Ernährung, 06.11.2008

Eine gesunde Lebenswelt schaffen

Die Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil im Alltag zu beherzigen, übersteigt häufig die Möglichkeiten des Einzelnen. Die Gesellschaft ist gefordert.

Von Sabine Fankhänel

Eine gesunde Lebenswelt schaffen

Gemeinsam macht Bewegung Spaß.

Foto: imago

Die Empfehlungen für die Therapie und Prävention von Übergewicht und Adipositas lassen sich einfach zusammenfassen. "Weniger und gezielter essen sowie mehr bewegen", so resümierte Professor Aloys Berg vom Universitätsklinikum Freiburg anlässlich der 24. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Was einfach klingt, ist aber offenbar schwer im Alltag zu leben. Denn schließlich sind knapp 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig oder adipös.

Daher sind nach Ansicht der DAG neue, effiziente Strategien zur Therapie und Prävention unbedingt erforderlich. Denn die bisher verfolgten Ansätze, die auf Information, Aufklärung und Erziehung beruhen, konnten die Adipositas-Epidemie nicht verhindern. In Freiburg forderte die DAG deshalb einen gesellschaftlichen Präventionsansatz.

DAG-Präsident Professor Manfred Müller von der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel betonte: "Nicht nur der Lebensstil muss sich ändern, sondern auch die Lebenswelt". Das Problem Adipositas sei eine der großen Herausforderung für die Politik; denn die Lösung erfordere einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel. Aus Sicht der DAG sei dieser nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Akteure möglich.

Als ersten Schritt in diese Richtung sieht die DAG den Nationalen Aktionsplan "IN FORM", an dessen Erstellung sie aktiv mitgearbeitet hat. Hier seien viele Maßnahmen angedacht oder schon konkret benannt, die eine Änderung des Lebensstils bewirken könnten. Vorrangig werde dabei an die Eigenverantwortung appelliert. Der Einzelne soll beispielsweise durch Bildung und Information befähigt werden, sein Verhalten zu steuern, also das für ihn Richtige aus der Fülle des Lebensmittelangebots auszuwählen und sich im Alltag mehr zu bewegen.

Allerdings habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass solche Strategien und Appelle häufig wirkungslos bleiben. "Eine Politik, die ausschließlich oder vorrangig auf Eigenverantwortung setzt, wird daher dem gesellschaftlichen Problem nicht gerecht", sagte Müller. Hier müssten vielmehr weiter reichende Änderungen stattfinden, die sich unmittelbar auf die Lebenswelten auswirken, beispielsweise auf das Angebot an Lebensmitteln oder die Möglichkeiten zu aktiver Bewegung in der unmittelbaren Umgebung.

Der DAG-Präsident betonte, dass Gesundheitsförderung und Prävention nicht möglich seien ohne die Ärzte. Angesichts der gesellschaftlichen Determinanten von Übergewicht stießen medizinische Maßnahmen zu seiner Behandlung aber an Grenzen. Ärzte müssten deshalb auch außerhalb des traditionell medizinischen Bereichs agieren, ein "Mehr" an sozialem Engagement sei dringend erforderlich, so Müller.

Die Bedeutung der körperlichen Aktivität und Bewegung unterstrich DAG-Tagungspräsident Professor Berg: "Gesunde Ernährung kann dazu beitragen, Übergewicht zu verhindern und Risikofaktoren zu reduzieren. Allerdings ist das Problem der Adipositas ohne vermehrte körperliche Aktivität nicht zu lösen", so der Sportmediziner.

Stichwort

IN FORM

Im Juni 2008 hat die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan "IN FORM" beschlossen. Damit will sie bis zum Jahr 2020 "sichtbare Erfolge" im Kampf gegen Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängende Krankheiten erzielen.

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