Ärzte Zeitung, 15.10.2007

Lange Tiefschlafphasen fördern die Gedächtnisleistung

Langer Schlaf allein führt nicht zu besserem Lernen / Patienten mit Schlafstörungen kann es helfen, die Bettzeit zu verkürzen

BERLIN (ugr). Wer zu wenig schläft, kann sich am nächsten Morgen schlechter konzentrieren - diese Erfahrung hat schon jeder gemacht. Doch offenbar kommt es nicht so sehr darauf an, wie lange man schläft, sondern wie lange die Tiefschlafphasen sind.

Wenig Tiefschlaf beeinträchtigt das Gedächtnis. Und gerade bei alten Menschen gehen die Tiefschlafphasen drastisch zurück. "Schlaf hat eine wesentliche Funktion für die langfristige Speicherung von Gedächtnisinhalten. Hierbei ist die Schlafarchitektur - vor allem der Anteil von Tief- und REM-Schlaf - von Bedeutung", berichtete Professor Jutta Backhaus von der Uniklinik Lübeck beim Neurologen-Kongress in Berlin.

Der Tiefschlafanteil nimmt mit dem Alter stark ab: von 19 Prozent bei den 16- bis 25-Jährigen auf nur noch etwa drei Prozent bei den 36- bis 50-Jährigen. In einer Studie hat Backhaus nachgewiesen, dass tiefschlafreiche Phasen das deklarative (Wissens-)Gedächtnis stärken. Das deklarative Gedächtnis speichert Tatsachen und Ereignisse, die bewusst wiedergegeben werden können.

Teilnehmer im jungen Alter (18 bis 25 Jahre) und mittlerem Alter (48 bis 55 Jahre) mussten sich vor der Tiefschlafphase in der ersten Nachthälfte 24 von 40 Wortpaaren merken. Bei den anschließenden Tests konnten die jungen Probanden - sie hatten in der Zeit einen Tiefschlafanteil von einer Stunde - signifikant mehr Wortpaare wiedergeben als die älteren, die nur 18 Minuten Tiefschlaf hatten.

Im zweiten Versuch lernten die Teilnehmer die Wortpaare nach der ersten Tiefschlafphase, also in der zweiten Nachthälfte. In dieser Phase ist der Tiefschlafanteil generell sehr niedrig. Das überraschende Ergebnis: Am nächsten Morgen konnten sich junge und ältere Teilnehmer an etwa gleich viel Wortpaare erinnern.

Um Tiefschlafphasen zu verlängern, rät Backhaus bei Schlafstörungen zu kognitiver Verhaltenstherapie oder zu Entspannungstechniken sowie zum Verkürzen der Bettzeit. In Studien soll jetzt geprüft werden, wie erfolgreich diese Maßnahmen für die kognitive Leistungsfähigkeit sind.

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