Ärzte Zeitung, 12.11.2008

Erfolg mit Nikotinersatztherapie und intensiver Verhaltenstherapie

Erfolg mit Nikotinersatztherapie und intensiver Verhaltenstherapie

Zigarette? Nein Danke! Mit ärztlicher Betreuung steigen die Chancen, langfristig tabakabstinent zu werden.

Foto: ill

"Rauchen gefährdet die Gesundheit" - trotz dieser eindringlichen Warnung vor der Schädlichkeit des Tabakkonsums und trotz Aufklärungskampagnen in den Medien raucht in Deutschland immer noch etwa jeder Dritte im Alter über 15 Jahren.

Schädlich am Rauchen ist bekanntlich nicht allein das Nikotin, für das suchterzeugende Wirkungen belegt sind. Viele weitere der etwa 5000 Inhaltsstoffe des Tabaks schädigen die Lunge und sind krebserregend.

Derzeit noch massiv unterschätzt wird die Schädlichkeit von Wasserpfeifen, die in den vergangenen Jahren vor allem unter jungen Menschen in Mode gekommen sind. Denn ein Wasserpfeifen-Raucher inhaliert in einer Sitzung wesentlich mehr Nikotin und Schadstoffe als durch zehn filterlose Zigaretten. Häufig wird in Wasserpfeifen auch aromatisierter Tabak genutzt - dadurch schmeckt er fruchtig (etwa nach Apfel) und süßlich, was ähnlich wie bei Alcopops den Konsum fördert. Außerdem kratzt der durch das Wasser gekühlte Rauch nicht im Hals und kann somit tiefer inhaliert werden. Hausärzte sollten ihre Patienten daher nicht nur nach dem Zigarettenkonsum fragen, sondern auch gezielt auf die Wasserpfeife ansprechen. Das raten Dr. Jörg Steier aus London und Professor Nikolaus Konietzko aus Essen in ihrer CME-Fortbildung "Rauchstopp: Mit ihrer Hilfe klappt's! Strategien zur erfolgreichen Tabakentwöhnung".

Schädlichkeit von Wasserpfeifen wird häufig noch unterschätzt.

Zur Einschätzung der Nikotinabhängigkeit reicht es nicht aus, die Patienten nach der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten zu fragen. Aussagekräftiger ist hier der Fagerström-Test mit sechs Fragen: Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette? Finden Sie es schwierig, an Orten, an denen das Rauchen verboten ist, das Rauchen sein zu lassen? Auf welche Zigarette würden Sie verzichten wollen? Wie viele Zigaretten rauchen Sie in Allgemeinen pro Tag? Rauchen Sie am frühen Morgen im Allgemeinen mehr als am Rest des Tages? Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen? Maximal zehn Punkte können insgesamt erreicht werden. Bei 0 bis 2 Punkten besteht keine oder eine sehr geringe Nikotinabhängigkeit, 3 bis 4 Punkte weisen auf eine geringe und 5 bis 10 Punkte auf eine mittlere bis hohe Nikotinabhängigkeit hin.

Wenn auch die wenigsten Patienten ihren Hausarzt wegen einer Tabakentwöhnung aufsuchen, können Sie das Thema dennoch ansprechen und Ihre Unterstützung anbieten. Oft haben Patienten bereits versucht, vom Rauchen wegzukommen. Doch scheitern solche Entwöhnungsversuche bei 95 Prozent der Betroffenen ohne weitere Unterstützung.

Erfolg mit Nikotinersatztherapie und intensiver Verhaltenstherapie

Mit einer Wasserpfeife werden so viel Nikotin und Schadstoffe inhaliert wie durch zehn filterlose Zigaretten.

Foto:Arkady Chubykin ©www.fotolia.de

Mittelstarken bis starken Rauchern kann die Entwöhnung mit einer Nikotinersatztherapie erleichtert werden. Dadurch werden die Entzugssymptome sowie der Appetit auf Zigaretten verringert. Alternativen sind die verschreibungspflichtigen Substanzen Bupropion (Zyban®) und Vareniclin (Champix®).

Die besten Aussichten auf Erfolg hat eine medikamentöse Entwöhnung, wenn die Patienten auch an einer strukturierten Verhaltenstherapie teilnehmen. In dieser sollten unter anderem auch typische Rückfallsituationen thematisiert und prophylaktische Verhaltensstrategien aufgezeigt werden.

(mar)

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