Ärzte Zeitung, 14.06.2016

E-Health

Neue Honorarchancen für Ärzte

Eine aktuelle Umfrage von Springer Medizin und Deutsche Bank zu den Auswirkungen des E-Health-Gesetzes zeigt: Ärzte sehen neue Honorarchancen sowie einen Schub für Investitionen in die Praxis. Es besteht aber auch noch großer Nachholbedarf bei der elektronischen Vernetzung mit Kollegen.

Von Hauke Gerlof

FRANKFURT/MAIN. Hohe Relevanz der zu erwartenden Änderungen im Praxisalltag, zusätzliche Honorarchancen durch neue Anwendungen - Ärzte stehen den Neuerungen durch das E-Health-Gesetz mehrheitlich positiv gegenüber.

Laut Meinung vieler Ärzte könnte die elektronische Vernetzung zudem den Trend zu Kooperationen im Gesundheitswesen weiter vorantreiben; viele sind aber auch noch unsicher, welche Folgen das Gesetz haben wird und wie sie reagieren sollen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Leserumfrage, die von der Verlagsgruppe Springer Medizin zusammen mit der Deutschen Bank im Mai initiiert wurde.

"E-Health-Gesetz: Steigen Sie jetzt in die digitale Medizin ein?", so das Thema der aktuellen Frühjahrsumfrage, an der sich genau 400 niedergelassene Ärzte beteiligt haben.

Beim Blick auf die Details der Ergebnisse zeigt sich, dass eine Mehrheit von 60 Prozent ihre Erwartungen an das E-Health-Gesetz "eher nicht" oder "überhaupt nicht" erfüllt sieht, offenbar weil sie sich weitergehende Maßnahmen erhofft hätten.

Das zeigt sich auch daran, dass Ärzte, die auf dem Land praktizieren, ihre Erwartungen sogar zu 80 Prozent als "eher" oder "überhaupt nicht" erfüllt ansehen.

Gerade auf dem Land könnte die Digitalisierung Versorgungsprobleme in Zukunft überbrücken helfen. In Großstädten sagen dagegen nur 49 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt sind.

Neue Honorarchancen für Ärzte

Telemedizin steht nicht im Fokus

Ein weiteres Ergebnis: Ärzte messen Neuerungen durch das E-Health-Gesetz überwiegend hohe Relevanz für den Praxisalltag bei.

Das gilt besonders für den Medikationsplan, den Arzneimitteltherapiesicherheitscheck sowie für den geplanten Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK).

Jeweils Dreiviertel der Umfrageteilnehmer halten diese für "wichtig", "sehr wichtig" oder "äußerst wichtig". Weniger Priorität werden der elektronischen Fallakte/Patientenakte (58 Prozent sehen sie als "wichtig" bis "äußerst wichtig" an), dem elektronischen Arztbrief mit E-Signatur (48 Prozent) und telemedizinischen Leistungen (41 Prozent) beigemessen.

Überraschend: Eine große Mehrheit (73 Prozent) verspricht sich vom Medikationsplan zusätzliche Vergütungschancen, 63 Prozent bewerten zusätzliche Abrechnungsmöglichkeiten für den elektronischen Arztbrief als "wichtig" oder "äußerst wichtig".

Neue Honorarchancen für Ärzte

Erst 28 Prozent sind online vernetzt

Geteilter Meinung sind die Umfrageteilnehmer bei den Abrechnungsmöglichkeiten für telemedizinische Leistungen: Nur 50 Prozent sehen sie als "wichtig" bis "äußerst wichtig" an, 44 Prozent dagegen als "weniger wichtig" oder "gar nicht wichtig" - eine Untermauerung der schlechten Bewertung der telemedizinischen Anwendungen hinsichtlich der Relevanz für den Praxisalltag.

In puncto elektronische Vernetzung zeigt sich, wie groß der Nachholbedarf ist: Gut 28 Prozent der Ärzte nutzen laut Umfrage bereits technische Möglichkeiten der elektronischen Vernetzung mit anderen Praxen oder Kliniken, 64 Prozent tun das noch nicht.

Für 17 Prozent sind dabei Kliniken der aktuell bevorzugte Vernetzungspartner, zwölf Prozent der Teilnehmer haben sich mit weiterbehandelnden Fachärzten vernetzt und zehn Prozent mit Kollegen im Ärztenetz.

Neue Chancen für Kooperationen?

"Hier könnte in Zukunft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil liegen, den große fachärztliche Praxen und Medizinische Versorgungszentren für sich nutzen werden, um sich als Schlüsselpraxen zu positionieren", kommentiert Nina Dabringhausen, Expertin Heiberufe im Zielgruppenmanagement Heilberufe der Deutschen Bank.

Denn in technisch gut ausgestatteten und elektronisch vernetzten Praxen würden Hausärzte bevorzugt Patienten zur Weiterbehandlung überweisen, weil dort ein reibungsloser Datenaustausch den Aufwand der Betreuung reduziert. Diese Tendenz zeigt sich auch bei zwei weiteren Ergebnissen der Umfrage, so Dabringhausen:

- Zum einen glaubt mehr als ein Drittel der Teilnehmer, dass die Möglichkeiten der elektronischen Vernetzung den Trend zur Kooperation weiter beflügeln werden.

"E-Health ist ein weiterer Mosaikstein, der das Thema Kooperation befeuert, weil die Online-Anwendungen den Austausch von Informationen unter Partnern vereinfachen", so Dabringhausen. In Kooperationen ließen sich dadurch Investitionen in neue Technik leichter und zielgerichteter realisieren, weil die Technik der Partner aufeinander abgestimmt sei.

- Zum anderen hätten offenbar viele Ärzte erkannt, dass es wichtig ist, sich auf die Nutzung der digitalen Technik vorzubereiten: Laut Umfrage plant jeder vierte Teilnehmer Investitionen in seine Praxis, um die Chancen des E-Health-Gesetzes zu nutzen.

Neue Honorarchancen für Ärzte

Viele wollen für E-Health investieren

Favorisierte Anwendungen für Investitionen in Sachen E-Health sind dabei - wenig überraschend - diejenigen mit der höchsten Relevanz für den Praxisalltag: 30 Prozent wollen investieren, um den Medikationsplan und einen Arzneimitteltherapiesicherheitscheck nutzen zu können, 25 Prozent in den Notfalldatensatz auf der eGK sowie in die E-Fallakte/-Patientenakte, und 19 Prozent in den E-Arztbrief mit qualifizierter Signatur.

Nur zwölf Prozent wollen für den bei Ärzten ungeliebten Online-Stammdatenabgleich investieren, und sieben Prozent haben die Videosprechstunde als erfolgversprechendes Investitionsfeld erkannt.

Die Umfrage zeige aber auch, wie viele Ärzte immer noch verunsichert auf die Entwicklung reagieren, so die Heilberufe-Expertin der Bank.

Jeder dritte Umfrageteilnehmer wisse noch nicht, ob er in E-Health-Techniken investieren wolle, jeder fünfte Teilnehmer wage keine Einschätzung wie die digitale Vernetzung auf den Trend zur Kooperation Einfluss nehmen könne.

"Der Mehrwert der neuen Anwendungen ist vielen niedergelassenen Ärzten bereits bewusst, sie sind aber noch unentschlossen, wie sie das in ihrer Praxis auch umsetzen können", kommentiert Nina Dabringhausen.

Sie glaubt, dass Ärzte, die sich in diesem Feld der Online-Kommunikation rechtzeitig positionieren, für die Zukunft und im Wettbewerb gut aufgestellt sein werden.

Die Umfrage

Titel der Umfrage: „E-HealthGesetz: Steigen Sie jetzt in die digitale Medizin ein?“

Initiatoren: Springer Medizin und Deutsche Bank (www.deutsche-bank.de/heilberufe)

Befragungszeitraum: Ende April bis Mitte Mai 2016

Medien:

– Fragebogen in der „Ärzte Zeitung“,

– E-Mail-Newsletter an verschiedene Facharztgruppen,

– auf www.aerztezeitung.de

Teilnehmer: 400 Haus- und Fachärzte

Zur kompletten Auswertung der Umfrage im Netz

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