Direkt zum Inhaltsbereich

Lebendnierenspende

Das höhere ESRD-Risiko ist geringer

Die absolute Risikozunahme ist zwar klein, aber signifikant: Nierenspender entwickeln häufiger als vergleichbare Nicht-Spender eine terminale Niereninsuffizienz. Doch ihr Lebenszeitrisiko ist immer noch geringer als das der Allgemeinbevölkerung - was an der Auswahl der Spender liegt.

Veröffentlicht:
Spenderniere: Lebendspender haben ein höheres ESRD-Risiko - verglichen mit vergleichbaren Menschen.

Spenderniere: Lebendspender haben ein höheres ESRD-Risiko - verglichen mit vergleichbaren Menschen.

© horizont21 / fotolia.com

BALTIMORE. Dass Nierenspender nicht öfter dialysepflichtig werden als der Bevölkerungsdurchschnitt, ist schon in früheren Studien gezeigt worden. Der Vergleich verrät allerdings wenig über das Risiko, das durch die Spende eingegangen wird, da sorgfältig voruntersuchte Nierenspender per se ein geringeres Risiko für ein Nierenversagen haben als ein Durchschnittsbürger.

Ärzte der Johns Hopkins University in Baltimore haben deswegen die Erkrankungsraten von Nierenspendern mit der von Teilnehmern des Surveys NHANES III* verglichen, die potenziell als Spender infrage gekommen wären.

Von den 96.217 Personen, die zwischen 1994 und 2011 eine Niere gespendet hatten, entwickelten 99 in der Nachbeobachtungszeit von median 7,6 Jahren eine terminale Niereninsuffizienz (ESRD). Im Mittel trat die ESRD 8,6 Jahre nach der Spende auf.

Von 9634 vergleichbaren NHANES-III-Teilnehmern mussten 17 während des Follow-up von im Median 15 Jahren an die Dialyse, oder brauchten selbst ein Nierentransplantat.

Die daraus abgeleitete 15-Jahres-Rate für ein Nierenversagen betrug 30,8 pro 10.000 bei den Spendern und 3,9 pro 10.000 bei den Nicht-Spendern. Das höchste Risiko hatten mit 74,7 pro 10.000 Organspender afroamerikanischer Herkunft .

Bei weißen Spendern betrug die 15-Jahres-Quote nur 22,7 pro 10.000, gegenüber null pro 10.000 bei weißen Nicht-Spendern, dies war gleichzeitig der geringste absolute Risikoanstieg. Weiße Spenderinnen hatten sogar nur eine 15-Jahres-Inzidenz von 14,6 pro 10.000.

Das Lebenszeitrisiko von Spendern für ein terminales Nierenversagen schätzen die Studienautoren auf 90 pro 10.000. Die Vergleichszahl bei gesunden Nichtspendern beziffern sie auf 14 pro 10.000. Mit anderen Worten: Bei 76 Spendern von 10.000 Menschen, die für eine Spende in Frage kämen, stellt sich infolge der Nierenentnahme irgendwann ein terminales Nierenversagen ein.

Das Erkrankungsrisiko der Spender liegt damit nach Angaben der US-Forscher deutlich unter dem eines Durchschnittsbürgers, deren geschätztes Lebenszeitrisiko sie mit 326 pro 10.000 angeben.

Die Analyse bestätigt damit vorausgegangene Studien, denen zufolge das Risiko eines Nierenversagens bei Nierenspendern nicht höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Dennoch bringt die Organentnahme ein zusätzliches Risiko mit sich.

"Das Ausmaß der absoluten Risikozunahme ist jedoch klein", betonen die Studienautoren um Dr. Abimereki D. Muzaale. Die Zahlen seien eine wichtige Basis für das ärztliche Gespräch mit Menschen, die eine Lebendnierenspende erwägen. (bs)

*NHANES: National Health and Nutrition Examination Survey

Mehr zum Thema

Komplikationsmanagement

Typ-2-Diabetes macht besonderen Schutz für Niere und Herz erforderlich

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren

Lesetipps
Eine Warze auf der Hand.

© Hairem / stock.adobe.com

Tipps für die Therapie

Was gegen Warzen wirklich hilft

Nicht alles, was im Internet kursiert, stimmt auch – gerade wenn es um Gesundheitsfragen geht. Augen auf und hinterfragen!

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Kohlenhydrate, Apfelessig, Gottesnahrung und Süßstoffe

Vier Ernährungs- und Blutzuckermythen im Faktencheck