Apotheker plus, 12.06.2009

Doping: Apotheker ziehen die rote Karte

Nicht jedem Sportler ist bewusst, wann er durch eine Medikamenteneinnahme gegen Dopingregeln verstößt. Eine Verbotsliste in Apotheken soll nun helfen, erlaubte Substanzen auszuwählen und Doping zu vermeiden.

Von Pete Smith

Mehr Muckis: Auch bei Freizeitsportlern ist Doping zunehmend beliebt.

Foto: dpa

Eine Situation, wie sie täglich vorkommen kann: ein Sportler verlangt in einer Apotheke ein Schnupfenmittel, das, so schränkt er ein, jedoch keine Dopingsubstanz enthalten dürfe. Oft herrscht dann zunächst Ratlosigkeit. Dass es eine Liste mit im Sport verbotenen Substanzen gibt, ist meist zwar bekannt, nur: Wo bekommt man die her?

Eine ähnliche Begebenheit führte dazu, dass die Apotheken in Nordrhein seit Kurzem mit der entsprechenden Verbotsliste der Welt Anti Doping Agentur (WADA) ausgestattet worden sind. Im konkreten Fall hatte der behandelnde Arzt eines Olympia-Teilnehmers von seiner Apotheke eine solche Liste angefordert. Der Pharmazeut wandte sich an seinen Verband, der wiederum stellte einen Kontakt mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) in Bonn her, woraus schließlich eine Kooperation entstand, die erste Früchte trägt.

Sensibilität für das Thema Doping soll erhöht werden

"Doping geht uns alle an", sagt Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein mit Sitz in Düsseldorf. "Deshalb müssen wir die Sensibilität für dieses Thema erhöhen." Die von seinem Verband initiierte Kooperation mit der NADA sieht er als zukunftsweisenden, präventiven Ansatz, der im besten Fall schon die jüngsten Sportler erreicht.

Jahr für Jahr gibt die WADA eine aktualisierte Verbotsliste heraus, die nach Wirkstoffgruppen geordnet ist. Hier erfahren die Athleten sowie ihre behandelnden Ärzte beispielsweise, welches Präparat bei Asthma verabreicht werden darf und welches nicht. Allgemein verboten sind Stimulanzien, Narkotika, Anabolika, Diuretika, Peptid- und Glykoproteinhormone sowie Blutdopingpräparate. Schon harmlose Erkältungsmittel können dem Athleten Probleme bereiten, etwa wenn sie Ephedrin enthalten, das auf der Verbotsliste steht. Für chronisch kranke Leistungssportler ist die Einnahme von Medikamenten stets mit einer gründlichen Recherche verbunden. Denn das Reglement kann sich ständig ändern. Ein Beispiel: Seit diesem Jahr sind die lange Zeit verbotenen Alpha-Reduktase-Hemmer wieder erlaubt, da ihre Wirkung als Maskierungsmittel durch die genauere Untersuchung von Steroidprofilen widerlegt werden konnte.

"Im Kampf gegen Doping ist eine fundierte medizinisch-pharmazeutische Aufklärung der Sportler durch fachlich geschulte Ansprechpartner unerlässlich", ist Kerstin Neumann, Apothekerin in der Abteilung Medizin & Forschung der NADA, überzeugt. "Daher freuen wir uns, dass uns die Apotheken als kompetente Anlaufstelle in allen Fragen rund um Arzneimittel jetzt noch stärker mit ihrer Fachkompetenz unterstützen."

Jeder Apotheker in Nordrhein hat von der NADA nun eine "Beispielliste zulässiger Medikamente" erhalten, die eine Zusammenstellung von etwa 400 Arzneimitteln zu verschiedenen Krankheitsbildern enthält, welche von Breiten-, Leistungs- und Hochleistungssportlern ohne Risiko eingenommen werden können. Darüber hinaus wurde den Pharmazeuten der Link zur Online-Medikamenten-Datenbank der NADA mitgeteilt, die weitere Informationen über knapp 3000 Arzneimittel und Wirkstoffe enthält.

Vorträge vor Sportlern als Teil der Kooperation

Damit nicht genug. Die Kooperation zwischen Apothekern und Nationaler Anti Doping Agentur soll noch weiter gehen, wie Thomas Preis vom Apothekerverband Nordrhein verrät. Geplant seien Vorträge von speziell geschulten Apothekern in Sportvereinen und Schulen, um schon die Jüngsten für das Thema Doping zu sensibilisieren. Möglicherweise macht das Beispiel in Nordrhein bald Schule, sodass auch auf Bundesebene Apotheken über die pharmazeutischen "Doping-Fallen" aufklären können.

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