Ärzte Zeitung online, 08.05.2018

Telematik

Schlüssel zur Datenautobahn

++ Mit Video ++ Die ersten 15.000 Ärzte sind an die Telematikinfrastruktur angeschlossen. Wie sind die ersten Erfahrungen mit der Datenautobahn? Bei einer Expertenrunde von Springer Medizin und CompuGroup Medical berichteten Ärzte und Softwarehersteller über erste Erfahrungen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Schlüssel zur Datenautobahn

Immer mehr Praxen verfügen über jene "Bauteile", die nötig sind, um künftig an der Online-Kommunikation im Gesundheitswesen teilnehmen zu können.

© Maksim Kabakou / stock.adobe.com

Der Rollout der Hardware-Komponenten für die Telematikinfrastruktur (TI) läuft in Arzt- und Zahnarztpraxen seit Ende 2017. Er dürfte mit Zulassung weiterer Hersteller in den nächsten Monaten nochmals deutlich an Fahrt aufnehmen.

Ging es zunächst noch in verhaltenem Tempo los, hat sich das mittlerweile geändert: Immer mehr Praxen verfügen über jene "Bauteile", die nötig sind, um künftig an der Online-Kommunikation im Gesundheitswesen teilnehmen zu können.

Konkret sind das diese "Bauteile":

  1. ein Konnektor, der eine sichere Verbindung zwischen Arztpraxis bzw. Praxis-LAN und der TI aufbaut
  2. dazu passende stationäre und (bald) mobile Kartenlesegeräte ("eHealth-Kartenterminals")
  3. eine SMC-B, die in das Kartenterminal gesteckt wird und die die Praxis wie ein Praxisausweis eindeutig in der digitalen Welt identifiziert.

KVen empfehlen Anschluss

Seit die KVen von ihrer ursprünglichen Zurückhaltung abgerückt sind und Ärzten empfehlen, sich um die Ausstattung ihrer Praxen mit TI-Komponenten zu kümmern, ist die Zahl der Bestellungen und Installationen deutlich angestiegen. "Stand Mitte April haben wir über 15.000 Praxen mit Konnektoren ausgestattet, und darüber hinaus mehrere tausend Bestellungen, die noch abgearbeitet werden müssen", betonte der Vorstand der CompuGroup Medical (CGM) Uwe Eibich. Auch andere große Praxis-IT-Hersteller berichten über Bestellungen im teils vierstelligen Bereich.

"Datenabgleich dauert Sekunden"

Doch wie genau sind die bisherigen Erfahrungen der Ärzte, die schon einen Konnektor besitzen und die die erste TI-Anwendung, das Auslesen und gegebenenfalls Aktualisieren der Versichertenstammdaten auf der Gesundheitskarte (eGK), bereits im Alltag kennengelernt haben? Beim TI-Roundtable von CGM und Springer Medizin in Berlin waren mit dem Chirurgen und Orthopäden Dr. Peter Kalbe, Rinteln, der Dermatologin Dr. Anya Miller, Berlin, und dem Gastroenterologen Dr. Christoph Söllenböhmer, Berlin, drei Kollegen vertreten, die als TI-Ärzte der ersten Wochen bereits reichlich Erfahrungen im realen Alltagsbetrieb gesammelt haben.

Im Video: Welche Erfahrungen Ärzte bisher mit der TI gemacht haben

"Insgesamt funktioniert das System gut", betonte Internist Söllenböhmer. Das Auslesen der Karte und der Datenabgleich gingen flott vonstatten und störten im täglichen Alltag praktisch gar nicht. Söllenböhmer berichtete in Berlin von einigen "Kinderkrankheiten", darunter gelegentliche Verbindungsabbrüche und unklare Fehlermeldungen. Dies sei jedoch alles im Rahmen und tauge nicht als Argument gegen eine Anbindung: "Wenn alles läuft, dann ist das kein Unterschied zu vorher."

Dass beim Online-Abgleich der Versichertenstammdaten die Performance kein Thema ist, bestätigte auch Orthopäde und Chirurg Kalbe: "Wir haben das bei uns ein paar Mal gestoppt. Das sind zwischen zwei und maximal sechs Sekunden. Währenddessen läuft der Wortwechsel mit dem Patienten am Empfang weiter, das ist wirklich überhaupt kein Thema." Von den immer wieder als Schreckgespenst an die Wand gemalten Warteschlangen am Empfang sei zumindest in seiner Praxis nichts zu sehen: "Der propagierte Weltuntergang hat nicht stattgefunden. Der Praxisablauf wird eindeutig nicht gestört", so Kalbe.

Bei der Installation hätten sich alle drei Ärzte gefreut, wenn diese etwas schneller gelaufen wäre. Rund vier Stunden waren erforderlich. Allerdings gehörten die drei Praxen wirklich zu den allerersten, bei denen installiert wurde. Mittlerweile liege man bei den meisten Praxen bei unter zwei Stunden, berichtete Eibich. Und der Praxisbetrieb laufe in aller Regel weiter.

Den Ausfall der Telematikinfrastruktur Ende März, der in vielen Medien thematisiert worden war, haben alle drei Ärzte in ihren Praxen mitbekommen. "Das ist natürlich ein GAU", betonte Dermatologin Miller, die die Sache aber auch nicht zu hoch hängen möchte. "Es betraf nur den einen Tag. Wir haben für solche Fälle einen Plan B und können dann damit umgehen."

Nicht alle Karten sind aktuell

Nichts mit der Technik zu tun hat ein anderes Phänomen: Relativ viele Versicherte kommen nicht mit einer aktuellen eGK. Oft seien dies Patienten, die ihre neue G2-Karte von der Krankenkasse zwar schon bekommen haben, die aber die ältere G1-Karte weiterhin im Geldbeutel haben, weil das Ablaufdatum noch nicht erreicht ist. "In diesen Fällen rufen unsere Mitarbeiter dann bei der Krankenkasse an, wo die Mitarbeiter aber auch oft nicht weiterhelfen können", so Miller. Das sei dann schon etwas nervig.

Was Erstattung der Investitionskosten bzw. die Auszahlung des Förderbetrags durch die KVen angeht, gibt es offenbar unterschiedliche Erfahrungen. Söllenböhmer, der den ersten Stammdatenabgleich im Dezember 2017 durchführte, hat von der KV Berlin prompt die korrekte Erstattungssumme erhalten. Miller, bei der der erste Abgleich Anfang 2018 stattfand, wartet noch auf die Überweisung der KV. Und Kalbe hatte die Abrechnung noch nicht gemacht. (gvg)

Expertenrunde "Telematikinfrakstruktur

Veranstalter: Springer Medizin und CompuGroup Medical

Teilnehmende Experten: – Alexander Beyer, Geschäftsführer der gematik GmbH – Uwe Eibich, Vorstand Telematik & eHealth-Plattformen, CompuGroup Medical SE – Dr. Peter Kalbe, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Rinteln – Bernd Christoph Meisheit, Geschäftsführer Sana IT Services – Dr. Anya Miller, Dermatologin, Präsidentin der Dt. Gesellschaft für Lymphologie, Berlin – Jens Naumann, BVITG-Vorsitzender, Geschäftsführer medatixx GmbH & Co. KG – Dr. Christoph Söllenböhmer, Internist und Gastroenterologe, Berlin

Die Berichterstattung erfolgte mit freundlicher Unterstützung von CGM

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