut.

Der gesamte Datentransfer zwischen der Praxis und der Telematikinfrastruktur findet verschlüsselt über eine VPN-Verbindung nach Vorgabe der gematik-Spezifikationen statt. Hierbei spielt der Konnektor durch die Verwendung kryptografischer Schlüssel, unter anderem auf dem Heilberufsausweis (HBA), der SMC-B und der Gesundheitskarte (eGK) die tragende Rolle.

Er stellt dabei die Verbindung zu Fachdiensten und Anwendungen der eGK zur Verfügung. Zum Rollout-Start ist dies der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten (VSDM). Der Konnektor ist für zukünftige Anwendungen der TI gerüstet und stellt somit die Voraussetzung für Erzeugung und Prüfung der qualifizierten elektronischen Signatur (QES) von Dokumenten.

Um dem Schutzbedürfnis der Gesundheitsdaten gerecht zu werden, durchläuft der Konnektor mehrere Prüfverfahren: "Zur Zeit befindet sich unser E-Health Konnektor, die KoCo Box MED+, im Zulassungsverfahren der gematik. Dieses wird wohl Ende September abgeschlossen sein. Hierzu müssen vorab die hohen Sicherheitsanforderungen des BSI spezifikationskonform erfüllt werden", so Andreas Koll, Leiter des Geschäftsbereichs Telematikinfrastruktur der CompuGroup Medical.

Förderung sinkt bereits 2017

Auf den Anschaffungskosten bleiben Praxen nicht sitzen: KBV und Kassen haben einen Förderbetrag für den Konnektor vereinbart. Dieser ist Bestandteil der Erstausstattungspauschalen für die Telematikinfrastruktur. Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Die Pauschale sinkt sukzessive bis zum 3. Quartal 2018, dabei beinhaltet sie die Anschaffung des Konnektors und eines stationären Kartenlesegerätes.

Eingepreist wurde der Konnektor fürs 3. Quartal 2017 mit 2620 Euro. Für die Folgequartale wurde der Betrag um jeweils zehn Prozent für den Konnektor gesenkt, während der Erstattungsbetrag für den Kartenleser fix bei 435 Euro liegt. Die Pauschale im Überblick:

  • 3. Quartal 2017: 3055 Euro;
  • 4. Quartal 2017: 2793 Euro,
  • 1. Quartal 2018: 2557 Euro,
  • 2. Quartal 2018: 2344,98 Euro und
  • ab 3. Quartal 2018: 1155 Euro.

Früher Einstieg lohnt sich

Zusätzlich gibt es eine TI-Starterpauschale von einmalig 900 Euro für die Installation und Anbindung der Praxis-EDV an die Telematikinfrastruktur sowie eine Betriebskostenpauschale von 298 Euro pro Quartal (bis einschließlich 2/2018, ab Juli 2018: 248 Euro/Quartal).

Der frühe Einstieg lohnt sich nicht nur wegen der höheren Erstausstattungspauschale: "Eine frühe Bestellung gibt Ärzten die Sicherheit vor der Gefahr von Terminengpässen. Wenn sich viele Praxen auf späte Termine kurz vor Fristablauf verlassen, kann man sich schnell ausrechnen, dass es eng wird. Dazu ermöglicht ein früher Einstieg die sorgfältige Prüfung und Vorbereitung des Praxisnetzwerks und sonstiger relevanter Faktoren", so Koll.

Und: "Gleichzeitig ist der frühe Einstieg technologisch kein Risiko: denn unser ab Herbst verfügbarer Konnektor KoCoBox MED+ ist der einzige, der für die Erprobung zugelassen wurde und sich dort schon hundertfach bewährt hat." (eb)

[01.09.2017, 11:49:25]
Dr. Klaus Günterberg 
Der Konnektor ist die Außerbetriebsetzung der Firewall
Beim sogenannten Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) soll die Versichertenkarte (eGK), wenn in der medizinischen Einrichtung eingelesen, mit der Krankenkasse automatisch verbunden werden. Der Vorgang soll automatisch ablaufen, angeblich nur Sekunden dauern, kein Zutun des medizinischen Personals benötigen und den Praxisablauf nicht stören. Dazu soll dem Internet-Anschluss der Einrichtung ein Konnektor vorgeschaltet werden.

Der Weg der Information ginge dann: Von außen (Krankenkasse?? Tochterunternehmen der Kassen? Sonstige Einrichtung? Staatliches Unternehmen?) ==> Konnektor ==> Server der Einrichtung ==> Software der Einrichtung ==> Workstation der Anmeldung ==> Kartenlesegerät // und zurück.
Mit anderen Worten: Man will mit dem Konnektor der medizinischen Einrichtung ein Mini-Computer vorschalten, der von außen einen ständigen, unbemerkten und unkontrollierbaren Zugriff auf die Software der Einrichtung erlaubt.

Heutzutage hat wohl jede medizinische Einrichtung eine Firewall, eine Software, die einen Schutz vor unerwünschtem Zugriff verhindert. Und diese Firewall sollte möglichst auf dem aktuellen Stand sein. Da ist der Konnektor ein Mini-Computer, der die Firewall umgeht, der sie außer Funktion setzt.

Ich frage hier einmal: Wer würde sich – privat wie beruflich – vor seinem Computer ein Gerät vorschalten lassen, das seine Firewall außer Betrieb setzt und unkontrollierten Zugriff auf seine Daten ermöglicht??

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe. Berlin
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