Ärzte Zeitung online, 04.04.2018

Telematikinfrastruktur

Mehr als 10.000 Praxen sind bereits in der TI

Der Online-Rollout der eGK kommt auf Touren. Jede Woche gehen bis zu 2000 Praxen ins Netz. CGM-Vorstand Uwe Eibich erläutert Perspektiven der Ärzte in der Telematikinfrastruktur.

Von Hauke Gerlof

Mehr als 10000 Praxen sind bereits in der TI

Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical.

© Thomas Tratnik / CGM

Ärzte Zeitung: Herr Eibich, seit vier Monaten läuft der Online-Rollout der Telematikinfrastruktur in den Praxen. Wie viele sind schon angeschlossen, wie hoch ist das Tempo?

Uwe Eibich: Mittlerweile sind über 10.000 Praxen angeschlossen. Und das Tempo ist schon ziemlich hoch: Wir wollen bis zu 2000 Praxen pro Woche schaffen. Der TI-Rollout nimmt erfreulich Fahrt auf.

Welche Rückmeldungen erhalten Ihre Techniker aus den angeschlossenen Praxen?

Eibich: Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Die Installation ist meist nach einer bis eineinhalb Stunden erledigt. Viele sind erstaunt, wie wenig das Praxisgeschehen beeinträchtigt wird.

Der Online-Stammdatenabgleich ist keine sehr beliebte Anwendung bei Ärzten. Inwieweit hält das neue Prozedere am Empfang den Praxisbetrieb auf?

Eibich: Das Einlesen der eGK läuft im Grunde wie zuvor, die Reaktionszeiten sind deutlich kürzer als eigentlich vorgegeben. Wir waren von Anfang an zuversichtlich, dass die Technik schnell und zuverlässig sein würde. Die anfängliche Skepsis der Ärzte konnten wir verstehen, die Realität zeigt jedoch, dass man sich da umsonst Sorgen gemacht hat.

Kann die Telematikinfrastruktur denn bereits heute helfen, die Abläufe in den Praxen effizienter zu gestalten? Wenn ja, wie?

Eibich: Die Online-Prüfung der eGK hält in der Praxis nicht auf. Beim Lesen und Prüfen der Karte gibt es praktisch keine Wartezeiten. Nach dem VSDM wird es bald auch erste medizinische Anwendungen geben. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen: Mit dem Konnektor haben die Praxen einen hochsicheren Online-Anschluss und damit auch einen Zugang zum Sicheren Netz der KVen. Die 1-Click-Abrechnung oder der E-Arztbrief sind also schon heute möglich. Das Notfalldaten-Management und der E-Medikationsplan sind in der Entwicklung, bereits zum Jahresende ist der Beginn des Feldtests geplant. Das ist dann der konkrete Einstieg in medizinische Anwendungen mit der Gesundheitskarte. Ich bin sicher, dass in der Folge sehr schnell viele neue E-Health-Angebote auf den Markt kommen, die Arzt und Patient sowie Ärzte und andere Anbieter von Gesundheitsleistungen besser vernetzen.

Wenn ein Arzt heute den TIAnschluss bestellt: Wie lange muss er darauf warten, bis er online ist?

Eibich: Das dauert vom Eingang der Bestellung zurzeit etwa vier bis sechs Wochen. Zunächst muss die Praxis ja den Praxisausweis bestellen, die SMC-B. Das dauert etwa zehn Tage. Dann Termin machen, Ware ausliefern. Einen echten Stau gibt es bis jetzt noch nicht. Den wird es aber sicher dann geben, wenn viele erst kurz vor Jahresschluss wach werden und dann kurz vor Weihnachten bestellen – und das alle gleichzeitig.

Mit Blick auf den anziehenden Wettbewerb mit einer zunehmenden Anzahl zugelassener Geräte und möglicherweise auch bald weiterer Konnektoren: Ist der Anschluss aller Arzt- und Zahnarztpraxen sowie der Kliniken bis Jahresende realistisch?

Eibich: Unsere Kunden können wir sicherlich alle noch in diesem Jahr bedienen. Wer bestellt, sollte übrigens immer den Vorlauf bedenken, dass es zum Quartalsende noch realistisch ist zu installieren. Denn die Förderung wird ja erst bezahlt, nachdem die Installation erfolgt und die erste eGK eingelesen ist. Mit jedem Quartal sinkt der Förderbetrag. Bei Bestellungen bis Ende Februar hatten wir unseren Kunden eine Installationsgarantie gegeben und zugesichert, dass die Installation noch im ersten Quartal erfolgt, und wenn nicht, dass wir die Differenz zur Förderung im 2. Quartal ausgleichen.

… und Ärzte und Zahnärzte, die nicht bereits Kunden bei Ihnen sind?

Eibich: Wenn wir 2000 Installationen in der Woche schaffen, kämen wir auf weitere 80.000 Anschlüsse bis Jahresende. Das Tempo lässt sich vielleicht noch etwas steigern. Und unser Angebot richtet sich an alle Ärzte. Ob zuletzt dann alle Ärzte rechtzeitig angeschlossen sind, ist schwer zu sagen. Das hängt auch davon ab, wann bestellt wird. Am Ende werden die Installationstermine knapp, das kann sich jeder selbst ausrechnen. Auch ist noch offen, wann der Wettbewerb tatsächlich in den Markt geht und wie gut die Unternehmen vorbereitet sind. Der Konnektor allein reicht ja nicht, mit der Installation ist auch eine aufwändige Logistik verbunden – und vor allem die Techniker müssen gut vorbereitet sein. An dieser Stelle noch einmal zur Verdeutlichung: Natürlich sind Konnektor, Kartenterminal und Zugangsdienst aus unserem Paket kompatibel zu allen Primärsystemen, die ihrerseits die Konformität zur TI nachgewiesen haben.

Erwarten Sie noch Änderungen bei der Förderung des Online-Rollouts?

Eibich: Ich glaube, dass man nochmals über die Finanzierungsvereinbarung verhandeln wird. Zu Anfang der Förderphase gab es schließlich noch keine Geräte, und die eigentliche Förderung ist mit deutlich sinkendem Förderbetrag im dritten Quartal schon vorbei. Ob da eine Einigung zustande kommt und wie die aussehen könnte, weiß ich allerdings nicht und wegen der schon genannten, zu erwartenden Terminengpässe sollte niemand zögern, sich jetzt einen Installationstermin zu sichern.

Wie sind die Aussichten für die nächsten Anwendungen wie E-Medikationsplan und Notfalldatensatz?

Eibich: Die Vereinbarung zur Finanzierung der nächsten Anwendungen in den Praxen sind bereits beschlossen. Wie bereits erwähnt, wollen wir zum Jahresende mit den Feldtests starten, in Westfalen-Lippe. Bis zum flächendeckenden Start von Notfalldaten und Medikationsplan wird es dann nicht mehr lange dauern.

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