Ärzte Zeitung, 19.10.2004

Immunsuppression ohne erhöhte Malignomgefahr

Studien zu Mycophenlat Mofetil

BASEL (nsi). Die Einnahme des Immunsuppressivums Mycophenolat Mofetil (MMF) zur Abstoßungsprophylaxe korreliert nicht mit einem erhöhten Risiko für lymphoproliferative Erkrankungen nach Transplantation. Eventuell ist die Rate sogar verringert.

Patienten, die nach Organtransplantation Immunsuppressiva benötigen, haben ein erhöhtes Risiko für hämatologische und solide Tumoren. Die Malignominzidenz nach Nierentransplantation wird mit etwa neun Prozent angegeben. Sie werde vermutlich aber unterschätzt, hat Professor Uwe Heemann vom Klinikum rechts der Isar in München bei der Tagung der deutschen und schweizerischen Fachgesellschaften für Nephrologie in Basel gesagt.

Da MMF (Cellcept®) die Häufigkeit akuter Abstoßungsreaktionen signifikant reduziere, sei zunächst befürchtet worden, das Risiko für lymphoproliferative Erkrankungen könne zunehmen. In einer prospektiven Beobachtungsstudie aus den USA wurden darum 8246 Patienten, die zwischen 1996 und 1998 eine neue Niere erhalten hatten, drei Jahre nachuntersucht. Die Hälfte der Patienten hatte MMF als Teil einer Erhaltungstherapie eingenommen, die andere Hälfte nicht. Die Daten stammen aus dem UNOS-Register (United Network of Organ Sharing).

In beiden Gruppen seien 27 Lymphome aufgetreten, was einer Inzidenz von 0,66 Prozent entspreche, so Heemann auf einem von Hoffmann-La Roche unterstützten Symposium. Insgesamt seien in der MMF-Gruppe 146 Malignome beobachtet worden und 176 in der Gruppe ohne MMF.

Eine ähnliche Untersuchung wurde mit Daten von 5256 Patienten des CTS-Registers (Collaborative Transplant Study) gemacht. Sieben Nierenempfänger, die MMF eingenommen hatten, entwickelten innerhalb von drei Jahren ein Lymphom (Inzidenz von 0,27 Prozent), so Heemann. Von den 2628 Patienten, die mit anderen Substanzen behandelt worden waren, erkrankten 25 an einem Lymphom (Inzidenz: 0,91 Prozent). Insgesamt hätten 104 Patienten in der MMF-Gruppe und 148 Patienten ohne MMF ein Malignom entwickelt.

Der Schutzeffekt von MMF könne, so Heemann, indirekt sein und auf einer verminderten Abstoßungsrate beruhen. Zudem hemme MMF die Proliferation von B-Zellen und könne damit direkt der Lymphomentstehung entgegenwirken.

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