Direkt zum Inhaltsbereich

Der Schutz vor Demenz fängt bei der Blutdruckkontrolle an

Symptomatische Therapien sind bei vaskulärer Demenz dünn gesät. Umso wichtiger ist die Prävention, vor allem bei Bluthochdruck und nach einem Schlaganfall.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Variiert der Blutdruck bei einem Patienten stark, ist offenbar auch das Demenzrisiko deutlich erhöht.

Variiert der Blutdruck bei einem Patienten stark, ist offenbar auch das Demenzrisiko deutlich erhöht.

© Bilderbox / fotolia.com

Berlin. "Es gibt bisher keine Hypertoniestudien mit dem primären Endpunkt Demenz. Aber wir haben zwei große Studien mit eindrucksvollem Ergebnis, in denen die Demenz sekundärer Endpunkt war", hat Professor Martin Dichgans vom Klinikum Großhadern in München berichtet.

So gab es in der PROGRESS-Studie in jenem Arm, in dem die Patienten mit ACE-Hemmer plus Diuretikum behandelt wurden, eine 34-prozentige Verringerung der Demenz-Inzidenz - verglichen mit Placebo. "Und in der SYST-EUR-Studie war die Demenz-Inzidenz mit Kalziumantagonisten und ACE-Hemmer um die Hälfte geringer als mit Placebo", so Dichgans. Hochgerechnet bedeute das, dass pro Jahr vier Patienten die Demenz erspart werden könne, wenn tausend Hypertoniker effektiv behandelt würden.

Als ein neuer oder ergänzender Risikofaktor für die Entstehung einer vaskulären Demenz habe sich in den letzten Jahren die Blutdruckvariabilität herauskristallisiert, sagte Dichgans beim Psychiatrie-Kongress der DGPPN in Berlin. So sei das Demenzrisiko in einer Studie bei Patienten, deren Blutdruck in mehreren aufeinanderfolgenden klinischen Visiten während eines stationären Aufenthalts um mehr als 10 mmHg variierte, zehnfach erhöht gewesen. "Das ist ein weiteres Argument für eine gewissenhafte Blutdruckeinstellung und Kontrolle der Werte."

Der zweite wichtige Ansatzpunkt für die Vermeidung einer vaskulären Demenz ist für Dichgans die Sekundärprävention nach Schlaganfall. Denn Schlaganfall und vaskuläre Demenz gehen oft Hand in Hand. Auch bei effizienter Akuttherapie entwickle jeder fünfte Schlaganfallpatient eine Demenz als unmittelbare Folge des Ereignisses, sagte Dichgans. In den Jahren nach dem Schlaganfall liegt die Inzidenz dann bei weiteren drei Prozent pro Jahr.

Die Zahlen verdeutlichen die große Bedeutung des Schlaganfalls für die Entstehung einer vaskulären Demenz. Um erneute Schlaganfälle zu verhindern, ist eine Hemmung der Thrombozytenaggregation nach einem Schlaganfall deswegen auch zur Demenzprävention unverzichtbar. "Eine Indikation für die Hemmung der Thrombozytenaggregation in der Primärprävention gibt es dagegen nicht", betonte Dichgans.

Problematisch wird es freilich, wenn bei einem Patienten ohne Schlaganfallsymptome in der Bildgebung zufällig ischämische Läsionen auffallen. Das ist nicht so selten. "Wir würden die Patienten in dieser Konstellation behandeln, aber die Leitlinien geben dazu nichts her", so der Experte.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Robert Koch-Institut

Fast jeder dritte Erwachsene hört schlecht

Daten aus Japan

Extreme Hitze scheint Demenz zu beschleunigen

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Seltene Kristallarthropathie nach Bypass-Operation

Lesetipps