Ärzte Zeitung, 05.08.2004

Vom Ledersäckchen zum Latexpräser

Weltgrößter Kondom-Hersteller Durex feiert dieser Tage 75jähriges Firmenjubiläum

BERLIN (ddp). Es ist das traditionellste Verhütungsmittel der Welt. Wie alt genau, läßt sich nicht mehr genau feststellen. Die industrielle Produktion von Kondomen jedenfalls ist aus heutiger Sicht auch schon historisch zu nennen, wie das 75jährige Firmenjubiläum vom weltgrößten Hersteller Durex in diesen Tagen aufzeigt.

"Die ältesten Hinweise auf Präservative finden sich in Felsmalereien aus der Steinzeit, auf denen Männer mit einem vermutlich ledernen Penisüberzug abgebildet sind", sagt der Historiker und Autor Robert Jütte ("Lust ohne Last. Geschichte der Empfängnisverhütung", C.H. Beck). Im Laufe der Jahrhunderte probierten die Menschen so ziemlich alles aus, was man als Umhüllung des Glieds benutzen könnte.

Der sagenumwobene König Minos von Knossos auf Kreta soll es 1200 vor Christus schon mit Fischblasen versucht haben. Um 1500 empfahl der Italiener Gabrielle Fallopius Leinensäckchen als Schutz vor der Geschlechtskrankheit Syphilis. Aber auch Schildpatt, Leder, Ölpapier oder Schafsblinddarm fanden später Verwendung.

In Deutschland müsse das Kondom "in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannt gewesen sein", schätzt Jütte. Allerdings: Eine genaue Bezeichnung hatte es hierzulande noch nicht. Der Göttinger Arzt Christoph Girtanner schimpfte um das Jahr 1789, es gebe im Deutschen kein Wort für solch einen "schändlichen Gegenstand". Zwei Jahrzehnte später habe Goethes Leibarzt Christoph Wilhelm Hufeland das Präservativ ebenfalls vehement abgelehnt.

Erst die Erfindung des Gummikondoms markiert den Durchbruch. "Die alten, zumeist auch noch mehrfach gebrauchten Kondome aus Textilien waren teuer und ein Privileg der Oberschicht", so Jütte. Das Gummikondom wird zum Massenartikel, erfunden von dem Engländer Stephen Moulton, der es 1848 erstmals in Lizenz des Reifenherstellers Goodyear in einer leerstehenden Textilfabrik in Bradford-on-Avon herstellte.

In Deutschland wurde das Kondom "ungefähr seit 1870 industriell gefertigt", sagt Jütte. In den 1930er Jahren verdrängte dann das Latex das bis dahin verwendete Kreppgummi. Auch der Begriff Kondom dürfte seinen Ursprung auf der britischen Insel haben. Zwar könnte es von dem lateinischen Wort "Condus" (deutsch: Behältnis) stammen, wahrscheinlicher dürfte aber sein, daß es im 17. Jahrhundert seinen Namen vom Hofarzt von Charles II. - Dr. Condom - bekam.

Der fertigte für seinen König Schutzhüllen aus Tierdärmen. Möglicherweise erklärt dies auch, warum der legendäre Liebhaber Giacomo Casanova seine Schutzhülle "redingote anglaise" (zu deutsch etwa: englischer Reitermantel) taufte.

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