Ärzte Zeitung online, 06.12.2016
 

Bereitschaftsdienst

Poolarztsystem in Bayern funktioniert

MÜNCHEN. Die KV Bayerns zieht eine positive Zwischenbilanz bei der Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Es gibt Fortschritte, sagte KVB-Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Krombholz jüngst bei der Vertreterversammlung.

Bayern hat nun 76 neue Bereitschaftspraxen, davon 56 privat und 20 über die KVB organisiert. Ziel für 2018: 110 Praxen.

In den seit 2015 ausgewählten, ländlichen Pilotregionen zeitigt die Neustrukturierung Erfolge. Dort suchen inzwischen weniger Patienten die Notfallambulanzen der Kliniken auf. Zudem sank die Stundenzahl der Dienste pro Arzt und Jahr auf die Hälfte bis zu einem Viertel. Das soll zugleich die Niederlassung auf dem Land attraktiver machen.

Auch das Mitte 2015 gestartete Poolarztsystem funktioniert. Bis November 2016 haben 608 Ärzte ihre Aufnahme beantragt. Poolärzte sind Nicht-Vertragsärzte, die per Kooperationsvereinbarung mit der KVB am Bereitschaftsdienst teilnehmen. Dadurch entlasten sie die zum Dienst verpflichteten Vertragsärzte, die 2011 aus allen Fachrichtungen kommen.

Gut angenommen wird zudem die neue KVB-Diensttauschbörse. Seit dem Start Ende August wurden 3000 Abgabegesuche erfasst. Weit mehr als ein Drittel wurde zeitnah vermittelt.

Die KVB möchte klare Rahmenbedingungen durch einen dreiseitigen Vertrag mit der Bayerischen Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen. Per Schiedsverfahren soll eine Einigung erzielt werden. Dazu wird eine Landesschiedsstelle mit Vertretern von Krankenkassen, BKG und KVB eingerichtet (cmb)

[06.12.2016, 14:28:05]
Robert Künzel 
"ein Drittel wurde zeitnah vermittelt" mit Verlaub: Ein Armutszeugnis !
Nach wie vor ist es offenbar nicht möglich, allen Kollegen, die (aus welchen Gründen auch immer) nicht zum Bereitschaftsdienst zwangseingeteilt werden wollen, dies zu ermöglichen.
Immer wieder kann man sich zum Jahresende, wenn der neue Dienstplan erscheint, als unbedarfter kleiner Vertragsarztknecht nur verwundert die Augen reiben, wenn man trotz stetiger Zunahme der Zahl angestellter Ärzte in MVZ/Praxen dennoch wieder einmal eine steigende Dienstfrequenz für sich selbst konstatieren muß.
Der Vergleich der amtlichen Vertragsarztverzeichnisse mit den Dienstplänen offenbart dann auch schnell die Ursache: Ein Gutteil der eigentlich Dienstverpflichteten schafft es offenbar seit Jahren, eine Nichteinteilung zu erwirken, die Namen in den Dienstplänen sind bis auf wenige Ausnahmen stets die Gleichen.
Die früher vereinzelt noch anzutreffenden Vergünstigungen für ältere Kollegen (z.B. Einteilung nur zum Sitzdienst ect.) wurden lange abgeschafft, anders ist es wohl auch nicht möglich, zumindest auf dem Papier noch eine 24-Std.-Rundumversorgung zu gewährleisten. Die Dienstplanverantwortlichen beklagen zwar in Ihren turnusmäßigen Rundschreiben stets aufs Neue, daß teilweise sowohl zu geringe (!) als auch zu hohe Dienstfrequenz beklagt werden, sehen sich aber völlig außerstande, zwischen diesen beiden Interessengruppen zu vermitteln. Was läge denn näher, als in Kenntnis der lokalen Bedürfnisse beiden Arztgruppen zu helfen und eine entsprechende Einteilung vorzunehmen ? Klare Antwort: Näher liegt offenbar, sich hierzu außerstande zu sehen und auf die Zuständigkeit der KV zu verweisen. Das Ergebnis dieser "Bemühungen" ist im Artikel ja deutlich benannt: Ca. 2/3 aller Vertragsärzte profitieren weiterhin nicht von der so hochgelobten "Diensttauschbörse" und dem "Poolsystem".  zum Beitrag »

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