Apotheker plus, 16.12.2011

Medikamenteneinnahme: Fehlerquellen sind mannigfaltig

NEU-ISENBURG (ner). Oft sind es kleine Dinge, die die korrekte Arzneieinnahme erschweren, ergaben Befragungen.

Ein Anwendungstest am Hanusch-Krankenhaus Wien hat ergeben, dass nur jeder fünfte geriatrische Patient neun Aufgaben mit Bezug zur Compliance komplett richtig lösen konnte. Von 200 Teilnehmern waren nicht in der Lage...

  • die verordnete Dosierung zeitlich zuzuordnen: 47 Prozent,
  • 10 ml Saft in einen Messbecher zu füllen: 39 Prozent,
  • eine Dosierhilfe entsprechend drei Dosisverordnungen zu füllen: 40,5 Prozent,
  • eine Dose mit Kindersicherung zu öffnen: 34,5 Prozent,
  • eine Dose mit Brausetabletten zu öffnen: 27,5 Prozent,
  • die Applikation "Brausetablette" zu erklären und die Tablette in Wasser aufzulösen: 23 Prozent,
  • 20 Tropfen auf einen Teelöffel zu zählen: 23,5 Prozent,
  • die Verordnung "bei Bedarf" zu erklären: 20 Prozent,
  • eine Tablette zu teilen: 8 Prozent der Patienten.

Die Patienten waren im Durchschnitt 79 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter wurden immer weniger Aufgaben korrekt gelöst (Findl I. et al. Top Tipps 2001,3: 1 unter www.noegkk.at).

Im Gesundheitsmonitor 2/2011 der Bertelsmann-Stiftung und der Barmer GEK wurde deutlich, dass mehr als die Hälfte der befragten Patienten Medikamente letztlich für Gift halten und Ärzte zu oft Medikamente verschreiben würden.

42 Prozent stimmten der Aussage zu: "Wenn man ein Medikament nicht verträgt, sollte man es besser wegwerfen." Andererseits gaben 97 Prozent der Befragten an, Medikamente tatsächlich einzunehmen wie vom Arzt verordnet.

Bemängelt werden zu wenig Erläuterung zu Einnahmedauer oder Dosierung sowie unzureichende Infos über unerwünschte Effekte. Beipackzettel werden als verwirrend oder sogar Angst einflößend wahrgenommen.

Kinetik und Dynamik ändern sich

Prinzipiell gilt bei der Pharmakotherapie geriatrischer Patienten: start low - go slow, der niedrigen Anfangsdosis soll also die langsame Dosisanpassung folgen. Ebenso wichtig wie eine Therapie zu beginnen ist es auch, sie gegebenenfalls wieder zu beenden. Zudem sind diverse Veränderungen der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik zu berück- sichtigen:

der Anteil der Körperflüssigkeit nimmt ab, dadurch werden schnell hohe Serumspiegel hydrophiler Substanzen wie Digitalis oder Analgetika erreicht,

der Körperfettanteil wird größer, dies bedeutet eine verzögerte Bioverfügbarkeit sowie verlängerte Halbwertszeit lipophiler Substanzen, etwa von Psychopharmaka,

die renale Elimination ist vermindert,

hepatische Clearance nimmt ab,

geriatrische Patienten reagieren vergleichsweise sensitiver auf zentralnervös wirksame Substanzen,

geriatrische Patienten reagieren vergleichsweise wenig sensitiv auf beta-adrenerge Substanzen.

Bundesgesundheitsbl 2005, 5: 59

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