Apotheker plus, 28.10.2011

Im Team für gesunde Ernährung

Ihr Interesse für gesunde Ernährung und ein wirksames Diät-Konzept hat einen Arzt und einen Apotheker in Wolfschlugen zum eingespielten Team werden lassen. Was sie gemeinsam alles machen, erläutern sie im Interview.

Im Team für gesunde Ernährung

Wissen um die Kompetenzen des jeweils anderen: Apotheker Gunter Wagner (links) und Allgemeinarzt Dr. Joachim Fischer.

© Ruth Ney

ApothekerPlus: Partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker ist nicht selbstverständlich. Sind Sie eine Ausnahme?

Joachim Fischer: Was sich zwischenmenschlich abspielt, ist sicher oft verschieden. Aber im Prinzip müsste es nicht schwierig sein. Wir hatten hier noch keine Reibereien, denn im Grunde sind die Aufgaben klar verteilt und ich habe es immer wieder erlebt, dass jeder vom Wissen des jeweils anderen profitiert.

Und den Patienten nutzt es ebenfalls, wenn Arzt und Apotheker bei der Kommunikation an einem Strang ziehen.

Gunter Wagner: Dort, wo ich vorher gearbeitet habe, gab es das schon länger, dass man sich regelmäßig mit den Ärzten vor Ort getroffen und kurzgeschlossen hat. Als ich dann vor vier Jahren hier die Apotheke übernommen habe, habe ich auch Herrn Fischer vorgeschlagen, dass wir uns einmal pro Monat treffen und auf dem kleinen Dienstweg mögliche Konflikte gleich im Keim ersticken.

Das sind vor allem Aussagen von Patienten wie "Der Arzt oder der Apotheker hat aber gesagt ...."

ApothekerPlus: Besprechen Sie nur Problemfälle?

Fischer: Nein. Es gibt es auch fachliche Fragen, die wir miteinander diskutieren, etwa wenn neue Medikamente auf den Markt kommen oder eine Studie publiziert wurde, die bisherige Abläufe anderes darstellt.

Wir haben außerdem bestimmte Grundthemen. Jetzt im Herbst setzten wir uns zum Thema Erkältungen und Immunstimulation zusammen. Dazu bietet Herr Wagner auch einen Vortrag an. Im Frühjahr gibt es das Thema Allergien. Da besprechen wir jeweils, was der aktuelle Stand der Therapie ist, was Arzt und Apotheker empfehlen können und wann wie eingegriffen werden muss.

Wagner: Der Austausch ist außerdem bei den Rabattverträgen sehr wichtig, das erleichtert oft die Belieferung der Patienten. Auch bei der Schweinegrippe haben wir uns beraten, gemeinsam den Bedarf an Impfstoffen besprochen und dann entsprechend geordert.

ApothekerPlus: Sie arbeiten zudem beim Ernährungskonzept Bodymed zusammen. Wie kam es dazu?

Fischer: Wir haben in der Praxis schon vor neun Jahren angefangen mit Bodymed zu arbeiten - wegen der Eiweißbetonung zunächst vor allem als Ernährungskonzept für Sportler. Mein Praxispartner und ich hatten kurz zuvor eine GmbH gegründet für spezielle sportmedizinische Untersuchungen.

Das passte gut zusammen. Da wir dadurch auch geeignete externe Räumlichkeiten hatten, haben wir dann zunehmend für Übergewichtige Bodymed-Schulungsangebote gemacht. Bei Patienten mit Gewichtsproblemen hatte mir lange Zeit ein plausibles Konzept gefehlt, sodass ich mich bei der Beratung auf allgemeine Ratschläge beschränkt hatte.

Als Herr Wagner dann die Apotheke übernommen hat, zeigte sich sehr schnell, dass wir uns hier ebenfalls gut ergänzen können.

Wagner: Wir machen inzwischen gemeinsame Schulungen - auch des Personals, sodass es in Praxis und Apotheke je zwei Ansprechpartner gibt. Ich selbst hatte bei der Apothekenübernahme etwas im Bereich Ernährungsberatung und orthomolekulare Therapie gesucht, mit dem ich mich hervorheben konnte.

Bei einer unserer ersten gemeinsamen Sitzungen haben Herr Fischer und ich 25 verschiedene Anbieter gezielt verglichen und uns auch wissenschaftliche Ernährungskonzepte ganz genau angeschaut. Zum Schluss sind noch vier Firmen übrig geblieben, die unseren Ansprüchen genügten.

Bodymed hatte darunter dann das beste Preis-Leistungsverhältnis. Ein weiterer Vorteil: Ich kann hier alle Produkte zum Thema Ernährung und Gesundheit aus einer Hand beziehen.

ApothekerPlus: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Ernährungs-Konzept bei Übergewicht gemacht?

Wagner: Bestes Aushängeschild ist eine Mitarbeiterin von mir, die damit 25 Kilo abgenommen hat und das neue Gewicht auch hält.

Fischer: Abnehmen tun damit tatsächlich fast alle. Ich kann mich bei den vielen Patienten, die wir im Laufe der neun Jahre in den Schulungen hatten, nur an zwei erinnern, bei denen es nicht geklappt hat. In der Regel nehmen die Patienten in dem Kurs, der über ein viertel Jahr geht, zwischen 7 und 15 Kilo ab.

Die spannendere Frage ist dann, ob sie dieses Gewicht halten. Dazu ist eine Änderung der Gewohnheiten nötig. Deshalb bieten wir den Kurs über drei Monate mit mehreren Terminen an. Da ich bemerkt habe, dass aber danach wieder vieles vergessen wird, dürfen alle Teilnehmer eines Bodymed-Kurs jederzeit wieder zu einer Schulung zum Auffrischen kommen.

Außerdem gibt noch den Bodymed-Club. Wer da Mitglied ist, der kann zusätzlich an weiteren Veranstaltungen außerhalb der Kurse teilnehmen und bekommt Rabatt auf die Produkte. Die, die das machen, können tatsächlich besser das Gewicht halten, haben wir festgestellt.

ApothekerPlus: Gab es wegen ihrer intensiven Zusammenarbeit auch Anfeindungen von Kollegen?

Fischer: Nein. Aber wir haben das tatsächlich zunächst befürchtet. Jetzt ist eher das Gegenteil der Fall: Im Hausärztekreis Nürtingen sind wir mit dem Kurs gut integriert. Und mich sprechen Kollegen gezielt an und schicken mir sogar übergewichtige Patienten zu den Kursen.

Wagner: Auch aus anderen Apotheken haben sich Kollegen an diesem Konzept interessiert gezeigt und holen sich hier Informationen.

Das Gespräch führte Ruth Ney

[12.11.2011, 12:11:42]
Dr. Leoluca Criscione 
Gesund essen und dick sterben
Sehr geehrter Herr Wagner,
Wir, als 'Fachpersonen", sollten als Vorbild auftreten können, wenn wir über "Gesunde Ernährung" und Abnehmen reden bzw. Ratschläge erteilen! "Gesund essen und dick sterben... Aufklärung eines scheinbaren Paradoxes" ist, daher, das Buch, das Ich Ihnen (nicht nur)zur Lektüre empfehlen möchte! Angenehme Lektüre und Buon Appetito aus Basel! Leoluca Criscione zum Beitrag »

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