Apotheker plus, 02.10.2008

... den ganzen Kram der Apothekerei an den Nagel zu hängen

Fontanes Romane und Reisebeschreibungen sind Perlen deutschsprachiger Erzählkunst. Und noch etwas konnte der große Romancier: in jungen Jahren war er auch ein tüchtiger Apotheker.

Von Klaus Brath

In Theodor Fontanes Geburtshaus in Neuruppin befindet sich seit über 300 Jahren eine Apotheke.

Foto: Stadt Neuruppin

Die frühesten pharmazeutischen Spuren von Theodor Fontane finden sich in der Karl-Marx-Straße 84 in Neuruppin: "Direkt ein Stockwerk über uns ist er geboren. In Neuruppin ist Fontane auch zur Schule gegangen", berichtet Nicole Conrad, Inhaberin der Löwen-Apotheke im Fontane-Haus. Dort befand sich schon 1819, im Jahr seiner Geburt, eine Apotheke. Theodor Fontanes Vater Louis Henri hatte sie im selben Jahr erworben, musste sie jedoch bereits 1826 wieder verkaufen - weil er Spielschulden hatte.

Louis Henri Fontane, laut seinem Sohn ein "Phantast, Humorist, Plauderer und Geschichtenerzähler", hat im Verlauf seines Berufslebens vier Apotheken in den Ruin gewirtschaftet. Theodor Fontane beklagte in einem Brief 1850: "meine Vermögenslosigkeit macht mir den Ankauf einer Apotheke unmöglich" - und dies, nachdem er eine langwierige pharmazeutische Ausbildung hinter sich hatte: von 1836 an vier Jahre bis zum Apothekengehilfen in der Roseschen Apotheke in Berlin, anschließend sieben weitere Jahre bis zur Approbation als "Apotheker erster Klasse". Als Gehilfe hatte Fontane bis 1848 in vielen Apotheken gearbeitet: in der Apotheke Dr. Kannenbergs in Burg bei Magdeburg, in der Neubertschen Adler-Apotheke in Leipzig, in der Salomonis-Apotheke in Dresden, in der väterlichen Apotheke in Letschin sowie schließlich in Berlin in der Polnischen Apotheke und in der Apotheke "Zum Schwarzen Adler".

Fontane ernete großes Lob für seine Arbeit in der Apotheke

Fontanes letzte Station vor seinem Entschluss, "den ganzen Kram der Apothekerei an den Nagel zu hängen", war das Diakonissen-Krankenhaus Bethanien in Berlin-Kreuzberg. Dort übernahm er die Leitung der Apotheke und die Ausbildung zweier Diakonissinnen, die ihre Prüfung mit "ausgezeichnet" bestanden. Fontanes Zeugnisse aus der Zeit seiner pharmazeutischen Tätigkeit sind beeindruckend: So attestierte der ehemalige Lehrherr Wilhelm Rose, dass Fontane "die ihm obliegenden Geschäfte" … "mit Eifer und Treue" versehen habe. Prinzipal Neubert bescheinigte, "dass ich mit seinem sittlichen Verhalten sowohl als auch mit seinen Leistungen als Apotheker vorzüglich zufrieden gewesen bin" und Fontanes Chef in der Salomonis-Apotheke fühlte sich sogar "zum Ausspruch des vollkommensten und unbedingtesten Lobes" verpflichtet.

Der Dichter starb vor 110 Jahren am 20.9.1898.

Foto: Stadt Neuruppin

Solches Lob brachte Fontane hingegen nicht all seinen Kollegen entgegen. Besonders stark geißelte Fontane den bourgeoisen Narzissmus Wilhelm Roses: "Seine Apotheke war die berühmteste, sein Laboratorium war das schönste, seine Gehilfen und Lehrlinge waren die besten und seine Kerbelsuppe (die wir jeden Mittwoch kriegten - eine furchtbare Semmelpampe), war die frühlingsgrünste, die gesündeste, die schmackhafteste." Fontanes ironische Kollegenschelte findet sich in seiner Selbstbiographie "Von Zwanzig bis Dreißig", in welcher er ebenso wie im Alterswerk "Meine Kinderjahre" Einblicke in seine Affinität zur Pharmazie gewährt. Wie ambivalent er den Apothekerberuf erlebte, offenbart sein wohl berühmtestes Buch "Effi Briest": Darin setzt Fontane zwar seinem früheren Beruf in Gestalt des rührenden Apothekers Alonzo Gieshübler ein literarisches Denkmal - es erschien jedoch erst 35 Jahre nach Abschluss seiner Apothekerlaufbahn.

Fontanes Spuren

110 Jahre nach Fontanes Tod finden sich in etlichen Apotheken noch Spuren seiner pharmzeutischen Tätigkeit.

Die "Fontane-Apotheke" in Letschin etwa wirbt mit einem Logo des Schriftstellers. Die Adler-Apotheke in Leipzig beherbergt noch viele Utensilien aus der Fontane-Zeit und versorgt Touristen mit einem Merkblatt. Im Fontane-Geburtshaus, Sitz der Löwen-Apotheke, wird er mit einer Gedenktafel geehrt. Und im Berliner ehemaligen Diakonissenkrankenhaus Bethanien kann der historische Raum der alten Fontane- Apotheke besichtigt werden.

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