Ärzte Zeitung, 04.10.2006

Nierenübertragung klappt auch bei ungeeigneter Blutgruppe

Rituximab-Therapie plus Immunadsorption schützt Organ von Spendern mit unverträglicher Blutgruppe / Gute Ergebnisse bei bisher 48 Patienten

ESSEN (nsi). Bei etwa 30 Prozent der Menschen, die einem ihnen nahe stehenden Nierenkranken ein Organ spenden könnten, paßt die Blutgruppe nicht. Dennoch kann eine Organverpflanzung erfolgreich sein. Als einziges Zentrum in Deutschland erprobt die Uniklinik Freiburg derzeit diese Methode.

Bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Nephrologie in Essen sind aktuelle Daten zur Transplantation von Nieren trotz Blutgruppen-Unverträglichkeit vorgestellt worden. Der Nephrologe Dr. Johannes Donauer aus Freiburg hat die Ergebnisse von 21 Patienten, die an der dortigen Uniklinik eine AB0-inkompatible Niere erhalten haben, mit denen von 27 Patienten an der Uniklinik Stockholm zusammengefaßt - in beiden Teams wurde das gleiche Protokoll verwendet.

Nach diesem Protokoll erhalten die Empfänger 28 Tage vor dem geplanten Eingriff den Anti-CD20-Antikörper Rituximab, der gegen B-Zellen gerichtet ist und die Antikörperproduktion mehrere Monate lang hemmt. Etwa eine Woche vor der Operation beginnen die Ärzte zudem, selektiv Antikörper gegen die Blutgruppen A oder B zu entfernen.

    Nach 26 Monaten funktionierten noch 46 von 48 gespendeten Nieren.
   

"Diese Immunadsorptionen werden so häufig gemacht, bis sich keine Antikörper gegen die Spender-Blutgruppe nachweisen lassen, und zwar bis zu 14 Mal", sagte Donauer. Häufigere Immunadsorptionen brächten kein besseres Ergebnis. Die Empfänger bekommen zudem eine normal dosierte Abstoßungsprophylaxe aus Prednisolon, Tacrolimus und Mycophenolat-Mofetil sowie vorübergehend eine Prophylaxe gegen Zytomegalieviren.

Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 29 Monaten ist ein Patient nach einer Clostridien-Infektion gestorben und eine übertragene Niere funktioniert nur eingeschränkt. Doch die übrigen 46 verpflanzten Organe (96 Prozent) hätten eine sehr gute Funktion, ohne daß bisher Abstoßungen aufgetreten seien, berichtete Donauer.

Zum Vergleich: Die Rate der akuten Abstoßungen liegt sechs Monate nach Nierenlebendspende im Durchschnitt bei 25 bis 30 Prozent. Im Mittel funktionieren ein Jahr nach der Operation 96 Prozent der Organe, und 98 Prozent der Patienten leben. "Mit der Einschränkung, daß wir noch keine Langzeitergebnisse haben, sind wir mit diesem Resultat sehr zufrieden", sagte Donauer.

Am Universitätsklinikum Essen sind zudem auch zwischen zwei Paaren Nieren über Kreuz verpflanzt worden. Spendern und Empfängern gehe es sehr gut, berichtete Privatdozent Oliver Witzke vom Uniklinikum.

Weitere Infos zu Organtransplantationen unter www.dso.de

STICHWORT

Nierenspende

In Deutschland sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 4133 Organe gespendet worden, davon 2643 Nieren. Die meisten Spendernieren wurden postmortem entnommen, 553 Nieren stammten jedoch von lebenden Spendern. Damit machten die Nieren-Lebendspenden den größten Teil der insgesamt 600 Lebendspenden aus. (mut)

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