Apoplexie: Reha mit Gleichstrom

Selbst wenn Patienten im chronischen Stadium eines Schlaganfalls viel trainieren, verbessern sich die motorischen und sprachlichen Fähigkeiten häufig nur noch minimal. Hoffnung bietet die transkranielle Gleichstromstimulation, die Lernprozesse fördert.

Von Agnes Flöel Veröffentlicht:
Schlaganfälle führen oft zur Dysbalance der Hemisphären.

Schlaganfälle führen oft zur Dysbalance der Hemisphären.

© Springer Verlag

DÜSSELDORF. Nach Schlaganfall persistieren oft Einbußen, insbesondere im motorischen und sprachlichen Bereich.

Die therapeutischen Optionen im chronischen Stadium, also sechs bis zwölf Monate nach dem Schlaganfall, sind begrenzt.

Intensives Training kann nur noch eine geringe oder teilweise auch gar keine messbare Verbesserung mehr erzielen.

Einen Therapieansatz zur effektiven und messbaren Verbesserung motorischer und sprachlicher Funktionen könnte die nicht-invasive Hirnstimulation darstellen.

Eines der am häufigsten verwandten Verfahren ist die transkranielle Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation, tDCS).

Kontinuierlicher Gleichstrom über zwei an der Kopfhaut angebrachten Elektroden

Dabei fließt über zwei an der Kopfhaut angebrachte Elektroden ein kontinuierlicher Gleichstrom. Es kommt zu einer Auslenkung des Ruhemembranpotentials, bei der anodalen (fazilitierenden) Stimulation zu einer Anhebung, bei der kathodalen (inhibierenden) Stimulation zu einer Absenkung.

Dadurch lassen sich Aktionspotentiale entweder leichter (anodal) oder schwerer (kathodal) auslösen. Weiter verändert die tDCS die glutamaterge N-methyl-D-aspartat (NMDA)-Rezeptor-abhängige Neurotransmission und kann so Lernvorgänge beeinflussen.

Therapie durch Inhibition der gesunden Seite oder Fazilitation der geschädigten Seite

Nach einem unilateralen Schlaganfall kommt es häufig zu einer Dysbalance des interhemisphärischen Gleichgewichtes. Die Therapie mit tDCS bei schlaganfallinduziertem Ungleichgewicht zwischen den Hemisphären kann durch Inhibition der gesunden Seite oder durch Fazilitation der geschädigten Seite erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit der tDCS: bei schwerer Schädigung und somit geringer Reorganisationsmöglichkeit einer Hemisphäre noch eine Lernverstärkung in der gesunden Hemisphäre zu erreichen.

Inzwischen liegen experimentelle klinische Studien zur Beeinflussung der motorischen und sprachlichen Rehabilitation im chronischen Stadium nach Schlaganfall vor. Fragen bestehen noch zu Einzelheiten der Methode und welche Applikationen in der klinischen Routine möglich sind.

Professor Agnes Flöel, Charité Campus Mitte, Neurologie, Berlin

Schlagworte:
Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Therapieumstellung versus -verbleib: Risiken für Schlaganfälle/systemische Embolien und schwere Blutungen

© Springer Medizin Verlag GmbH

Neue Daten zu DOAK-Therapiewechsel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, München, und der Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Humane Papillomviren

Nach Impfung: HPV-Screening nur zwei- bis dreimal im Leben?

Systemischer Lupus erythematodes

13 Tipps zur Umsetzung der europäischen Lupus-Leitlinien

Lesetipps
Ein einbandagierter Fuß

© Patrick Bonnor / stock.adobe.com

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirm mit dem Chatverlauf des Smartphonebesitzers mit einem Chatbot.

© terovesalainen / stock.adobe.com

Tipps für die Praxis

Wie sag ich‘s Patienten, dass der KI-Chatbot falschliegt?

Rita Süssmuth steht in ihrem Büro im Deutschen Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nachruf

Rita Süssmuth: Kämpferin gegen Diskriminierung