Ärzte Zeitung, 18.11.2005

Renaissance von Tetrazyklin-Antibiotika

Bei Atemwegsinfekten sind die häufigsten Erreger gegen den Klassiker wieder empfindlich

DÜSSELDORF (djb). Tetrazykline erleben derzeit gegen bakteriell bedingte Atemwegsinfekte eine Renaissance. Der Grund: Die Resistenz der bei solchen Infekten vorherrschenden Keime ist zurückgegangen. Die Resistenzraten etwa bei Makroliden oder Aminobenzylpenicillinen steigen dagegen derzeit.

Seit zehn Jahren haben wir einen Mangel an neuen Antibiotika, wie Professor Hartmut Lode aus Berlin auf der Medica gesagt hat. Empfehlenswert sei daher, innovative Substanzen vorwiegend als Reserve-Antibiotika zu verwenden und sich je nach mikrobiologischer Situation auf bewährte Antibiotika zu besinnen, so Lode bei einer vom Unternehmen Pohl-Boskamp initiierten Veranstaltung. Selbst gegen Levofloxacin würden bereits Resistenzen beobachtet.

Nach der PEG-Resistenzstudie 2001 sind Tetrazykline gegen die dominierenden Erreger der bakteriellen Bronchitis und Sinusitis wieder gut wirksam. Der Anteil Tetrazyklin-resistenter Staphylococcus-aureus-Stämme betrug 1998 nur noch fünf Prozent und 2001 sogar nur noch 0,5 Prozent. Auch Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae waren zu etwa 80 Prozent oder nahezu 100 Prozent Tetrazyklin-empfindlich.

In den aktuellen Therapieempfehlungen von diesem Jahr (S3-Leitlinie der DGP, DGI und PEG) werden außer Amoxicillin und Makroliden auch Tetrazykline für die ambulante Therapie von Patienten mit bakteriellen Atemwegsinfekten ohne besondere Risikofaktoren empfohlen.

Untersuchungen im Zeitraum 2004 bis 2005 hätten die mikrobiologische Wirksamkeit von Oxytetrazyklin gegen die dominierenden respiratorischen Erreger bestätigen können, so Lode. So war etwa M. catarrhalis zu 99 Prozent, H. influenzae zu 100 Prozent und S. pneumoniae zu 83 Prozent empfindlich. Oxytetrazyklin (250 mg) steht in der fixen Kombination mit 300 mg standardisiertem Myrtol zur Verfügung (Tetra-Gelomyrtol®).

Der sekretolytische, mukolytische und antiinflammatorische Effekt von Myrtol trägt zu einer raschen Sekretverflüssigung bei, die vor allem bei älteren Patienten sinnvoll ist. Das Kombipräparat eignet sich gut für die empirische Initialtherapie bei Bronchitis oder Sinusitis in Hausarzt-Praxen, wenn eine Antibiose indiziert ist. Dies ist dann der Fall, wenn es bei zunächst viral bedingten Infekten zu einer bakteriellen Superinfektion kommt.

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