Forschung und Praxis, 30.01.2006

Ist Abstoßung von Nierentransplantat früh abschätzbar?

Das chronische Transplantatversagen ist das größte Problem bei Patienten nach einer Nierentransplantation. Eine nicht-invasive Untersuchung der Gefäßwände könnte in Zukunft dazu beitragen, Risikopatienten früh zu erkennen.

"Etwa drei von zehn Patienten werden innerhalb von fünf Jahren nach einer Nierentransplantation erneut dialysepflichtig", sagte in Berlin Dr. Marlene Kneifel.

Die Ärztin ist an der Klinik für Nephrologie der Charité Berlin am Campus Benjamin Franklin tätig. Aufgrund histologischer Untersuchungen werde davon ausgegangen, daß eine fortschreitende Gefäßschädigung das Transplantatversagen auslöse.

Tonometrie hilft, das Risiko für Transplantatabstoßung abzuwägen

Um herauszubekommen, wie eng der Zusammenhang zwischen Gefäßschaden und dem Schweregrad der Funktionseinschränkung des Transplantats ist, konzipierte Kneifel eine Studie, an der 48 Patienten teilgenommen haben. Die Transplantation lag im Mittel sieben Monate zurück. Untersucht wurden die Gefäßelastizität und die Endothelfunktion.

Beide Parameter wurden nicht-invasiv gemessen. Für die Ermittlung der Gefäßelastizität wurde die arterielle Tonometrie eingesetzt, bei der ein Sensor am Handgelenk über der Arteria radialis plaziert wird und anschließend die Blutdruckkurven ausgewertet werden. Die Endothelfunktion wurde oxymetrisch vor und nach Stauung mit einer Blutdruckmanschette abgeschätzt.

Im Ergebnis habe sich eine deutliche Abnahme der Gefäßelastizität mit sinkender Kreatinin-Clearance und eine ähnliche Verminderung der Endothelaktivität gezeigt, so Kneifel. Weil diese Veränderungen stadienabhängig sind, bietet sich hier eine Möglichkeit, Risikopatienten eventuell früher zu identifizieren als es mit der Messung des Serumkreatinins oder der Abschätzung der glomerulären Filtrationsrate möglich ist.

Bei solchen Risikopatienten könnte dann ein intensiveres kardiovaskuläres Risikomanagement vorgenommen werden, sagte Kneifel. (gvg)

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