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Freitod wegen Liebesentzug?

Streit mit Eltern: Teenies denkenda oft an Suizid

Jugendliche, deren Eltern sich ihnen gegenüber im Streit inakzeptabel benehmen, neigen zu Selbstmordgedanken.

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Schlechte Stimmung.

Schlechte Stimmung.

© JackF / fotolia.com

DURHAM. Körperliche und seelische Gewalt führt bei Jugendlichen häufig zu Selbstmordgedanken. Diese Gefahr ist besonders hoch bei Teenies, die von ihren Eltern drangsaliert, mit Liebesentzug bestraft, geschlagen oder vernachlässigt werden.

Die Studienautoren um Dr. Heather A. Turner hatten den National Survey of Children's Exposure to Violence analysiert, eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen in den USA, mit der verschiedene Formen der Viktimisierung erfasst werden (Arch Pediatr Adolesc Med 2012; online 22. Oktober). Darunter versteht man das Erleben von Gewalt, sei es durch Mitschüler, Eltern oder Fremde, in häuslicher Umgebung, in Schule oder Nachbarschaft. Es sollte gezeigt werden, inwieweit körperliche oder seelische Gewalt dazu beiträgt, dass Jugendliche Selbstmordgedanken entwickeln.

Von knapp 1200 Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren hatten mehr als 4% im vergangenen Monat mindestens einmal ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, sich das Leben zu nehmen. Die wichtigste Rolle kam dabei den Eltern zu: Wer von diesen geschlagen, gedemütigt, drangsaliert, mit Liebesentzug bestraft, vernachlässigt oder eingesperrt worden war, wollte mit 4,5-mal höherer Wahrscheinlichkeit aus dem Leben scheiden als Jugendliche ohne solche Erfahrungen.

Für die Forscher von der University of New Hampshire in Durham ist dies ein ebenso erschreckender wie unerwarteter Befund; man war davon ausgegangen, dass der elterliche Einfluss auf das Seelenleben im Kindesalter zwar eine sehr starke Rolle spielt, bei Jugendlichen aber eher abnimmt. Dass man auf die elterliche Fürsorge nicht setzen könne, löse bei den Jugendlichen möglicherweise ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit aus, spekulieren die Autoren. Dieses sei in mehreren Studien eng mit Suizidgedanken verknüpft gewesen.

Auch Mobbing durch Gleichaltrige und vor allem auch sexuelle Übergriffe schienen Jugendliche relativ häufig aus der Bahn zu werfen: Bis zu zweieinhalb- bzw. dreieinhalbfach erhöht war die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene an Selbstmord dachten. Im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch sei das Konzept von Trauma, Stigmatisierung und Scham als Auslöser für suizidale Gedanken belegt, schreiben Turner und Kollegen.

Bislang wenig beachtet war die Rolle der "Polyviktimisierung", dem Erleben mehrerer Formen von körperlicher und/oder seelischer Gewalt. Jugendliche, die dem ausgesetzt waren, hegten sechsmal häufiger Selbstmordgedanken als ihre unbelasteten Altersgenossen. Hier machten die Jugendlichen nicht nur einzelne schlechte Erfahrungen, sondern die Opferrolle sei quasi Dauerzustand, so die Autoren. Dadurch würden sowohl der soziale Halt als auch das Selbstwertgefühl geschwächt, was die Widerstandskräfte des Betroffenen deutlich mindere.

Nicht erklären konnten sich die Forscher das vermehrte Auftreten suizidaler Gedanken bei Jugendlichen, die mit einem Stiefvater oder einer Stiefmutter zusammenlebten. Dieser Umstand schien als solcher einen Risikofaktor darzustellen, auch wenn vom angeheirateten Elternteil keine Gewalt ausging. (eo)

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