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Psychiatrie

Manisch-depressiv durch Frühlingssonne

Frühlingssonne hat offenbar auch ihre negativen Seiten: ein überdurchschnittlich starker Anstieg der Sonnenstrahlung lässt die Zahl junger Patienten mit bipolaren Störungen steigen.

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Sieht so eine Depression aus?

Sieht so eine Depression aus?

© Simon Coste / fotolia.com

DRESDEN. Die Zunahme von Sonnenstunden im Frühling steht im engen Zusammenhang mit dem erstmaligen Auftreten Bipolarer Störungen - auch als Manisch-Depressive Erkrankung bekannt.

Das belegt eine vom Uniklinikum Carl Gustav Carus Dresden koordinierte Studie (Bipolar Disord. 2012;14(6): 654-63).

Die Forscher der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie unter Leitung von Professor Michael Bauer haben dazu die Daten von rund 2400 Patienten aus 24 Städten in 16 Ländern ausgewertet.

Wetterdaten der NASA abgeglichen

Dabei sei aufgefallen, dass in bestimmten Orten - etwa Los Angeles, Oslo oder Santiago de Chile - Bipolare Störungen in einem signifikant früheren Lebensalter beginnen als an anderen Orten, teilt das Uniklinikum Dresden mit.

Beim Abgleich mit Wetterdaten der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA hätten die Wissenschaftler entdeckt, dass es in diesen Ländern oder Regionen, also Kalifornien, Norwegen oder Chile, im Frühjahr zu einer überdurchschnittlich starke Zunahme der täglichen Sonneneinstrahlung kommt.

Das oft bediente Klischee der immer fröhlich-entspannten Kalifornier halte damit der Betrachtung von Medizinern nicht stand, so das Uniklinikum Dresden in seiner Mitteilung: Im Westen der USA entspreche der Anteil der Menschen mit behandlungsbedürftigen Depressionen dem Landesdurchschnitt.

Bei der Sonderform "Manische Depression" steigt das Risiko einer frühen Erkrankung in Los Angeles sogar: Hier werden Bipolare Störungen in der Altersgruppe der bis zu 25-Jährigen durchschnittlich mit 18,9 Jahren erstmals diagnostiziert.

Erkenntnisse für Schulungsprogramme nutzbar

In Würzburg dagegen liegt das mittlere Alter bei Diagnosestellung bei 22,4 Jahren. "Mit unserer Studie konnten wir erstmals zeigen, dass Umweltfaktoren wie ein jahreszeitlich bedingter, starker Anstieg der Sonnenstrahlung eine Rolle bei der Entstehung seelischer Erkrankungen spielt", wird Bauer in der Mitteilung zitiert.

Die Erkenntnisse der Studie geben nicht nur Hinweise zu möglichen Gefährdungen junger Menschen, sondern sie helfen auch bereits Erkrankten und deren Therapeuten, besser mit der seelischen Störung umzugehen.

"Dieses Wissen kann nun zum Beispiel in Schulungsprogramme einfließen, um die Patienten dafür zu sensibilisieren, dass sie in dieser Jahreszeit stärker auf die Anzeichen manischer Episoden achten und sich frühzeitig um Hilfe bemühen", so Bauer weiter.

Obgleich in der Studie Daten von 2414 Patienten aus drei Kontinenten analysiert wurden, wollen die Wissenschaftler diese Erkenntnisse auf eine noch breitere Datenbasis stellen.

Deshalb bereiten sie derzeit eine weitere Untersuchung vor, in die auch Regionen und Patientendaten aus Afrika und Asien einfließen sollen. (eb)

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