Ärzte Zeitung, 22.09.2004

Zelltherapie heilt Patienten mit Harninkontinenz

Geschwächter Sphinkter wird mit körpereigenen Zellen wieder aufgebaut / Studie mit 42 Patienten vorgestellt

WIESBADEN (mut). Eine Zelltherapie kann Inkontinenz-Patienten komplett heilen. Bei der Therapie werden körpereigene Zellen in den Blasenschließmuskel und in die Harnröhre injiziert. Mit dem Verfahren läßt sich ein geschwächter Sphinkter sowie atrophierte Ure-therschleimhaut wieder aufbauen.

Die Zelltherapie wurde jetzt erstmals bei 42 Patienten mit Inkontinenz geprüft, darunter 29 Frauen und 13 Männer. 27 Frauen sowie acht Männer wurden nach dem Eingriff komplett kontinent und benötigen keine Medikamente oder Einlagen mehr, berichtet Professor Hannes Strasser von der Urologischen Klinik in Innsbruck. Die ersten Patienten wurden bereits vor zwei Jahren mit dem Verfahren behandelt und sind seither kontinent.

"Die Methode ist für Patienten geeignet, bei denen wir per Sonographie festgestellt haben, daß der Blasenschließmuskel nicht optimal funktioniert", sagte Strasser zur "Ärzte Zeitung". Dies sei bei einem großen Teil der Frauen mit Streß- und Dranginkontinenz der Fall, ebenso bei vielen Männern nach einer Prostata-Ektomie.

Und so funktioniert das neue Verfahren: Den Patienten wird zunächst bei einer Muskelbiopsie am Oberarm Gewebe entnommen. Daraus werden im Labor Myoblasten und Fibroblasten gezüchtet - also Zellen, die Muskel- und Bindegewebe bilden. Die Myoblasten werden dann transurethral in den Rhabdosphincter injiziert, die Fibroblasten in atrophierte Bereiche der Submucosa der Harnröhre.

"Wir können nach dem Eingriff sehen, daß der Schließmuskel kräftiger und dicker wird und die Harnröhre besser verschließt. Zudem sehen wir, daß die Fibroblasten die Schleimhaut der Harnröhre wieder aufbauen und so die Harnröhre besser abdichten", sagte Strasser. Der Eingriff durch die Harnröhre dauert nur etwa 20 Minuten, und wird unter Vollnarkose oder auf Wunsch auch unter tiefer Sedierung vorgenommen. Bei den Patienten seien bisher keine Nebenwirkungen aufgetreten.

"Wir hätten nicht gedacht, daß die Methode so gut funktioniert und ein Großteil der Patienten wieder kontinent wird", sagte Strasser, der die Ergebnisse der Zelltherapie jetzt beim Urologenkongreß in Wiesbaden vorstellt. Bis Ende des Jahres will der Urologe weitere 40 Patienten mit dem Verfahren behandeln.

Infos zum Urologenkongreß unter: www.dgu.de/kongresse.html

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