Ärzte Zeitung, 26.08.2004

HINTERGRUND

Sport auch während der Schwangerschaft? Ja, aber in Maßen!

Von Ingrid Kreutz

Wenn gesunde Frauen während der Schwangerschaft Sport treiben möchten, ist dagegen aus medizinischer Sicht nichts einzuwenden - vorausgesetzt es werden geeignete Sportarten gewählt und das Training erfolgt in Maßen.

"Es gibt bisher keine Studie, die in einer normalen gesunden Schwangerschaft irgendeinen negativen Effekt maßvoller aerober Aktivität auf die Entwicklung des Fetus oder des Schwangerschaftsverlaufs gezeigt hätte", fassen Dr. Eva-Maria Lochmüller und Professor Klaus Friese von der Frauenklinik der LMU München die derzeitige Datenlage zusammen.

Laufen und Schwimmen sind besonders zu empfehlen

Besonders empfehlenswert für Schwangere sind nach Angaben der Münchner Gynäkologen Sportarten im aeroben Bereich mit kontinuierlicher Belastung wie Laufen, Aerobic, Radfahren und Schwimmen (Der Gynäkologe 5, 2004, 459). Bis in die letzten Schwangerschaftswochen könnten speziell für Schwangere angebotene Wassergymnastikgruppen wahrgenommen werden. Die Aktivität im Wasser schont die Gelenke und vermindert die Häufigkeit von Rückenschmerzen.

Außerdem hat das Wasser durch seinen kühlenden Effekt einen positiven Einfluß auf die Thermoregulation. Eine gesteigerte Rate an Scheiden- und Harnwegsinfektionen sei durch Schwimmen während der Schwangerschaft nicht zu befürchten, so die Frauenärzte. Auch gegen leichtes bis moderates Krafttraining mit freien Gewichten oder an Geräten sei nichts einzuwenden. Ein solches Training in Verbindung mit Stretching erhöhe Kraft und Beweglichkeit der Schwangeren, was den Frauen den Umgang mit erhöhtem Körpergewicht und verändertem Körperschwerpunkt erleichtert.

Gerätetauchen ist für Schwangere kontraindiziert

Sportarten, die eine hohe Wahrscheinlichkeit für Körperkontakt mit sich bringen, wie Handball oder Basketball sind für Schwangere nicht geeignet. Sie können zu einem abdominalen Trauma führen, warnen Lochmüller und Friese. Abzuraten sei auch von Sportarten mit hohem Sturzrisiko wie Eiskunstlauf, alpinem Skifahren oder Reiten.

Auch Ballsportarten wie Squash oder Badminton sind problematisch für Schwangere, da sie die Gelenke anfälliger für Verletzungen machen. Gerätetauchen sei während der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert, da es im ersten Trimenon zu teratogenen Effekten kommen könne, und im 2. und 3. Trimenon kann die Bildung von Stickstoffbläschen die Durchblutung der Plazenta beeinträchtigen.

Wie intensiv dürfen Schwangere Sport treiben? Frauen, die bereits vorher sportlich aktiv waren, können ihr aerobes Training bei unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf meist fortführen. Allerdings: Aufgrund des erhöhten Ruhepulses während der Schwangerschaft und der geringeren maximal erzielbaren Herzfrequenz ist die Herzfrequenzreserve unterhalb der anaeroben Schwelle reduziert.

Daher werden während der Schwangerschaft andere Zielbereiche der Herzfrequenz empfohlen. Hierbei ist der obere Schwellenwert um fünf Schläge im Vergleich zu Nichtschwangeren reduziert. Bei Frauen bis 29 Jahre wird ein Zielbereich der Herzfrequenz von 135 bis 150 Schläge pro Minute empfohlen, bei Frauen zwischen 30 und 39 Jahren ein Bereich von 130 bis 145 Schlägen und bei Frauen über 40 Jahre ein Zielbereich von 125 bis 140 Schlägen.

Um körperliche Überanstrengung zu vermeiden, gibt es für Schwangere einen einfachen Test, den "talk test". Das Training gilt danach als angemessen, wenn die Schwangere in der Lage ist, sich mit einem Gesprächspartner zu unterhalten.

Frauen, die in der Schwangerschaft weiter Leistungssport betreiben möchten, sollten von spezialisierten Ärzten überwacht werden, empfehlen Lochmüller und Friese.

Doch wie steht es um Schwangere, die Sport machen möchten, aber bisher inaktiv waren? Für solche Frauen ist Sport keineswegs Tabu. Die Münchner Frauenärzte empfehlen, erst zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels mit einer moderaten, aeroben Aktivität zu beginnen, also dann, wenn die Beschwerden der Frühschwangerschaft mit Übelkeit und Müdigkeit zurückgehen.

Zunächst sei ein mindestens 15minütiges Training dreimal pro Woche sinnvoll. Während des zweiten Trimenons könne die Aktivität auf 30 Minuten Training, vier- bis fünfmal pro Woche gesteigert werden. Eine sofortige Beendigung des Trainings empfehlen die Münchner Gynäkologen bei Dyspnoe, Schwindel, Übelkeit, Brustschmerzen, Muskelschwäche, vaginaler Blutung, vorzeitiger Wehentätigkeit, Unterleibsschmerzen, verminderten Kindsbewegungen sowie bei Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung.

FAZIT

Auch Schwangere können bedenkenlos Sport treiben, sofern sie geeignete Sportarten wählen wie Schwimmen und Radfahren und das Training in Maßen erfolgt. Frauen, die bereits vorher sportlich aktiv waren, können ihr aerobes Training bei unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf meist fortführen. Frauen, die bisher keinen Sport gemacht haben, sollten erst zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels mit einer moderaten, aeroben Aktivität beginnen, also dann, wenn die Beschwerden der Frühschwangerschaft zurückgehen.

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