Direkt zum Inhaltsbereich

Mit fMRT aufgedeckt

So wirkt Psychotherapie

Menschen mit Panikstörungen kann die Psychotherapie helfen. Wie und wo sie wirkt, hat jetzt ein deutsches Forscherteam aufgeklärt.

Veröffentlicht:
Ein Fall für die Psychotherapie?

Ein Fall für die Psychotherapie?

© lassedesignen / fotolia.com

MARBURG. Patienten mit Panikstörung zeigen eine Hyperaktivierung des linken inferior frontalen Kortex im Vergleich zu Gesunden, die sich nach der Teilnahme an der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) auf das Normal-Niveau reduziert.

Eine innovative Studie zum Einfluss von Psychotherapie auf Hirnprozesse bei Patienten mit Panikstörung wurde unter Leitung von Professor Tilo Kircher und Dr. Benjamin Straube federführend in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg überwacht und ausgewertet, wie die Universität Marburg mitteilt.

Sie erschien unter dem Titel: "Effect of cognitive-behavioral therapy on neural correlates of fear conditioning in panic disorder" (Biol Psychiatry. 2013 Jan 1;73(1):93-101).

Es handelt sich um die weltweit größte Studie zum Effekt von Psychotherapie auf das Gehirn, gemessen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT).

Die vom BMBF geförderte Arbeit ist Teil einer großen, deutschlandweit durchgeführten Untersuchung. Bisher war ungeklärt, wie sich Psychotherapie auf das Gehirn von Patienten mit Panikstörung auswirkt.

In Deutschland erkranken der Mitteilung zufolge rund ein Drittel der Menschen mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Psychotherapie ist neben der Pharmakotherapie eine effektive und weit verbreitet eingesetzte Methode zur Behandlung dieser Erkrankungen.

Die Panikstörung tritt bei rund 3-5% auf und ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzende panische Angst, Herzrasen, Schwitzen und dem Gedanken, sterben zu müssen oder in Ohnmacht zu fallen.

Weitere Analysen geplant

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen die besondere Rolle des linken inferior frontalen Kortex bei der Furchtkonditionierung bei Patienten mit Panikstörung. Patienten zeigen eine Hyperaktivierung dieser Region vor Therapie im Vergleich zu Gesunden, die sich nach der Teilnahme an der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) auf das Normal-Niveau reduziert.

Weiterhin konnte gezeigt werden, dass bei Patienten der linke inferior frontale Gyrus eine erhöhte Verknüpfung (Konnektivität) zu Regionen der Furchtverarbeitung (u.a., Amygdala, anterior zinguläre Kortex, Insula) aufweist, was auf einen erhöhten Zusammenhang "kognitiver" und "emotionaler" Prozesse bei Patienten mit Panikstörung im Vergleich zu Gesunden hinweist.

Kirchers Studie ist damit die erste, die Effekte von kognitiver Verhaltenstherapie auf neurale Korrelate der Furchtkonditionierung nachweisen konnte. Kognitive Verhaltenstherapie scheint demnach nicht primär auf emotionale Prozesse, sondern eher auf kognitive Prozesse verbunden mit dem linken inferior frontalen Gyrus, zu wirken.

Eine "geistige" Methode, nämlich Psychotherapie, verändert plastisch das "materielle" Gehirn.

Diese Erkenntnis soll helfen, Therapieverfahren weiter zu optimieren, um Patienten mit Panikstörung und deren Folgen (z.B., Agoraphobie) noch effizienter therapieren zu können.

Weitere Analysen dazu sollen zum Beispiel Aufschluss darüber geben, ob genetische Prädispositionen der Patienten die beschriebenen neuralen Prozesse sowie den Erfolg der Therapie beeinflussen (siehe Reif et al., im Druck).

Andere Auswertestrategien fokussieren hingegen eher auf Unterschiede in der neuralen Verarbeitung zwischen Patienten, die eine bessere oder schlechtere Wirkung von kognitiver Verhaltenstherapie bereits vor der Therapie vorhersagen. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

(S)MART-Konzept

Das leisten Fixkombinationen bei Asthma

27 Krebsarten in der Analyse

Gesund leben, Krebsrisiko senken: Studie untermauert Zusammenhang

Lesetipps
Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache

 Nebenniereninsuffizienz

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

MRSA-Keime sind am 19.09.2017 im Institut für Hygiene und Gesundheit in Hamburg in einer Petrischale zu sehen. Die weißen Plättchen geben verschiedene Antibiotika ab, von denen einige die Keime im Umkreis absterben lassen.

© Daniel Reinhardt / dpa / picture alliance

Robert Koch-Institut

Antibiotika-Resistenzen: Digitales Tool greift Ärzten unter die Arme