Ärzte Zeitung, 27.02.2006

Ein ordentlicher Alkohol-Kater läßt sich kaum vertreiben

Pflanzenextrakte beugen Brummschädel nicht vor / Acht klinische Studien analysiert

WEINHEIM (sko). Wie Pappnase und Schminke so gehört für viele Jecken der Alkohol zu den tollen Tagen dazu. Der Preis ist dann gewöhnlich ein ordentlicher Kater. Wirklich helfen gegen den Brummschädel kann nur die Abstinenz - Extrakte aus Feigenkakteen und Artischocken helfen dagegen kaum, glaubt man den Ergebnissen einer Meta-Analyse.

Auch eine Blüte hat mal Durst, wie diese Närrin beim Faschingumzug. Die Folgen können unangenehm sein, und ein Gegenmittel gibt es nicht wirklich. Foto: dpa/lnw

Die Liste der Maßnahmen gegen die lästige Befindlichkeitsstörung nach übermäßigem Alkoholgenuß ist lang. Angefangen von Klassikern wie Aspirin und Rollmops über Vitamin-cocktails oder das heiße Bad bis hin zu erneutem Alkoholgenuß ist dort alles zu finden. Doch welche dieser Methoden läßt sich mit wissenschaftlichen Resultaten untermauern?

Immerhin acht placebokontrollierte Studien zum "alcohol hangover" hat das Team um Dr. Max Pittler von der Peninsula Medical School in Exeter bei einer Literaturrecherche ausgemacht (BMJ 331, 2005, 1515).

Geprüft wurden darin Nahrungsergänzungen wie Hefe, die in Borretsch-Samen enthaltene Gamma-Linolsäure, Artischocken- oder Feigenkaktusextrakt, aber auch medikamentöse Strategien mit Antiemetikum, Betablocker oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

Zwar ergab die eine oder andere Studie kleine Erfolge bei der Kater-Bekämpfung, die auch durchaus signifikant waren. So konnte die prophylaktische Einnahme des NSAR Tolfenamin Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durst, trockener Mund und Tremor signifikant reduzieren.

Doch die Aussagekraft dieser Studie läßt sehr zu wünschen übrig: Zum Beispiel tranken die Testpersonen in kleinen Gruppen im eigenen Tempo, die Menge des Alkohols wurde dabei nicht gemessen. Und auch die übrigen Studien, die einen Effekt der geprüften Maßnahme erahnen ließen, wiesen doch erhebliche methodische Schwächen auf.

"Es standen nur einfach randomisierte Untersuchungen zur Verfügung, meist war die Zahl der Testpersonen sehr klein und alle Studien verwendeten unvalidierte Punktskalen", kritisiert Pittler. Solange die Pathologie des Alkohol-Katers nicht genauer untersucht worden sei, werde es kaum effektive Therapien geben.

Der Schluß liegt nahe, daß der Alkoholkonsum steigen könnte, wenn tatsächlich ein wirksames Mittel gegen den Brummschädel zur Hand wäre. Das Gegenteil jedenfalls, daß der Kater vom Alkoholkonsum abhält, trifft nach den bisherigen Erkenntnissen nicht immer zu. In seiner Veröffentlichung stellt Pittler ganz pragmatisch fest: "Der effektivste Weg zur Vermeidung des Katers besteht darin, sich in Mäßigkeit oder Enthaltsamkeit zu üben."

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