Apotheker plus, 21.01.2011

Apotheker in jedes Krankenhaus!

In Krankenhäusern fehlt es hierzulande an klinischen Pharmazeuten. Das ist in vielen EU-Ländern anders.

Von Anja Krüger

Apotheker in jedes Krankenhaus!

Mehr klinische Pharmazeuten braucht das Land, fordert der leitende Apotheker der Uniklinik Heidelberg.

© carmakoma - Fotolia.com

Jedes deutsche Krankenhaus muss eine konkrete Person zum Abfallbeauftragten ernennen, aber für die Information über Arzneimittel und Interaktionen muss niemand zuständig sein. Das dürfe nicht so bleiben, ist der leitende Apotheker des Uniklinikums Heidelberg Dr. Torsten Hoppe-Tichy überzeugt.

"Es muss ein verpflichtendes System etabliert werden", forderte er beim 2. Kongress für Arzneimittelinformation in Köln. Dieser wurde von der Bundesvereinigung Deutscher Krankenhausapotheker veranstaltet, die rund 1600 Krankenhausapotheker vertritt.

"In Deutschland gibt es keine vorgeschriebene Zuständigkeit für den Arzneimittelprozess im Krankenhaus", kritisierte Hoppe-Tichy. Das sei in vielen Ländern anders. Vielerorts sei für Häuser mit mehr als 150 Betten die Einstellung eines klinischen Pharmazeuten vorgeschrieben.

In Spanien muss jedes Krankenhaus ein Arzneimittelinformationszentrum haben. In Portugal gibt es einen Leitfaden, demnach Kliniken solche Zentren haben sollten.

"Eine Institution wie den klinischen Pharmazeuten haben wir in Deutschland nicht", sagte er. Auf freiwilliger Basis wird sich das nach seiner Auffassung auch nicht ändern. "Ich bin der Meinung, dass es hier Vorgaben bedarf", sagte er.

Er widersprach der verbreiteten Auffassung, dies den Markt regeln und die Kliniken über die Schaffung dieser Stellen selbst bestimmen zu lassen. "Auch der Sicherheitsgurt für Autofahrer wurde aus guten Gründen vorgeschrieben", sagte er. Für die Arzneimittelversorgung und -information im Krankenhaus müsse ebenfalls ein "Sicherheitsgurt" Pflicht werden.

Krankenhausapotheker hätten gemeinsam mit Ärzten eine wichtige Funktion im therapeutischen Team. "Der Krankenhausapotheker kommt nicht auf die Idee, einen Arzt ersetzen zu wollen", betonte Hoppe-Tichy. Da, wo die Pharmazeuten tätig seien, setzten sie sich jedoch durch.

Deutschland habe im Bereich der Arzneimittelinformation über Klinikapotheker daher kein qualitatives Problem. "Wir müssen uns nicht verstecken", betonte Hoppe-Tichy. "Deutschland hat gute Prozesse in der Krankenhaus-Apotheke. Wir können sie aber nicht flächendeckend anbieten."

Und das führt zu einem gravierenden quantitativen Mangel. So ist im europäischen Vergleich die Versorgung mit Krankenhausapothekern schlecht. In der Bundesrepublik gibt es pro 100 Betten 0,31 Krankenhausapotheker, im europäischen Durchschnitt kommt ein Krankenhausapotheker auf 100 Betten.

Zwar versorgten die deutschen Krankenhausapotheken mehrere Kliniken. "Aber in den Häusern ist ortsnah keine Arzneimittelinformation angesiedelt", sagte er. "Wir kriegen es in dieser Situation nicht hin, die Arzneimittelinformation in der Fläche an alle heranzubringen, die sie benötigen."

Lesen Sie dazu auch:
Neue Empfehlungen zur Versorgung von Krankenhauspatienten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »