Ärzte Zeitung, 15.04.2009

"Wichtiges Ziel bei der Betreuung alter Patienten ist, die Selbstbestimmung zu erhalten"

"Wichtiges Ziel bei der Betreuung alter Patienten ist, die Selbstbestimmung zu erhalten"

Arzneimittel-Therapie alter Menschen, aber auch die rechtliche Situation von Patienten mit kognitiven Einschränkungen sind wichtige Themen des Internistenkongresses.

Ärzte Zeitung: Herr Professor Kolloch: Sich konsequent mit der bestmöglichen Betreuung alter und betagter Patienten zu beschäftigen, ist schon aufgrund der demografischen Entwicklung zwingend. Welchen Beitrag leistet hier der Internistenkongress?

"Wichtiges Ziel bei der Betreuung alter Patienten ist, die Selbstbestimmung zu erhalten"

Kongresspräsident Rainer Kolloch zum 115. DGIM-Kongress in Wiesbaden

Professor Rainer Kolloch: Zum einen geht es beim Kongress zum Beispiel darum, zu vermitteln, dass viele Medikamente bei älteren Patienten gar nicht oder anders wirken. Wenn man etwa älteren Patienten mit ob-struktiven Atemwegsbeschwerden Theophyllin gibt, riskiert man in viel höherem Maße Herzrhythmusstörungen als bei jüngeren. Gerade bei multimorbiden älteren Patienten, die viele Arzneien gleichzeitig einnehmen, brauchen Ärzte ein pharmakologisch und pathophysiologisch gut fundiertes Wissen.

Ärzte Zeitung: Ein solches Wissen steht aufgrund begrenzter Kapazitäten derzeit aber gar nicht in der Breite zur Versorgung geriatrischer Patienten zur Verfügung ...

Kolloch: Ja, dieses Problem ist bekannt. Zum Beispiel bekommen ältere Patienten in vielen Klinik-Abteilungen, die als "geriatrische Abteilung" bezeichnet werden, eine klassische internistische Therapie, ohne dass ihnen die in modernen DRG-Systemen für die Betreuung Älterer besonders abgebildeten langen Liegezeiten und komplexen Behandlungen angeboten werden können.

Ärzte Zeitung: Ihnen liegen aber noch ganz andere Dinge am Herzen, was die Betreuung älterer und betagter Patienten betrifft?

Kolloch: Das ist richtig. Ein Stichwort ist die organbezogene Medizin: Hier ergeben sich einfach Fragen, an denen wir nicht vorbeikommen. Zum Beispiel: Was macht das für einen Sinn, jemanden vor einem Re-Infakt zu bewahren, wenn er dann schwer dement hospitalisiert ist oder in einer Institution untergebracht werden muss. Stichworte sind hier aber auch der Erhalt von Autonomie und Selbstbestimmung. Deshalb geht es auch in einem Vortrag bei einem Symposium am Samstag speziell um die rechtliche Situation älterer, kognitiv eingeschränkter Patienten im Krankenhaus. (mal)

Den Vortrag "Zwischen Autonomieerhalt und Betreuung: die rechtliche Situation älterer, kognitiv eingeschränkter Patienten im Krankenhaus" hält Dr. Steffen Lau, Charité Berlin, beim Symposium "Gerontopsychiatrische Probleme in der Inneren Medizin" (Samstag, 18. April, Saal 11, 14.30 Uhr bis 18.00 Uhr)

Lesen Sie dazu auch:
Neue Demenzleitlinie wird auch auf Multimorbidität eingehen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »