Ärzte Zeitung, 06.10.2011

Muskelschmerz: Kurzfristige Selbsthilfe ist o.k.

Schmerzen an Gelenken oder an der Muskulatur sind für die meisten Bundesbürger ein bekanntes Problem - und ein leidiges. Eine Selbstmedikation ist möglich, sollte aber sorgfältig besprochen werden.

Von Ruth Ney

Kurzfristige Selbsthilfe bei Muskelschmerz ist o.k.

Schmerzhafte Verspannungen im Schulterbereich sind ein verbreitetes Problem.

© Robert Kneschke / fotolia.com

In einer repräsentativen Forsa Umfrage im vergangenen Jahr gab jeder fünfte Befragte an, täglich Beschwerden zu haben, jede sechste klagte über Beschwerden mehrmals im Monat - vor allem im Rücken und Nackenbereich.

Ursache können bekanntlich sowohl muskuläre Dysbalancen als auch degenerative Erscheinungen an den Gelenken sein. Viele Patienten neigen dann dazu, gegen die Schmerzen erst einmal selbst etwas zu unternehmen.

Selbstmedikation kann bei akuten Schüben einer Arthrose wirken

"Eine Selbstmedikation ist zum Beispiel bei akuten Schüben einer Arthrose durchaus möglich", so der Schmerzexperte Dr. Gerhard Müller-Schwefe aus Göppingen. Er rät betroffenen Patienten in Eigenregie verschreibungsfreie Schmerzmittel dann aber nicht länger als sieben bis zehn Tage einzunehmen, ohne dass mögliche Risiken und Nebenwirkungen überprüft würden.

Das gelte vor allem für Risikopatienten mit kardialen oder vaskulären Problemen sowie für Patienten mit Magenproblemen. Bei muskulären Verspannungen würde er die Selbstmedikation mit Schmerzmitteln sogar auf zwei bis drei Tage beschränken.

Trete innerhalb dieser Zeit keine merkliche Besserung ein, sei ein Gang zum Arzt nötig. "In erster Linie kommen bei muskelbedingten Beschwerden, die die Mehrzahl der Schmerzen am Bewegungsapparat ausmachen, nichtpharmakologische Maßnahmen wie Bewegung und Wärme zum Einsatz", so Müller-Schwefe.

Reichten diese Maßnahmen nicht, würden pharmakologische Substanzen verwendet, die dann meist auch verschreibungspflichtig seien, wie etwa Flupirtin.

Kurzfristige Schmerzlinderung durch Paracetamol

Zur kurzfristigen schmerzlindernden Selbstmedikation empfehle er vorrangig Paracetamol, da es nicht in die Gerinnung eingreife. Sei explizit eine entzündungshemmende Wirkung gewünscht, etwa bei einer bekannten degenerativen Gelenkerkrankung, seien Ibuprofen und Naproxen ideal.

Diclofenac sollte möglichst unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden, da es nach seinen Erfahrungen darunter häufig zu Transaminaseerhöhungen kommt.

Prinzipiell seien zwar orale Schmerzmittel am effektivsten, eine vernünftige Alternative seien dennoch auch topische Therapeutika. "Sie haben unter anderem den Vorteil, dass man bei der Applikation manipulativ tätig wird. Auch das ist therapeutisch wirksam" so der Schmerzexperte.

Bei Gelenkerkrankungen: Salben oder Pflaster

Im Falle von Gelenkerkrankungen können zum Beispiel Salben mit NSAR angewendet werden, mit denen nachweislich Wirkstoff ins Gewebe transportiert wird. Bei Muskelschmerzen sind eher Wärmesalben empfehlenswert.

Salben mit Capsaicin seien dabei durch die lokale hyperämisierende Wirkung, die nicht nur auf die Haut beschränkt sei, zwar manchmal etwas schmerzhaft für die Patienten, dafür aber am effektivsten. "Das ist in gewisser Weise eine Reflexzonentherapie, denn über diesen Reiz wird auch das vegetative Nervensystem mit beeinflusst", erläutert Müller-Schwefe.

Alternativ zu Salben stehen auch wirkstoffhaltige Pflaster sowohl mit Diclofenac als auch mit Capsaicin zur Verfügung. Ein guter, lang anhaltender Wärmeeffekt ist auch mit Wämepacks mit Eisenpartikeln oder Fangopackungen möglich. Auch mit wiederverwendbaren Wärmepackungen hat Müller-Schwefe gute Erfahrungen gemacht.

Für Patienten, die Phytotherapeutika bevorzugen, sind Präparate mit Teufelskralle eine Option. Hier gibt es Untersuchungsdaten sowohl zum Nutzen bei Gelenk- als auch bei muskulären Beschwerden. Wichtig ist hier, die Patienten darauf hinzuweisen, dass es mindestens eine Woche dauert, bis ein merklicher Effekt auftritt.

Eine pflanzliche topische Alternative für beide Patientengruppe sind darüber hinaus Zubereitungen mit Beinwell. Hier konnten zum Beispiel in Ergänzung zur physikalischen Therapie gute Effekte bei verspannungsbedingten Beschwerden der Halsmuskulatur erzielt werden.

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