Ärzte Zeitung, 20.06.2005

MORBUS PARKINSON

Basisdiagnostik und rationale Therapie bei Morbus Parkinson

Drei von vier Patienten mit Morbus Parkinson haben die idiopathische, klassische Form. Doch es gibt auch andere Ursachen für Parkinson-Symptome. Und: Ob man eine Therapie mit L-Dopa startet oder nicht, hängt unter anderem vom Alter ab und davon, ob Betroffene ansonsten gesund sind oder viele weitere Krankheiten haben.

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Jeder Kollege kennt die typischen Parkinson-Symptome wie Akinese, Rigor, Ruhetremor und Gleichgewichtsstörungen. Weitere Leitsymptome stellt Dr. Karla Eggert von der Philipps-Universität in Marburg in ihrem hörenswerten Vortrag vor. Das sind zum Beispiel vegetative Störungen wie Harnverhalt sowie psychische Symptome wie Depression oder kognitive Störungen. Die Kollegin leitet übrigens den Bereich Multicenter-Studien im Kompetenznetz Parkinson (Infos dazu gibt es unter www.kompetenznetz-parkinson.de).

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie gehören zur Basisdiagnostik bei Parkinson-Syndromen eine klinisch-neurologische Untersuchung und eine Computer-Tomographie des Gehirns. Bei Patienten unter 50 Jahren sollte ein Morbus Wilson ausgeschlossen werden, etwa durch Bestimmung von Kupfer im Serum und 24-Stunden-Sammelurin. Wenn nach der Basisdiagnostik Unsicherheiten bleiben, helfen Zusatzuntersuchungen wie SPECT (Einzelphotonen-Emmissions-Tomographie). Weitere nützliche Untersuchungen verrät Eggert ebenfalls in seinem Vortrag.

L-Dopa kann Progression von M. Parkinson nicht verhindern

Die Sitzhaltung dieses Parkinson-Patienten ist typisch bei Rigor. Foto: Parkinson-Vereinigung

Die Ursache von M. Parkinson, den Untergang von Neuronen in der Substantia nigra mit der Folge Dopaminmangel, kennt auch jeder. Warum wird nicht einfach mit L-Dopa substituiert? An die Gründe erinnert Eggert: Die Wirkung von L-Dopa läßt im Lauf von Jahren nach; die Substanz kann die Krankheitsprogression nicht verhindern. Außerdem gibt es Hinweise darauf, daß L-Dopa zur Entstehung von Therapiekomplikationen wie Dyskinesien beiträgt.

Aus diesen Gründen bekommen Patienten unter 70 Jahren, die sonst weitgehend gesund sind, als erste medikamentöse Therapie einen Dopamin-Agonisten. Welchen man wählt, sollte individuell entschieden werden, schlägt Eggert vor. Kriterien können etwa Einnahmehäufigkeiten in Abhängigkeit von der Halbwertszeit sein. Das kann etwa für Berufstätige wichtig sein. Weitere Kriterien nennt die Kollegin in ihrem Vortrag. Auch Alternativen bei geringen Symptomen oder eine Feuerwehrtherapie, wenn der Therapie-Effekt rasch eintreten muß, stellt Eggert vor.

Wann beginnt man eigentlich mit der Therapie? Welche Komplikationen gibt es? Wie kann man sie verhüten oder auffangen? Worin unterscheiden sich etwa Dopamin-Agonisten? Und wie werden ältere und multimorbide Patienten therapiert? All das erläutert Eggert. (gwa)

Den Vortrag, für den es nach bestandener Prüfung Fortbildungs-Punkte gibt, findet man nach Anmeldung im Internet unter www.qaef-akademie.de, " Die Vorträge" - "Medizinische Themen" - "M. Parkinson".

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