Ärzte Zeitung online, 28.09.2017
 

Vernetztes Gesundheitswesen

Telematik – Installation ohne Hindernisse

Die Technik für die Telematikinfrastruktur (TI) befindet sich bereits im Zulassungsverfahren der gematik. Ab Herbst sollen den Praxen erste Geräte zur Verfügung stehen. Damit kann die Anbindung an die TI noch in diesem Jahr starten. Doch wie bereiten sich Praxen auf die Installation am besten vor?

Telematik – Installation ohne Hindernisse

Bei der TI-Installation werden Praxen nicht allein gelassen.

© fefufoto / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Im Sommer gaben drei Praxen Einblick in den Testlauf der Telematikinfrastruktur (TI) und ihre erste Online-Anwendung, dem Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Dabei zeigte sich, dass selbst in der Testphase die Installation der neuen Technik nahezu reibungslos verlief (wir berichteten): Maximal drei Stunden brauchten die Techniker. "Wir haben wertvolle Erfahrungswerte bezüglich optimierter Installationsabläufe in der Erprobung gewonnen und für den bundesweiten Rollout umgesetzt. Mittlerweile dauert die Installation in einer durchschnittlichen Praxis mit den benötigten Vorbereitungen nur noch rund 90 Minuten", berichtet Andreas Koll, der die Abteilung Telematikinfrastruktur in der CompuGroup Medical (CGM) leitet. "Dazu kommt eine ca. halbstündige Einweisung des Praxisteams in die TI Komponenten und natürlich in das VSDM." Das Unternehmen hat für die Techniker ein eigenes Schulungs- und Zertifizierungsprogramm aufgelegt, das bereits rund 600 Techniker erfolgreich absolviert haben.

Der Praxisbetrieb werde durch die Installation nur partiell berührt, beruhigt Koll. Denn der CGM-zertifizierte Techniker könne die einzelnen Komponenten zunächst abseits des Praxisgeschehens vorbereiten. Allerdings läuft eine Installation immer nur so rund, wie sich die einzelne Praxis auch darauf vorbereitet hat. Ärzte sollten vorab folgende Praxisbegebenheiten dokumentieren und womöglich notwendige Maßnahmen einleiten:

Gibt es einen Internetanschluss?

- Ohne diesen kann sich der Konnektor – als Router zur Datenautobahn – nicht mit der TI verbinden. Wenn es noch keinen Internetanschluss in der Praxis gibt, so sollte die Praxis für die Beauftragung und Installation rund acht Wochen einplanen, so die Erfahrung der CGM. Hilfe bieten die Vertriebsservicepartner der Softwareanbieter. Ist ein Anschluss vorhanden, sollte geklärt werden, welcher Anschlusstyp es ist (DSL oder VDSL sind am geeignetsten) und vor allem auch, wie hoch der Sicherheitsstandard der bisher gewählten Verbindung ist. Vielleicht muss auch hier nachgerüstet werden.

Wie ist es um die alte und neue Hardware bestellt?

- Ist ein KV-Router im Einsatz? Wenn ja, welcher (Hersteller, Modell)? Dies ist wichtig, damit die Technik hinterher mit Konnektor und Telematikinfrastruktur harmoniert.

- Welcher Internet-Router ist im Einsatz? Wie sieht es mit Firewall und Virenscanner aus?

- Gibt es für den TI-Konnektor einen zutrittsgeschützten Bereich, der als Standort eingeplant werden kann? Denn die Sicherheitsvorschriften geben vor, dass der Konnektor für Unbefugte nicht frei zugänglich sein darf.

- Welche und wie viele Kartenlesegeräte sind aktuell in der Praxis im Einsatz? Nur durch die gematik zugelassene Geräte dürfen künftig für die TI-Anbindung eingesetzt werden.

- Wurden bereits die notwendigen SMC-B-Karten bestellt? Ansprechpartner sind hier sogenannte Trust-Center, bei denen der Antrag gestellt wird. Die SMC-B ist die Praxis- bzw. Institutionskarte, die die Praxis eindeutig nach außen identifiziert.

Ist die Praxis-EDV schon TI-geeignet?

- Wurde beim Praxis-EDV-Anbieter nachgefragt oder von diesem kommuniziert, ob das TI-Integrationsmodul bereits umgesetzt wurde? Fehlt dieses, kann die Praxis-EDV nicht mit dem Konnektor zusammenarbeiten. Ist es da, laufen die Anwendungen der TI direkt aus der Praxissoftware heraus – ohne größere Umstellung für das Praxisteam.

Welche Netzwerkstrukturen gibt es?

- Gibt es ein eigenes Praxisnetzwerk (LAN)? Besteht eventuell zusätzlich eine Filialstruktur? Wenn ja, sollte die Praxis notieren, über welche Art von Leitung dieses läuft (Standleitung, Funkverbindung).

- Welche Peripheriegeräte laufen im Praxisnetzwerk (LAN oder WLAN)? Das heißt, sind Drucker, Scanner, Ultraschallgeräte, DICOM-Geräte über Netzwerk mit den Praxisrechnern verbunden?

- Sind alle notwendigen Passwörter griffbereit?

- Damit die Installation klappt, müssen zumindest das Passwort für die Windows-Anmeldung, der Windows-Administrator-Account sowie die Zugangsdaten zum Internet-Router vorliegen. Fehlende Passwörter können zum Abbruch der Installation führen oder diese erheblich verzögern.

"Erster Ansprechpartner bei der TI-Anbindung ist der bekannte Vertriebs- und Servicepartner. Er wird auf Anfrage zusammen mit der Praxis die notwendigen Vorbereitungen treffen und die Praxis zuverlässig an die TI anbinden," so Koll.(eb)

Bestellmöglichkeit im Web

Ärzte, die frühzeitig den Anschluss an die TI wollen, finden auf der Website www.cgm.com/ wissensvorsprung

neben umfangreichen Informationen um die TI jetzt auch eine konkrete Bestellmöglichkeit.

Wie fit ist Ihre Praxis für die Instal-

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