Ärzte Zeitung, 03.03.2005

"Kein Fehlverhalten der Ärzte zu erkennen"

Minister Jürgen Zöllner sieht nach Tollwut durch gespendete Organe keine Versäumnisse

MAINZ (ddp). Im Tollwutfall an der Mainzer Universitätsklinik sieht der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD) keine Anzeichen für Versäumnisse der transplantierenden Ärzte.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei bei den Ärzten "kein Fehlverhalten zu erkennen", sagte Zöllner jetzt im Sozialausschuß des Mainzer Landtags. Der Minister fügte hinzu, der Fall habe deutlich gemacht, daß trotz allem, was die Hochleistungsmedizin bereits erreicht habe, immer ein gewisses Risiko übrig bleibe. Dies gelte selbst bei einer einfachen Blinddarmoperation und noch viel mehr bei der Entnahme und Transplantation von Organen.

Die Frage, ob bei der Klärung der gesundheitlichen Vorgeschichte der Organspenderin Fehler gemacht wurden, wollte der Minister noch nicht bewerten. Dies müsse von Experten geklärt werden, wozu ein "mehrgleisiges Begutachtungsverfahren" in die Wege geleitet worden sei. Dazu habe die Mainzer Universitätsklinik ein unabhängiges Gutachten bei der Univerisitätsklinik Essen in Auftrag gegeben.

Zusätzlich werde der Münchener Virologe Professor Heinz Angstwurm von der Neurologischen Universitätsklinik, Klinikum Großhadern, im Auftrag des Ministeriums noch ein weiteres Gutachten erstellen. Zöllner fügte hinzu, es gehe ebenso um Aufklärung wie darum, die Organtransplantation insgesamt "nicht zu beschädigen".

Im Januar waren bundesweit, wie berichtet, sechs Patienten Organe einer 26jährigen Spenderin implantiert worden, die mit dem Tollwut-Erreger infiziert war. Entnommen wurden die Organe an der Uniklinik Mainz, wo die Frau, die Drogen konsumiert hatte, nach einem Herzstillstand in die Intensivstation eingeliefert und gestorben war.

Die Frau hatte sich vermutlich in Indien mit dem tödlichen Tollwut-Virus infiziert. Ein Test der Organe auf Tollwut vor der Transplantation war aus Zeitgründen nicht möglich. Zwei der sechs Organempfänger sind inzwischen gestorben, ein dritter liegt im Koma.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »