Ärzte Zeitung, 23.01.2007

Ausbrüche mit Noroviren in Heimen und Kliniken

Bundesweit hohe Erkrankungszahlen / Robert-Koch-Institut rät zu Isolierung von Patienten und Hygiene

BERLIN/KÖLN (eis). Eine besonders heftige Welle von Brechdurchfällen durch Noroviren hat Deutschland zur Zeit erfaßt. Die Erkrankungen treten vor allem in Altenheimen und Kliniken gehäuft auf. Durch strenge Hygiene und Isolierung von Patienten lassen sich weitere Ansteckungen vermeiden.

Bereits seit November häufen sich bundesweit Ausbrüche mit Noroviren, die Erkrankungszahlen sind zur Zeit ähnlich hoch wie bei der heftigen Winterepidemie vor zwei Jahren. Das hat Dr. Judith Koch vom Robert-Koch-Institut (RKI) auf Anfrage zur "Ärzte Zeitung" gesagt.

In der Norovirus-Saison von November bis März kommt es aber regelmäßig alle paar Jahre zu solchen Erkrankungszahlen, sagte Koch. Norovirus-Infektionen sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, 74 445 Erkrankungen waren 2006 an das RKI gemeldet worden.

"Patienten mit Norovirus-Infektionen, deren Kreislauf nicht geschwächt ist, haben Gott sei Dank eine gute Prognose", sagte Dr. Klaus-Peter Brenner vom Kölner Gesundheitsamt zur "Ärzte Zeitung". Nach zwei bis drei Tagen heile der Brechdurchfall meist aus. Stuhl und Erbrochenes von Erkrankten sind aber hoch-infektiös, und das Virus ist in der Umwelt sehr stabil.

Um weitere Infektionen zu verhindern, rät Brenner, erkrankte Altenheimbewohner möglichst nicht in eine Klinik einzuweisen. Sollte sich dies nicht vermeiden lassen, sollte das Krankenhaus unbedingt vorher über die Verdachtsdiagnose informiert werden.

Das RKI rät darüber hinaus, Patienten in einem Zimmer mit eigenem WC zu isolieren. Türgriffe und weitere Oberflächen, mit denen ein Patient in Kontakt gekommen ist, sollten mit viruziden Desinfektionsmitteln täglich abgewischt werden, die Sanitäranlagen häufiger.

Kontaminierte Flächen (etwa mit Erbrochenem) sollten sofort nach Anlegen eines Mundschutzes mit viruziden Desinfektionsmitteln gesäubert werden. Im Umgang mit Patienten ist sorgfältige Handhygiene mit Desinfektionsmitteln wichtig. Kontaktpersonen wie Besucher sollten in Handhygiene unterwiesen werden.

Ärztemerkblatt zu Noroviren gibt es unter www.rki.de, das Konsiliarlabor ist erreichbar unter 03018 / 754- 2379,

STICHWORT

Noroviren

Noroviren sind weltweit verbreitet. 30 Prozent der nicht bakteriellen Gastroenteritiden bei Kindern und 50 Prozent derjenigen bei Erwachsenen werden durch den Erreger verursacht. Kinder unter fünf Jahre und alte Menschen über 70 Jahre erkranken besonders oft daran. Die Viren sind die häufigste Ursache von Gastroenteritis-Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen, Kliniken und Heimen. (eb)

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