Ärzte Zeitung, 03.07.2007

Schleimzyste löste Schwellung, Kopfschmerz und Doppelbilder aus

Nach rezidivierenden Naseninfekten oder Polypen wuchs Mukozele über Jahre

MÜNCHEN (ner). Rezidivierende Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder Nasenpolypen können unter Umständen erst nach Jahren Folgen haben - die zumindest betroffene Patienten nicht erwarten. So war es auch bei einer 69-jährigen Frau, die wegen einer seit Jahren zunehmenden Schwellung an der Stirn in die HNO-Klinik Großhadern in München kam.

Die Patientin klagte außerdem über Kopfschmerzen und leichte Doppelbilder. Die Schwellung an der Stirn war nicht verschieblich und prall-elastisch, berichtet Privatdozent Andreas Leunig aus München (MMW 18, 2007, 5). Radiologisch bestätigte sich in CT und MRT der Verdacht auf eine große Mukozele mit intrakranieller und intraorbitaler Ausdehnung. Der Druck auf die Orbita rechts war der Grund für die ebenfalls bestehende Ptosis.

Mukozelen (Schleimzysten) entstehen, wenn der Abfluss des in den Nasennebenhöhlen gebildeten Sekrets gestört ist. Bei der Patientin sei eine Polypose der Nase die Ursache gewesen, sagte Leunig zur "Ärzte Zeitung". Andere Ursachen sind Entzündungen mit Verwachsungen der Ostien, posttraumatische Verschlüsse oder Tumoren.

Der sich dann anstauende Schleim erzeugt einen solchen Druck, dass sogar Knochen deformiert und verdrängt werden. Die Stirnhöhle und die Sinus ethmoidales sind am häufigsten betroffen. Bei Einbruch in der Orbita wird manchmal der Augapfel nach vorn verdrängt. Es kommt zu Sehstörungen wie Visusverlust und Doppelbilder. Bei Ausdehnung in den Subarachnoidalraum sind Liquorlecks und Hirnabszesse möglich. Deshalb empfiehlt Leunig, Patienten mit Verdacht auf Mukozele stets sofort zu einem HNO-Arzt zu überweisen.

"Die Therapie der Wahl ist immer die chirurgische Eröffnung der Mukozele" so Leunig in der MMW. Die Operation kann von außen erfolgen. Dieses Vorgehen wurde auch bei der Münchner Patientin gewählt. Die Mukozele kann aber auch mit einem endoskopischen Verfahren oder mit einer Kombination von offener und minimalinvasiver Chirurgie eröffnet werden. Ziel ist es, eine große Drainage-Öffnung in der Nase zu schaffen.

Ist die Öffnung zu klein, sind spätere Rezidive wahrscheinlich. Manchmal wird auch eine Rekonstruktion der Stirnhöhlenvorderwand notwendig. Der Heilungsverlauf bei der 69-jährigen Patientin war komplikationslos. Doppelbilder bestanden postoperativ nicht mehr.

Topics
Schlagworte
Medizin (74875)
Krankheiten
Kopfschmerzen (1515)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »