Ärzte Zeitung, 12.09.2007

Gibt es bald mehr genspezifische Medikamente?

KLOSTER SEEON (wst). In den nächsten Jahrzehnten werden vermehrt Medikamente erwartet, die genau auf das genetische und pharmakologische Profil einzelner Patientengruppen passen. Sie sind vermutlich effektiver, aber auch teurer als andere Arzneien. Begrenzte Absatzchancen könnten sogar dazu führen, dass sich ökonomisch nicht lohnt, was machbar ist.

Nach Schätzungen der europäischen Zulassungsbehörde EMEA könnten bis 2012 in der westlichen Welt etwa neun Prozent aller Neuzulassungen auf Arzneien entfallen, die auf genetische Besonderheiten ethnischer Gruppen zugeschnitten sind. Etwa ein Prozent aller bis 2012 zugelassenen Arzneimittel sind womöglich nach noch individuelleren genetischen Kriterien ausgerichtet. Darauf hat Dr. Franz Weinauer vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Kloster Seeon hingewiesen.

Ein Beispiel: Mit BiDil wurde 2005 in den USA erstmals ein Medikament exklusiv für eine ethnische Gruppe zugelassen. Das Kombipräparat aus Hydralazin und Isosorbid-Dinitrat hatte in Studien speziell bei Afroamerikanern mit Herzinsuffizienz die Sterberate und Zahl der notwendigen Klinikeinweisungen deutlich gesenkt.

Wie sehr sich maßgeschneiderte Arzneien durchsetzen, werde jedoch nicht nur davon abhängen, ob sie eine effektivere und nebenwirkungsärmere Therapie ermöglichen, sagte Weinauer auf einem Symposium des BRK. Je kleiner die Zielgruppe eines Medikamentes ist, desto teurer müsste ein solches Produkt sein, um die Entwicklungskosten zu decken.

Topics
Schlagworte
Medizin (76355)
Krankheiten
Herzschwäche (1977)
Wirkstoffe
Hydralazin (11)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »