Ärzte Zeitung, 07.12.2010

Endoprothese im Sprunggelenk - das geht gut

Kommt es zu einer Arthrose des oberen Sprunggelenks, ist die gängige Therapie eine Versteifungs-Op. Folge kann die Überlastung benachbarter Gelenke sein, so dass Orthopäden verstärkt Endoprothesen in Betracht ziehen.

Von Uwe Groenewold

BERLIN. Eine fortgeschrittene Arthrose im oberen Sprunggelenk wird nicht mehr zwangsläufig mit einer Versteifungsoperation behandelt. Als Alternative können Endoprothesen künftig häufiger in Betracht gezogen werden, so Dr. Dirk Albrecht von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen beim Orthopädiekongress in Berlin. Längere Standzeiten und klinisch gute Ergebnisse ließen diesen Schluss zu.

Endoprothese im Sprunggelenk - das geht gut

Die zementfreie Implantation einer Endoprothese mit mobilem Gleitkern bei fortgeschrittener Sprunggelenkarthrose hat sich bewährt.

© Dr. Dirk Albrecht

Das obere Sprunggelenk (OSG) ist das am stärksten belastete Gelenk. Beim Gehen trägt es zum Teil mehr als das Fünffache des Körpergewichts. Vor allem bei Sportlern kommen häufig Brüche und Bänderverletzungen am Sprunggelenk vor, die sich Jahre später als schmerzhafte posttraumatische Arthrose die Beweglichkeit erheblich einschränken. Ähnliches gilt für Patienten nach Verkehrsunfällen.

Nach Versteifungs-Op sind Nachbargelenke überlastet

Bei den meisten Patienten wird das Sprunggelenk operativ versteift. Mit einer solchen Arthrodese sind sie dann häufig zunächst schmerzfrei, und die Gelenkfunktion ist zufrieden stellend. Da der Gang jedoch eher hölzern ist, werden benachbarte Gelenke auf Dauer mechanisch überlastet.

Folgen sind eine hohe Rate von Anschlussarthrosen sowie Einschränkungen von Beweglichkeit und Funktionalität, wie Albrecht erläuterte. Alternativ bietet sich eine OSG-Endoprothese der dritten Generation an. Dabei handelt es sich um ein Implantat mit mobilem Gleitkern, der eine physiologische Roll-Gleit-Bewegung ermöglicht. Es wird zementfrei im Knochen verankert.

Voraussetzung für die Implantation sind eine gute Restbeweglichkeit des Gelenks und eine ausreichende Bandstabilität. Starke Achsfehlstellungen, Nekrosen und eine manifestierte Osteoporose gelten als Kontraindikationen.

Albrecht schilderte Erfahrungen mit 84 Patienten im Durchschnittsalter von 62 Jahren. 71 hatten eine posttraumatische, 11 eine primäre Arthrose. Nach dem Einsetzen einer OSG-Prothese besserten sich bei den meisten die eingeschränkte Mobilität sowie die Funktionalität des Gelenks teils deutlich.

Das Schmerzempfinden, das vor der Operation auf einer numerischen Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (unerträglicher Schmerz) bei 4,5 lag, hatte sich sechs Monate danach auf 1,9 verringert. Durch Optimierung der Schmerzbehandlung sei der Wert mittlerweile auf 1,1 gesunken.

"Viele Patienten, die zuvor über Jahre unter chronischen Schmerzen litten, haben heute deutlich weniger Beschwerden", berichtete der Orthopäde. Die Komplikationsrate war gering. Bei einem Patienten kam es zu einer perioperativen Fraktur. Auch zwei partielle Osteotomien traten auf. Wundheilungsstörungen und Infektionen wurden nicht beobachtet.

Haltbarkeit der Prothesen wird zunehmend besser

Dem schwedischen Endoprothesenregister zufolge halten OSG-Prothesen, die zwischen 1993 und 2005 eingesetzt wurden, bei 78 Prozent der Patienten mindestens fünf Jahre und bei 62 Prozent mindestens zehn Jahre. Die Revisionsrate betrug 19 Prozent innerhalb der ersten fünf Jahre.

Heute kann auch wegen des verbesserten Prothesendesigns mit längeren Standzeiten (fünf Jahre bei 80 bis 90 Prozent) gerechnet werden. Großen Einfluss auf das langfristige Ergebnis hat außerdem die Erfahrung des Operateurs, wie Albrecht betonte: 30 Eingriffe dieser Art sind ein Schwellenwert.

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