Kongress, 07.05.2010

Ein Schaufenster für lebenslanges Wohnen

Ein Schaufenster für lebenslanges Wohnen

Die meisten Bundesbürger wollen ihren Lebensabend im trauten Heim verbringen. Doch nur ein Bruchteil der Wohnungen sind altersgerecht umgebaut. In Berlin will man sich der Herausforderung stellen.

Von Thomas Hommel

Ein Schaufenster für lebenslanges Wohnen

Viele Hochhäuser, viele Mieter, viele Senioren: das Märkische Viertel in Berlin-Reinickendorf. © Altwein / dpa

Das Vorhaben ist ehrgeizig: Der Verein Gesundheitsstadt Berlin, in dem sich 170 Unternehmen und Einzelpersonen der Berliner Gesundheitsbranche tummeln, will die Bundeshauptstadt in den nächsten Jahren zu einem "nationalen Schaufenster" für praxistaugliche Lösungen im Bereich des altersgerechten Wohnens in den eigenen vier Wänden machen.

Die Erschließung des Privathaushalts als "dritten Gesundheitsstandort" neben Klinik und Heim sei eine der "ganz großen Herausforderungen der Zukunft", sagt Dr. Franz Dormann, Geschäftsführer von Gesundheitsstadt Berlin. Alle Umfragen wiesen daraufhin, sagt Dormann, dass sich die Mehrheit der Bundesbürger einen Lebensabend in den eigenen vier Wänden wünsche. Das aber sei nur möglich, wenn die Wohnungen altersgerecht eingerichtet seien und ältere und häufig chronisch kranke Menschen dort weiterleben könnten. "Das ist bislang nur bedingt der Fall - viele der Wohnungen erfüllen die Anforderung altersgerecht nicht", stellt Dormann fest.

In Berlin kennen die Verantwortlichen der dortigen Wohnungsbauwirtschaft das Problem nur allzu gut. Beispiel Märkisches Viertel - eine Hochhaussiedlung im Norden der Hauptstadt gelegen. Das städtische Wohnungsbau-Unternehmen GESOBAU AG unterhält in dem Viertel rund 16 000 Wohnungen, in denen mehr als 40 000 Menschen leben. Ein Drittel der Mieter ist älter als 60 Jahre. Damit die älteren Mieter im Viertel bleiben, werden derzeit insgesamt vier Hochhäuser altersgerecht umgebaut.

Außerdem soll ausreichend Platz für gemeinsame Aktivitäten geschaffen werden. In jedem Hochhaus soll es eine Etage geben, wo Begegnungen stattfinden, es frische Mahlzeiten und soziale Betreuung geboten wird. Ärzte und Pflegedienste in unmittelbarer Nähe sollen die medizinische Versorgung sicherstellen. Ältere Menschen seien die "besten Mieter", die man sich vorstellen könne, betonen die Verantwortlichen bei GESOBAU. Deshalb wolle man sie so lange wie möglich im "Kiez" halten.

Nachholbedarf in Sachen altersgerechtes Wohnen hat aber nicht nur Berlin. Überall in Deutschland muss sich der Wohnungsmarkt auf eine wachsende Anzahl älterer Mieter einstellen. Wohnungen, die trotz Alter Mobilität in den eigenen vier Wänden sichern, fehlen landauf, landab.

Nach Angaben des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sind von den rund 39 Millionen Wohnungen in Deutschland derzeit gerade einmal 400 000 altersgerecht eingerichtet. Das heißt, sie verfügen über barrierefreie Zugänge, Fahrstühle und Assistenzsysteme im Haushalt, wie beispielsweise Sturzmelder oder Herde, die sich automatisch abschalten, sollte der Senior beim Verlassen der Küche vergessen, das selber zu erledigen. "Da liegt ein Riesenmarkt vor uns", ist sich Dormann sicher. "Wir müssen jetzt nur Sorge tragen, diesen Markt für uns zu erschließen, bevor es andere tun."

Im Herbst lädt der Verein Gesundheitsstadt Berlin Akteure aus der Gesundheits- und der Wohnungsbauwirtschaft zu einem "Zukunftsforum Langes Leben" in die Bundeshauptstadt ein. "Wir wollen zeigen, was es schon alles an technischen Möglichkeiten - Stichwort AAL - und Angeboten gibt, damit Menschen in den eigenen vier Wänden alt werden können", sagt Dormann. Auch das Bundesforschungsministerium ist beim Forum mit von der Partie.

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