Ärzte Zeitung, 30.07.2010
Kolorektale Karzinome
Verbesserte endoskopische Diagnostik erleichtert Früherkennung
Mit einer Rate von 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr
ist das kolorektale Karzinom der zweithäufigste Tumor in
Deutschland. Um die Erkrankung schon im Frühstadium zu
diagnostizieren und somit die Prognose zu verbessern, ist für
gesetzlich Versicherte zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr eine
biochemische Stuhltestung auf okkultes Blut vorgesehen. Nachteil der
biochemischen Stuhltests ist, dass ihre Sensitivität bei
einmaliger Stuhluntersuchung für Karzinome nur etwa 40 Prozent
beträgt und für Adenome lediglich 20 Prozent. Daher
muss der Test regelmäßig wiederholt werden.

Kolonkarzinom in situ.
©
Albertinen-Krankenhaus Hamburg;
www. endoskopiebilder.de
Als deutlich sensitiver und unabhängig
von äußeren Störfaktoren (etwa manche
Lebensmittel) hat sich die immunologische Stuhltestung erwiesen, deren
Kosten von der GKV nicht erstattet werden. In einer großen
Studie mit nahezu 22 000 Patienten lag die
Sensitivität für Karzinome bei 66 Prozent und die
für fortgeschrittene Adenome bei 27 Prozent. Allerdings ist
der optimale Cut-off für einen positiven Test unklar, so Dr.
Christian Pox von der Medizinischen Klinik der Ruhruniversität
Bochum am Knappschaftskrankenhaus Bochum und seine Kollegen in ihrem
CME-Beitrag zur Prävention und Diagnose kolorektaler Karzinome.
Nachteil sowohl der biochemischen als auch der immunologischen
Stuhltestung ist, dass nur blutende Neoplasien aufgezeigt werden. Bei
positivem Befund soll auf jeden Fall eine Koloskopie erfolgen.
GKV-Versicherte ab dem 55. Lebensjahr haben seit Oktober 2002
Anspruch auf eine kostenlose Koloskopie. Diese wird bei
unauffälligem Befund im Abstand von mindestens zehn Jahren
wiederholt. Personen, die keine Koloskopie wünschen, sollte
weiterhin die jährliche Stuhltestung angeboten werden.
Goldstandard in der Darmkrebs-Früherkennung ist die
Koloskopie. Hier hat es bei der endoskopischen Diagnostik in den
vergangenen Jahren einige Fortschritte gegeben, durch die die
Früherkennung kolorektaler Neoplasien verbessert werden
konnte. Hierzu zählen zum Beispiel die Chromoendoskopie, das
"Narrow band imaging" (NBI), hoch auflösende Endoskope und
eine verbesserte Bildverarbeitung.
Im Gegensatz zu Karzinomen sind präkanzeröse
neoplastische Schleimhautläsionen rein endoskopisch oft nicht
sicher von nicht-neoplastischen Läsionen, etwa
hyperplastischen Polypen, zu unterscheiden. Mit Hilfe der
Chromoendoskopie können auffällige
Schleimhautläsionen während der Koloskopie mit einem
Farbstoff angefärbt werden. Auf der Schleimhaut ergibt sich
dann eine bestimmte Oberflächenstruktur, die wiederum
bestimmten Läsionen zugeordnet werden kann
(Pit-Pattern-Klassifikation nach Kudo).
Wird die Chromoendoskopie mit hoch auflösenden und
vergrößernden Zoom-Endoskopen angewandt,
können mit einer Erfolgsquote von mehr als 90 Prozent auch
kleinste neoplastische Polypen aufgespürt werden, so die
Autoren.
Auch durch Nutzung des NBI, die eine
Kontrastverstärkung zwischen oberflächlicher
Schleimhaut und tiefer liegenden Blutgefäßen
bewirkt, lassen sich neoplastische Läsionen gut detektieren.
Auch die NBI wird mit Zoom-Endoskopen angewandt; Studien zufolge ist
das Verfahren der Chromoendoskopie gleichwertig. (mar)
Zu dem Modul "Prävention und
Diagnose kolorektaler Karzinome"

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