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Bei wiederholter Zystitis ist Antibiotika-Prophylaxe sinnvoll

FREIBURG (bib). Chronisch rezidivierende Zystitiden sind bei Frauen keine Rarität. Vor allem ältere Frauen neigen aufgrund anatomischer und funktioneller Veränderungen dazu. Das Therapiespektrum ist breit. Es reicht von einfachen Verhaltensänderungen über eine kontinuierliche Antibiose bis hin zu operativen Korrekturen anatomischer Anomalien.

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Besonders nach der Menopause prädisponieren anatomische und funktionelle Veränderungen zu rezidivierenden Harnwegsinfekten. Eine Atrophie der Schleimhäute oder Zystozelen mit Restharnbildung beeinträchtigen die lokale Abwehrlage des Urogenitaltraktes. Entsprechend rezidivieren Harnwegsinfekte bei Frauen über 55 Jahren zu 53 Prozent, bei jüngeren nur zu 36 Prozent, wie Dr. Dirk Watermann von der Universität Freiburg berichtet (Geburtsh Frauenheilk 64, 2004, 473). Meist sind Escherichia-coli-Stämme die Ursache der Infektionen.

Übertriebene Sexualhygiene sollte vermieden werden

Sofern keine behebbaren anatomische Ursachen, etwa operable Obstruktionen, oder prädisponierende internistische Erkrankungen wie Diabetes mellitus vorliegen, sind einfache Verhaltensänderungen eine wichtige Maßnahme zur Prophylaxe der Zystitis. Hierzu gehören: täglich mindestens zwei Liter trinken, alle drei Stunden die Blase leeren, nach dem Geschlechtsverkehr Wasser lassen. Außerdem sollte auf übertriebene Genitalhygiene sowie auf Intimsprays, Diaphragmen und Spermizide verzichtet werden, weil sie die physiologische Keimflora stören und eine Aszension von pathogenen Darmbakterien begünstigen können.

Wenn das nicht ausreicht, ist eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Der Freiburger Gynäkologe empfiehlt eine kontinuierliche tägliche oder zweimal wöchentliche Behandlung mit einmal 100 mg Trimethoprim oder Nitrofurantoin, jeweils oral, über sechs bis zwölf Monate. "Die Anfälligkeit der Patientinnen wird aber auch durch eine lange dauernde Prophylaxe nicht reduziert", so Watermann. 60 Prozent bekommen drei bis vier Monate nach Absetzen der Antibiotika erneut ein Rezidiv.

Kooperative Patientinnen erhalten Antibiotikum bei Bedarf

Bei gehäuften Harnwegsinfekten nach dem Geschlechtsverkehr ist auch eine einmalige postkoitale Prophylaxe möglich. Sehr kooperativen Patientinnen kann ein Antibiotikum zur Anwendung bei Bedarf ausgehändigt werden. Watermann: "Patientinnen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten können ihre Symptome gut einschätzen, 94 Prozent der von Patientinnen vermuteten Rezidive konnten in einer Studie an 172 Patientinnen mikrobiologisch verifiziert werden, die von den Patientinnen selbst begonnene Medikation war bei 96 Prozent der Frauen erfolgreich."

Unterstützend wirken etwa die lokale Anwendung von Östrogenen in der Postmenopause oder eine Ansäuerung des Harns auf einen pH zwischen fünf und sechs mit schwefelhaltigen Aminosäuren (etwa Me-thionin, 3 mal 500 bis 3 mal 1000 mg/d). Alternative Ansätze sind Cranberry- oder Bakterienextrakte zur lokalen Immunmodulation. Die Therapie mit Laktobazillen hat nach Angaben von Watermann keinen Einfluß auf die Häufigkeit chronisch rezidivierender Harnwegsinfekte.

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