Ärzte Zeitung, 04.03.2005

Die meisten Frauen bevorzugen die Pille im Langzyklus

Aufschub der Einnahmepause eignet sich besonders bei Menstruations-Migräne

DÜSSELDORF (grue). Nur etwa jede dritte Frau wünscht eine regelmäßige Menstruationsblutung und kommt deshalb gut mit der Anti-Baby-Pille nach konventionellem Einnahmemuster zurecht. Die anderen Pillen-Anwenderinnen fragen immer häufiger nach dem Langzyklus, bei dem die lästige Pillenpause mit Abbruchblutung nur alle paar Monate erfolgt.

Eine Frauenärztin berät ihre Patientin zum Thema Pille: Beim Langzyklus verliert man weniger Blut, und zyklusabhängige Beschwerden gehen zurück. Foto: klaro

Langzyklus mit oralen Kontrazeptiva bedeutet die Einnahme mehrerer Pillenpackungen hintereinander ohne die gewohnte siebentägige Pillenpause mit Abbruchblutung nach jeder aufgebrauchten Packung. Obwohl bisher keine Pille für ein solches Einnahmeschema ausdrücklich zugelassen ist, fragen junge Frauen häufig danach, sagte Dr. Katrin Schaudig aus Hamburg bei einer Veranstaltung von Jenapharm in Düsseldorf.

Frauen denken dabei an die Bequemlichkeit und ihre Reisepläne, aber das Ausbleiben der künstlich herbeigeführten Monatsblutung unter hormoneller Kontrazeption habe auch medizinische Vorteile: Die Frau verliert weniger Blut, und zyklusabhängige Beschwerden gehen zurück. "Der Langzyklus ist deshalb eine vernünftige Alternative etwa für Frauen mit Blutungsstörungen oder Menstruations-Migräne", so Schaudig.

Für den Langzyklus eignen sich niedrigdosierte Einphasenpräparate, zum Beispiel die Mikropille Valette®. Sie enthält 30 Mikrogramm Ethinylestradiol und zwei Milligramm Dienogest, das sich wegen seiner kurzen Eliminationshalbwertzeit besonders gut für den Langzyklus eignet. "Die gestagenen Wirkungen schaukeln sich auch bei längerer Einnahme des Hormons nicht auf, außerdem kommt es nach dem festgelegten Absetztermin rasch zur Abbruchblutung", sagte Schaudig.

Nahezu 1000 Frauen haben die Pille jetzt für Studienzwecke im Langzyklus mit sechs Packungen getestet. Dabei wurde das Kontrazeptivum entweder durchgehend eingenommen oder mit einer einwöchigen Pillenpause zur Halbzeit. Eine weitere Gruppe von Frauen prüfte drei Monate lang den Langzyklus, gefolgt von drei Monaten konventioneller Pilleneinnahme. Nach insgesamt sechs Monaten entschieden sich 63 Prozent der Frauen dafür, weiter im Langzyklus zu bleiben.

Von den Frauen, die nicht nach drei Monaten das Regime gewechselt hatten, wollten 87 Prozent den Langzyklus beibehalten. Der Langzyklus wurde gut vertragen, so die Hamburger Gynäkologin. Die Rate an Zwischenblutungen sei von anfangs 18 Prozent auf langfristig sieben Prozent zurückgegangen. "Die orale Kontrazeption wird im Langzyklus noch sicherer und einfacher", so das Fazit der Frauenärztin. Es seien aber weitere Studien nötig, die sich mit den langfristigen Auswirkungen der verlängerten Pilleneinnahme beschäftigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

"GOÄ-Novelle bis Ende 2017 ist sportliches Ziel"

Wann kommt die neue GOÄ? Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" verrät GOÄ-Verhandlungsführer Dr. Reinhard genaueres. mehr »

"Harte Hand" schadet dem Schulerfolg

Den Lebenswandel eines Kindes kann ein sehr strenges Elternhaus negativ beeinflussen, belegt eine Studie. mehr »