Ärzte Zeitung, 16.03.2017
 

Unkrautvernichter

EU-Agentur: Glyphosat nicht krebserregend

Umweltverbände halten die Einstufung für falsch, Agrarverbände fordern eine rasche Entscheidung.

HELSINKI. Ein neues Gutachten stuft den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat nicht als krebserregend ein. Die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse erfüllten nicht die Kriterien, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten, hieß es in dem Gutachten der europäischen Chemikalienagentur Echa am Mittwoch in Helsinki. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Risiken sind aber unter Experten umstritten.

Im vergangenen Sommer hatte die EU-Kommission entschieden, dass das Mittel bis Ende 2017 zugelassen bleibt, weil sich die EU-Länder nicht über ein Verbot oder eine Verlängerung hatten einig werden können.

Die Echa-Experten stuften das umstrittene Mittel weiter als eine Substanz ein, die die Augen ernsthaft schädige und giftig für Organismen im Wasser sei. Nach einer redaktionellen Kontrolle schickt die Echa ihre Bewertung, auf deren Grundlage neu über die Zulassung von Glyphosat entschieden werden soll, an die EU-Kommission.

Die Umweltorganisation BUND forderte, die Zulassung des Unkrautvernichters zum Jahresende auslaufen zu lassen. "Eine weitere Verlängerung der Zulassung wäre fahrlässig", sagte Pestizidexpertin Heike Moldenhauer laut einer Mitteilung. Glyphosat sei nicht nur für Menschen gesundheitsgefährdend, sondern auch maßgeblich für das Artensterben in der Agrarlandschaft verantwortlich.

Die Einstufung durch die Chemikalienagentur sei "unverständlich für alle, die besseren Schutz vor unverantwortlichen und unnötigen Risiken fordern", sagte Harald Ebner, Glyphosat-Experte der grünen Bundestagsfraktion. Der Industrieverband Agrar begrüßte die Entscheidung dagegen. "Die Echa bestätigt, was Zulassungsbehörden in aller Welt immer wieder festgestellt haben: Glyphosat ist nicht krebserregend", erklärte der kommissarische Agrar-Hauptgeschäftsführer Dietrich Pradt. Er forderte die Regierung auf, sich für einen zügigen Genehmigungsprozess in Brüssel einzusetzen. (dpa)

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