Ärzte Zeitung, 09.09.2004

Gute Alternativen zur Windel bei Harninkontinenz

Belastungsinkontinenz bei Frauen die häufigste Harninkontinenzform / Duloxetin erweitert Behandlungsoptionen

FRANKFURT/MAIN (nsi). Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin ist seit kurzem für die Therapie von Frauen mit mittelschwerer bis schwerer Belastungsharninkontinenz auf dem Markt (wir berichteten). "Weil Frauen sich oft schämen, das Problem anzusprechen, stehen Vorlagen zur Zeit an erster Stelle, um mit dem Problem umzugehen", so PD Dr. Sven Hundertmark vom Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Altona.

"Wenn eine Belastungsharninkontinenz diagnostiziert ist, und diese Diagnose kann auch der Hausarzt stellen, sollten vor dem Griff zur Windel alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft werden", plädierte der Gynäkologe. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es zu versehentlichem Harnabgang bei intraabdomineller Druckerhöhung auf die Blase durch Husten, Niesen, Lachen oder Sport.

Diese Form der Harninkontinenz macht etwa 49 Prozent der Harninkontinenzen bei Frauen aus. Die Mischform aus Belastungs- und Drang-inkontinenz, bei der die Frauen einen nicht beherrschbaren Harndrang verspüren, macht weitere 29 Prozent aus.

Familiäre Vorbelastung, Übergewicht, vaginale Geburten und Menopause gehörten zu Risikofaktoren der Belastungsinkontinenz, so Hundertmark. Miktions- und Trinkprotokolle zur Objektivierung des Problems seien für die exakte Diagnose obligat. In der Arztpraxis werde dann die Frau unter Verwendung einer Vorlage aufgefordert, bei voller Blase zu husten. Verliere sie dabei unwillkürlich so viel Urin, daß die Binde etwa zwei Gramm schwerer werde, handele es sich um eine therapiebedürftige Harninkontinenz.

Beckenbodentraining mit Biofeedback durch Elektromyogramm ist eine klassische, konservative Behandlungsmethode ebenso wie die lokale Östrogenisierung und die Pessartherapie. Ließen sich mit diesen Therapien nicht die gewünschten Erfolge erzielen, könne jetzt eine Behandlung mit Duloxetin (Yentreve®) erwogen werden, sagte Hundertmark. Das Medikament lasse sich gut mit einer Physiotherapie kombinieren. Erst wenn auch dies ausgeschöpft sei, sollte eine Op erwogen werden.

Duloxetin erhöht die neuronale Aktivität und damit die Kontraktilität des urethralen Sphinkters während der Urinspeicherphase, erläuterte Professor Wolfgang Jost von der DKD in Wiesbaden. Das Medikament erhöhe die Blasenkapazität, ohne die Miktion zu beeinflussen.

"Unter den Respondern sprechen 86 Prozent innerhalb der ersten fünf Tage an, die übrigen innerhalb von maximal zwei Wochen", so Professor Udo Jonas, von der Medizinischen Hochschule Hannover. Die optimale Dosierung für diese Indikation betrage zwei Mal 40 Milligramm am Tag.

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