Ärzte Zeitung, 10.06.2016

Regenerative Medizin

Erstaunliche Chancen

Handelt es sich um Science Fiction? Nein. Der Hauptstadkongress zeigt: Die regenerative Medizin wird zur klinischen Realität.

Von Christoph Fuhr

Er gilt als Star der regenerativen Medizin und wurde deshalb auch bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses mit donnerndem Beifall begrüßt:, Professor Anthony Atala, Director des Wake Forest Institute for Regenerative Medicine aus Winston-Salem in den Vereinigten Staaten, erläuterte in Berlin, welche Chancen die regenerative Medizin hat.

Diese Wissenschaft ist insbesondere bei Laien kaum bekannt. Sie nutzt die natürlichen Heilungskräfte des Körpers, um beschädigte Gewebe und Organe wiederherzustellen oder zu ersetzen. Dabei geht es nicht nur darum, Patienten mit bestimmten Erkrankungen innovativ zu behandeln. Sogar Heilungen sind möglich.

Implantate könnten viele Leben retten

Alle 30 Sekunden stirbt derzeit ein Patient an einer Krankheit, die mit Gewebeersatz oder einer Transplantation hätte behandelt werden können. Die geringe Zahl freiwilliger Spender macht aber viele Hoffnungen zunichte.

Im Labor erzeugte Implantate könnten helfen und viele Menschenleben retten, sagt Atala. Der US-Wissenschaftler und sein Team sind weltweit führend in der künstlichen Erzeugung von menschlichem Gewebe und Organen für die Transplantationsmedizin.

Erste Patienten leben seinen Aussagen zufolge bereits mit einer Reihe von im Labor erzeugten Implantaten: Knochen, Knorpel, Haut, Hornhaut, Blase, Blutgefäße, Vagina, Muskeln oder Segmenten des Harntrakts.

Weltweite Aufmerksamkeit erhielten die Wissenschaftler zuletzt für ihre Publikation, mit der sie die Machbarkeit des 3D-Drucks lebender Zellstrukturen als Ersatz für verletztes oder erkranktes Gewebe nachwiesen.

Sie konnten Knochen- und Muskelstrukturen drucken, die nach Implantation in Tieren zu Gewebe heranreiften, und ein System von Blutgefäßen ausbildeten.

Derzeit noch hohe Kosten

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass aus diesen Ergebnissen bemerkenswerte Schlüsse gezogen werden können: Die Strukturen weisen die richtige Größe, Stärke und Funktion zur Anwendung auf den Menschen aus.

Und wie sieht es mit den Kosten der regenerativen Medizin aus? Die seien derzeit noch sehr hoch, würden aber mit der Zahl der Menschen, die von der regenerativen Medizin profitieren könnten, sinken, gab sich Atala beim Hauptstadtkongress optimistisch. Für die Dialyse-Therapie eines einzigen Patienten entstünden in den USA Kosten in Höhe von jährlich 250.000 US-Dollar. "Damit ist klar, welche Optionen unsere Wissenschaft für die Zukunft hat."

Die Arbeit an der regenerativen Medizin ist längst nicht auf die Vereinigten Staaten begrenzt. Inzwischen arbeiten weltweit viele Wissenschaftler intensiv daran, die Zahl der regenerativen medizinischen Behandlungsangebote zu erhöhen. "Wir sind auf einem richtig guten Weg", gab sich Atala sicher.

Sein Auftritt beim Kongress machte eines klar: Was noch vor Jahren wie eine Geschichte aus einem schlechten Science Fiction-Film geklungen hätte, wird heute zur klinischen Realität.

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