Ärzte Zeitung, 26.05.2004

Gefrorenes Sperma hält Dekaden

Gesunder Junge durch künstliche Befruchtung / Spermien 21 Jahre lang gelagert

MANCHESTER (ple). In Großbritannien ist ein Junge nach künstlicher Befruchtung gesund zur Welt gekommen. Das Besondere daran: Die verwendeten Spermien waren 21 Jahr lang eingefroren.

Wie britische Reproduktionsmediziner aus Manchester berichten, wurden 1979 Spermien aus dem Ejakulat eines damals 17jährigen Krebspatienten eingefroren, bevor der Mann wegen eines Hodentumors radio- und chemotherapeutisch behandelt wurde (Hum Reprod 19/6, 2004, 1448).

Nach mehreren Krebsbehandlungen galt der Patient 1992 als geheilt. Drei Jahre lang versuchte er, mit seiner Partnerin Kinder zu bekommen. 1998 wurde bei ihm schließlich eine Azoospermie diagnostiziert. Deshalb entschied sich das Paar für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI).

Nach Angaben der Wissenschaftler um den Embryologen Dr. Greg Horne vom St Mary‘s Hospital in Manchester entstanden erst im vierten IVF/ICSI-Versuch genügend Embryonen, von denen zunächst drei tiefgefroren wurden. Im Jahr 2001 wurden sie schließlich aufgetaut und zwei von ihnen in den Uterus verpflanzt. Vor zwei Jahren brachte die Partnerin nach Angaben der Wissenschaftler einen gesunden Jungen mit einem Gewicht von 3700 Gramm zur Welt.

Nach Ansicht von Dr. Elizabeth Pease aus Manchester ist dies der erste wissenschaftliche Bericht über die Verwendung von Spermien für die IVF/ICSI, die länger als 20 Jahre eingefroren waren.

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