Kongress, 12.04.2010

Ein Herz, ein Darm, und viele Infos rund ums Thema Gesundheit

Ein Herz, ein Darm, und viele Infos rund ums Thema Gesundheit

Als Experiment ist er vor Jahren erstmals gestartet worden, am Samstag wurde beim Internistenkongress klar: Der Patiententag wird von der Wiesbadener Bevölkerung immer besser angenommen.

Ein Herz, ein Darm, und viele Infos rund ums Thema Gesundheit

Begehbares Herz mit defekter Aortenklappe im Inneren: Ein Modell, das bei den Besuchern auf großes Interesse stieß. © sbra
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Von Christoph Fuhr

"Ein begehbarer Darm - was soll das sein?" Der Junge wirkt ein wenig verunsichert. Dann schiebt er sein Skateboard unter den rechten Arm und geht hinein in die Darm-Wunderwelt. Er prüft mit der Hand Polypen, läuft staunend hin und her. Minuten später hat ein neues Organ sein Interesse geweckt - der Junge inspiziert ein begehbares Herz, direkt nebenan.

Ein Herz, ein Darm, Info-Stände, viele Menschen: Das Wiesbadener Rathaus und der Platz davor standen am Samstag im Zeichen des Patiententags. Die städtische Gesundheitsdezernentin Rose Lore Scholz würdigte das Info-Angebot rund ums Rathaus als "in seiner Breite einmalig." "Wir wollen Wiesbaden gesünder machen", erläuterte sie, "wir wollen Menschen für das Thema Gesundheit sensibilisieren." Der Patiententag übersetze den Bürgern wichtige Ergebnisse des Internistenkongresses in einer verständlichen Sprache.

Im Rathaus wurden zum Beispiel neueste Behandlungen gegen Herzleiden, Rheuma oder Erkrankungen von Atemwegen und Nieren vorgestellt. Es ging um Fortschritte in der Therapie von Darmkrebs, um Wege zum gesunden Schlaf, um effektiven Impfschutz für Kinder und Erwachsene.

Was sucht Sucht in meinem Leben? Täglich ein Feierabend-Bier - ist das ok? Das etwa waren Fragen, die Mitarbeiter des Suchthilfezentrums Wiesbaden stellten. "Bitte anonym antworten, es geht darum, Menschen für das Produkt Sucht zu sensibilisieren", hieß es am Stand.

Bürger haben zunehmend Befürchtungen, dass ihre Gesundheitsversorgung bald nicht mehr gesichert ist. Das wurde bei einem gesundheitspolitischen Forum deutlich, das gemeinsam von "Ärzte Zeitung"-Chefredakteur Wolfgang van den Bergh und der Lokalchefin des "Wiesbadener Kurier", Ingeborg Salm-Boost, moderiert wurde.

Ob Kassen, Ärzte und Industrie in der aktuellen Debatte Versäumnisse vorzuwerfen sind, darüber wurde im Saal kontrovers diskutiert. In einem waren sich die Besucher bei allem Dissens im Detail allerdings einig: Dass die Lebenserwartung in Deutschland steigt, dass Menschen immer älter werden, das, so formulierte es der gesundheitspolitische Sprecher der CDU im Wiesbadener Stadtparlament Dr. Reinhard Völker, sei ein "großartiges Geschenk". Donnernder Applaus, da gab es bei den Besuchern des Patiententags nicht den geringsten Widerspruch.

Das waren Patiententag-Themen

Gesunder Lebensstil - das beste Rezept gegen Herzkrankheiten

"No sports" lautete die schon legendäre Antwort Winston S. Churchills auf die Frage, wie man am besten gesund alt wird. Ganz ernst gemeint war diese Empfehlung wohl nicht, stammt doch auch folgender Satz aus dem Mund des in seinem Leben durchaus sportlich aktiven Politikers: "Keine Stunde, die man mit Sport verbringt, ist verloren".

Den Erkenntnissen der Forschung hält seine "No sports"-Empfehlung jedenfalls nicht mehr Stand, betonte Dr. Michael Stellwaag aus Wiesbaden. Mittlerweile gebe es genügend Studien, die die vorbeugende Wirkung regelmäßiger Bewegung gegen Herzerkrankungen wie KHK belegen. "Regelmäßig eine halbe Stunde moderate Ausdauerbelastung pro Tag", so Stellwaags Empfehlung. Dadurch können - selbst dann, wenn damit erst im Alter begonnen wird - das Leben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden,

Wichtigste Einzelmaßnahme sei der Rauchverzicht, der das Herzinfarktrisiko innerhalb kurzer Zeit drastisch reduziere, so Stellwaag. Gesunde Ernährung, Gewichtskontrolle und Stressabbau seien weitere effektive Maßnahmen zur KHK-Prävention. (ob)

Das Leben mit Blutverdünnern wird für Patienten bald einfacher

Etwa eine Million Menschen in Deutschland benötigen "blutverdünnende" Medikamente. Die bekanntesten Präparate dafür sind die Cumarine Marcumar® und Falithrom®. Häufigster Grund für eine langfristige Einnahme ist das Vorhofflimmern. Gerinnungshemmer sorgen dafür, dass sich im linken Vorhof keine Blutgerinnsel bilden, die in das Gehirn geschwemmt werden und dort einen Schlaganfall auslösen können, hat Professor Sebastian Schellong aus Dresden erklärt. Der zweithäufigste Grund seien Thrombosen und Lungenembolien. Gerinnungshemmer sollen die Ausdehnung der Thrombose oder das Wiederauftreten verhindern. Das Problem: Bei der Einnahme von Cumarinen muss regelmäßig die Stärke der Gerinnungshemmung kontrolliert und die Dosis angepasst werden. Und wenn eine Operation ansteht, muss die Cumarin-Therapie unterbrochen und durch andere einfacher zu steuernde Mittel ersetzt werden. Vermutlich bald werden neue Substanzen zur Verfügung stehen, die durchgehend eingenommen werden und so das Leben mit Blutverdünnern erleichtern. (ikr)

Im Alter gibt es bei Rheumatoider Arthritis einige Besonderheiten

"Erkranken Menschen über 65 Jahren an Rheumatoider Arthritis, haben sie andere Krankheitszeichen als jüngere Patienten", sagte Dr. Norbert Schütz beim Patiententag. Sind bei jüngeren Patienten meist viele kleine Gelenke betroffen, sind es bei älteren eher die großen Gelenke, so der Rheumatologe von den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden. "Im höheren Alter kommen zu den Gelenkschmerzen oft auch Muskelschmerzen hinzu", so Schütz. "Bei jüngeren RA-Patienten ist das eher selten."

Zudem seien unspezifische Symptome bei älteren RA-Patienten häufiger und stärker ausgeprägt, etwa Abgeschlagenheit, Fieber, Gewichtsverlust oder auch Blutarmut. "Die Diagnose wird dadurch oft verzögert, nämlich um durchschnittlich 20 Monate", sagte Schütz. "Das ist doppelt so viel wie bei jüngeren RA-Patienten." Außerdem kommen bei Älteren Blutmarker für eine Rheumatoide Arthritis, etwa Rheumafaktoren, weniger oft vor.

Bei der Therapie müsse auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneien geachtet werden. Denn alte Menschen nehmen oft mehrere Medikamente ein. (hub)

Lesen Sie dazu auch:
Besuchern des Patiententags bereitet Ärztemangel Sorgen

Weitere Bilder vom Patiententag in Wiesbaden in unserer Bildergalerie

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